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Zwerge am Svellt - Althea - 19.04.2026 Zwerge am Svellt #1 „Spitzohren“, brummelte Furka, kaum dass er das Ufer betreten hatte. „Überall Spitzohren.“ Althea warf ihm einen Seitenblick zu; in den Augenwinkeln lag ein feines Lächeln. „Das sind Elfen, Furka.“ „Hab ich gesagt“, knurrte er und stapfte weiter hinter Keldi her. Keldi zog nur die Brauen hoch und schwieg. Hurdin murmelte etwas von „ganz ohne Amboss“, während Tondar leise durch die Zähne pfiff und die schlanken Bögen, Stege und hellen Hütten musterte, die sich zwischen Wasser, Holz und Grün verloren. Althea blieb für einen Moment zurück. Vor ihr mischte sich menschliche Bauweise mit etwas Leichterem, fast Unwirklichem – als sei der Ort nicht gebaut, sondern gewachsen. Pfähle, Stege, gebogene Linien, Holz, das wirkte, als habe es selbst entschieden, welche Form es annehmen wollte. Über allem lag der Duft von frischem Harz, feuchter Erde und jungem Gras. „Es fühlt sich an wie… eine andere Welt“, sagte sie leise. Hinter ihr polterte Furkas Stimme: „Es fühlt sich an wie ’ne Falle. Wetten, hier gibt’s nicht mal gescheites Bier?“ Althea lachte kurz, nahm die Laute an ihrer Seite fester und folgte den anderen. Die Zwerge gingen schweigend über die Planken der Anlegestelle, das schwere Knirschen ihrer Stiefel mischte sich mit dem ruhigen Plätschern des Kvill. Zwischen den Pfahlbauten der Auelfen lagen schmale Boote, und von den erhöhten Stegen herab ruhten Blicke auf ihnen – freundlich, aufmerksam, aber fremd. „Spitzohren…“, murmelte Furka noch einmal, als müsse er das Wort erst an diesen Ort gewöhnen. Althea erinnerte sich an den Elfenboten in Riva, an die weiche Melodie seiner Sprache, die kaum Garethi gewesen war und doch verständlich blieb. Auch hier lag etwas in der Luft, das sich nicht erklären ließ: eine andere Ordnung, stiller und zugleich wacher als in den Städten des Nordens. Keldi wandte sich halb zu ihr um