Themabewertung:
  • 0 Bewertung(en) - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Zwerge am Svellt
#40
Zwerge am Svellt #41

Der Abstieg von Finsterkoppen verlief ohne besondere Vorkommnisse.

Noch einmal blickten sie zu den steinernen Häusern zurück, die sich an die mächtige Bergflanke schmiegten. Dann verschwand die Zwergenstadt hinter einer Biegung des Weges, und vor ihnen lag wieder die Einsamkeit des Finsterkamms.

Das Wetter war mild. Ein leichter Wind strich über die Hänge, und die Sonne ließ sich gelegentlich zwischen den Wolken blicken. Sie folgten dem Gebirgskamm nach Osten, zunächst auf breiten Wegen, die zwischen Geröllfeldern und niedrigen Gehölzen hindurchführten.

Nach den Tagen unter dem Berg genossen sie die frische Luft.

Tondar ging wie gewöhnlich ein Stück voraus. Er prüfte die Wege, hielt nach geeigneten Rastplätzen Ausschau und beobachtete aufmerksam den Himmel. Keldi hatte die Führung der Gruppe wieder übernommen, während Hurdin schweigend zwischen seinen Gefährten ging.

Der Salamanderstein war sicher verstaut.

Es war ein eigentümliches Gefühl, ihn nun tatsächlich bei sich zu tragen. So lange hatten sie nach ihm gesucht. Hatten Spuren verfolgt, Geschichten gehört, Gefahren überstanden. Und nun lag er, kaum größer als eine Zwergenfaust, irgendwo zwischen ihren Habseligkeiten.

Ein Gegenstand von unermesslicher Bedeutung.

Und dennoch wussten sie noch immer nicht, was sie mit ihm anfangen sollten.

Am nächsten Morgen brach die Sonne zwischen den Wolken hervor.

Schon bald wurde es ungewöhnlich warm. Die Luft stand beinahe unbeweglich über den steinigen Hängen, und während sie weiter nach Osten zogen, begann die Sonne unangenehm auf ihre Rücken zu brennen.

Furka schob seinen Helm zurück und wischte sich über die Stirn.

»"erbst, sagen sie."

Tondar blickte kurz zum Himmel.

"Wart's ab."

Gegen Mittag erreichten sie eine Stelle, an der der Weg nach Norden abfiel.

Der Abstieg erwies sich als beschwerlicher, als sie erwartet hatten. Der Pfad wurde schmaler, wand sich zwischen schroffen Felsen hindurch und führte schließlich an einem Abgrund entlang, dessen Tiefe sich im Dunst verlor.

Links von ihnen fiel der Berg beinahe senkrecht ab.

Rechts erhob sich eine kahle Felswand.

Der Weg war kaum breit genug, um bequem hintereinanderzugehen.

Tondar blieb stehen und betrachtete die Passage.

"Einer nach dem anderen. Und nicht nach links schauen."

Furka warf einen Blick in die Tiefe.

"Hättest du das nicht früher sagen können?"

Sie gingen vorsichtig weiter.

Unter ihren Stiefeln knirschte loses Gestein. Hin und wieder löste sich ein kleiner Stein und sprang über die Kante. Dann dauerte es lange, bis das Geräusch seines Falles verklungen war.

Althea hielt ihren Stab dicht am Körper und konzentrierte sich auf den Weg unmittelbar vor ihren Füßen.

Der Pfad schien kein Ende nehmen zu wollen.

Erst nach langer Zeit verbreiterte er sich wieder. Die Berge auf der gegenüberliegenden Seite rückten näher heran, und aus der gewaltigen Tiefe wurde allmählich ein enges Tal.

Als die Dunkelheit hereinbrach, fanden sie schließlich einen geeigneten Lagerplatz zwischen einigen Felsen.

Sie entzündeten ein kleines Feuer, aßen und legten sich erschöpft zur Ruhe.

Über ihnen standen die Sterne.

Am folgenden Morgen setzten sie ihren Weg fort.

Unterhalb von Hiltorp führte sie ihre Route diesmal nicht auf den Wegen zurück, über die sie gekommen waren. Stattdessen stiegen sie weiter hinab in das tiefe Quertal des Finsteren Svellt.

Dort unten, zwischen den steilen Hängen, entsprang der Fluss, der weiter nördlich das Land durchzog.

Zunächst war er kaum mehr als ein Rinnsal.

Klares Wasser lief über dunkle Steine, sammelte sich in kleinen Becken und verschwand zwischen Wurzeln und Geröll. Doch je weiter sie dem Tal folgten, desto mehr Zuflüsse kamen hinzu.

Aus dem Rinnsal wurde ein Bach.

Aus dem Bach ein Flüsschen.

Und schließlich begleitete sie das beständige Rauschen des Finsteren Svellt auf ihrem Weg nach Norden.

Die Landschaft veränderte sich.

Die schroffen Felsen wichen allmählich bewaldeten Hängen. Tannen und Fichten standen dicht an dicht, dazwischen leuchteten die Blätter einzelner Laubbäume in Gelb und Rot. Feuchtigkeit lag über dem Tal, und an manchen Stellen stieg leichter Nebel aus dem Wasser.

Tondar schien mit der Wahl des Weges zufrieden.

"Solange wir dem Fluss folgen, können wir uns kaum verirren."

"Eine beruhigende Vorstellung", bemerkte Archon, der gerade damit beschäftigt war, einen besonders hartnäckigen Zweig aus seinem Bart zu entfernen.

Sie kamen gut voran.

Doch das Wetter begann umzuschlagen.

Am nächsten Tag blieb die Sonne hinter einer geschlossenen Wolkendecke verborgen. Ein böiger Wind fuhr durch die Baumwipfel und trieb die ersten Regentropfen vor sich her.

Der Herbst machte sich bemerkbar.

Sie zogen die Umhänge enger um die Schultern und gingen weiter. Der Boden wurde weicher, die Wege schlammiger, und das Wasser des Svellt schwoll allmählich an.

Gegen Abend mussten sie sich einen geschützten Platz zwischen den Bäumen suchen. Das Feuer wollte zunächst nicht recht brennen, und selbst Furka verzichtete auf längere Beschwerden, nachdem es endlich gelungen war, die feuchten Holzscheite zu entzünden.

Am folgenden Morgen war der Himmel noch immer grau.

Der Wind hatte aufgefrischt.

Sie näherten sich inzwischen der Straße zwischen Gashok und Lowangen. Das Tal wurde breiter, die Berge traten zurück, und der Fluss führte nun deutlich mehr Wasser als noch wenige Tage zuvor.

Dann brach das Gewitter los.

Zunächst war nur fernes Grollen zu hören gewesen. Tondar hatte den Himmel betrachtet und das Tempo erhöht. Doch noch bevor sie die Straße erreichten, verdunkelten sich die Wolken, und ein heftiger Regenschauer ging über ihnen nieder.

Blitze zuckten über das Tal.

Der Donner rollte zwischen den Bergen wider.

Binnen weniger Augenblicke waren ihre Umhänge durchnässt.

Das Wasser lief ihnen über die Gesichter, tropfte von Helmen und Hüten und sammelte sich in ihren Stiefeln.

"Bei Angroschs Esse!", fluchte Furka. "Erst braten sie uns, jetzt ersäufen sie uns!"

Niemand widersprach.

Als sie schließlich den Fährmann erreichten, war es bereits später Nachmittag. Der Regen hatte etwas nachgelassen, doch der Wind trieb noch immer schwere Wolken über den Himmel.

Die Überfahrt über den angeschwollenen Svellt war unangenehm.

Das Wasser drückte gegen das Boot, und der Fährmann musste kräftig arbeiten, um es auf Kurs zu halten.

Erst als sie das andere Ufer erreichten, konnten sie aufatmen.

Die Dunkelheit begann bereits hereinzubrechen.

Sie schlugen ihr Lager unweit des Flusses auf, suchten trockenes Holz unter den Bäumen zusammen und entzündeten ein Feuer.

Dann rückten sie dicht an die Flammen heran.

Nasse Umhänge hingen über Ästen. Stiefel standen in der Nähe der Glut. Aus der Kleidung stieg Dampf auf.

Althea saß in ihre Decke gehüllt und hielt die Hände über das Feuer.

Furka betrachtete missmutig seine durchnässten Sachen.

"Morgen scheint bestimmt wieder die Sonne."

Tondar nickte.

"Gut möglich."

Furka sah ihn finster an.

"Das war keine Bitte."

Doch tatsächlich hatte sich der Himmel am nächsten Morgen aufgeklart.

Als sie aufbrachen, schien die Sonne bereits wieder kräftig auf sie herab.

Die Wege trockneten rasch, und während sie sich Neulowangen näherten, wurde es erneut so warm, dass sie ihre Umhänge ablegten.

Gegen Mittag erreichten sie die Stadt.

Vor ihnen erhoben sich die goldenen Torflügel des zentralen Praiostempels, die im Sonnenlicht weithin glänzten.

Furka betrachtete sie mit wenig Begeisterung.

"Warme Sonne, aber kein warmes Bier", bemerkte er schnippisch.

Immerhin waren die Verhältnisse hier nicht ganz so streng wie in Gashok.

In der Herberge Zur Sonne gab es das übliche Dünnbier und leichten Wein. Keine besonders aufregende Auswahl, aber nach den vergangenen Tagen im Gebirge war ihnen ohnehin vor allem nach einer ordentlichen Mahlzeit und einem trockenen Bett zumute.

Sie ließen sich nieder, bestellten Essen und ruhten sich aus.

Der Weg durch den Finsterkamm lag hinter ihnen.

Vor ihnen wartete Lowangen.

Und mit Lowangen all jene Fragen, die sie seit dem Fund des Salamandersteins begleiteten.


Die Ruine Svelltstein lag still und verlassen, als sie sie erreichten.

Sie kannten den Weg inzwischen.

Zwischen den alten Mauern fanden sie den verborgenen Zugang, der hinab in die Gänge der Grauen Stäbe führte. Tief unter der Erde setzten sie ihren Weg fort, bis sie schließlich die Ordensburg erreichten.

Als sie wieder ins Freie traten, war die Dunkelheit hereingebrochen.

Lowangen lag vor ihnen.

Die Straßen der Bunten Flucht waren still. Nur vereinzelt begegneten ihnen noch Menschen, die sich eilig auf den Heimweg machten. Hinter manchen Fenstern brannte Licht, und aus der Ferne drangen gedämpfte Stimmen herüber.

Sie gingen nach Altlowangen hinauf.

Dann überquerten sie den großen Marktplatz.

Dort hatte sich das Elend der belagerten Stadt inzwischen unübersehbar ausgebreitet.

Zwischen den Häusern lagerten Flüchtlinge. Manche hatten sich unter notdürftig aufgespannten Tüchern eingerichtet, andere kauerten an kleinen Feuerstellen oder lagen eng zusammengedrängt unter Decken.

Kinder schliefen neben Bündeln und Karren.

Einige Menschen blickten auf, als die ungewöhnliche Reisegesellschaft vorbeiging.

Die meisten blieben gleichgültig.

"Der Winter naht", stellte Keldi düster fest.

Er betrachtete die Menschen, die sich auf dem kalten Pflaster eingerichtet hatten.

"Bald ist es zu kalt, hier draußen zu nächtigen."

Niemand antwortete.

Sie gingen weiter.

Durch die engen Gassen des Fuchswinkels gelangten sie schließlich zu einem kleinen Platz.

Dort stand das Haus Brin Vaskendantzs.

Die Nennung des Namens Dragan Escht verschaffte ihnen wie gewohnt Zugang zum Hinterhof ihres mürrischen Gastgebers.

Der kleine Fachwerkerker über dem Hof war noch immer so, wie sie ihn in Erinnerung hatten.

Staubig.

Eng.

Aber trocken.

Nach den vergangenen Tagen war das mehr als genug.

Sie trugen ihre Sachen hinauf und begannen, sich einzurichten.

Hurdin verstaute das Gepäck. Archon untersuchte die vorhandenen Vorräte. Furka öffnete ein Fenster und blickte in den dunklen Hof hinab.

Althea hatte gerade ihren Umhang abgelegt, als von draußen ein Geräusch zu hören war.

Schritte.

Die hölzernen Stufen der Freitreppe knarrten.

Dann klopfte jemand an die Tür.

Keldi hob wachsam die Hand.

Für einen Augenblick wurde es still.

Dann trat er zur Tür und öffnete sie.

Draußen stand ein unscheinbarer Geselle.

Seine Kleidung war schlicht, sein Auftreten zurückhaltend. Er wirkte weder besonders wohlhabend noch ausgesprochen heruntergekommen.

"Verzeiht die Störung", begann er. "Mein Name ist Gavron."

Keldi musterte ihn.

"Was wollt Ihr?"

Der Fremde zögerte kurz.

Dann erkundigte er sich nach seinem Bruder.

Antharon.

Der Name war ihnen bekannt.

Sie hatten Antharon tatsächlich getroffen, erklärten sie dem Besucher. Doch sie seien nicht mit ihm unterwegs gewesen und könnten ihm auch nicht sagen, wo er sich gegenwärtig aufhalte.

Gavron wirkte enttäuscht.

Für einen Moment stand er etwas verloren vor der Tür.

Althea betrachtete ihn.

Dann lud sie ihn ein, wenigstens für eine Weile hereinzukommen.

Der Fremde nahm dankbar an.

Sie rückten zusammen, und Gavron ließ sich auf einem freien Platz nieder. Nach einer Weile zog er unter seinem Umhang einige kleine Fläschchen hervor.

Hochprozentigen.

Er bot ihnen davon an.

Furka betrachtete die Fläschchen mit wachsendem Interesse.

"Na, das ist doch wenigstens etwas."

Die Stimmung lockerte sich.

Sie tranken miteinander und unterhielten sich über ihre Reisen, über Lowangen und über die schwierigen Verhältnisse in der Stadt.

Gavron fragte noch einmal nach Antharon, doch sie konnten ihm nichts Weiteres berichten.

Nach etwa einer Stunde erhob er sich.

Er bedankte sich für die Gastfreundschaft, verabschiedete sich höflich und verschwand über die knarrende Freitreppe im Dunkel des Hofes.

Keldi schloss die Tür.

Eine Weile war es still.

Dann begannen sie, ihre Schlafplätze herzurichten.

Althea dachte noch einmal an den Besucher.

Seltsamer Geselle.

Doch die Müdigkeit der Reise machte sich bemerkbar.

Bald lag der kleine Erker im Dunkeln.


Am nächsten Morgen war Hurdin früh auf den Beinen.

Er hatte begonnen, ihre Habseligkeiten zu ordnen, als ihm etwas auffiel.

Zunächst hielt er nur inne.

Dann durchsuchte er sorgfältig das Gepäck.

Einmal.

Ein zweites Mal.

Er öffnete die Bündel, hob Kleidungsstücke beiseite und prüfte die Stellen, an denen er den kostbaren Gegenstand verwahrt hatte.

Schließlich richtete er sich langsam auf.

Sein Gesicht war bleich geworden.

"Keldi."

Der Zwerg blickte auf.

"Was ist?"

Hurdin antwortete nicht sofort.

Sein Blick wanderte zu Althea.

Dann sagte er leise:

"Der Salamanderstein."

Althea erstarrte.

Hurdin schluckte.

"Er ist fort."

Der Salamanderstein war verschwunden.
Zitieren


Nachrichten in diesem Thema
Zwerge am Svellt - von Althea - 19.04.2026, 08:26
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 19.04.2026, 08:51
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 19.04.2026, 09:22
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 19.04.2026, 16:31
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 19.04.2026, 22:03
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 21.04.2026, 02:30
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 22.04.2026, 03:08
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 23.04.2026, 19:36
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 25.04.2026, 07:18
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 25.04.2026, 14:10
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 25.04.2026, 18:27
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 26.04.2026, 17:53
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 27.04.2026, 19:33
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 01.05.2026, 07:29
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 01.05.2026, 07:40
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 01.05.2026, 07:52
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 02.05.2026, 06:28
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 07.05.2026, 16:44
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 08.05.2026, 11:46
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 09.05.2026, 21:14
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 10.05.2026, 13:05
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 13.05.2026, 08:31
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 14.05.2026, 08:21
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 14.05.2026, 08:33
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 16.05.2026, 09:16
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 16.05.2026, 09:31
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 17.05.2026, 17:02
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 17.05.2026, 18:22
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 22.05.2026, 15:27
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 24.05.2026, 07:26
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 24.05.2026, 07:38
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 25.05.2026, 12:22
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 30.05.2026, 11:09
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 07.06.2026, 05:55
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 07.06.2026, 06:21
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 20.06.2026, 11:59
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 20.06.2026, 17:36
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 20.06.2026, 18:07
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - Vor 3 Stunden
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - Vor 3 Stunden
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - Vor 3 Stunden



Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 2 Gast/Gäste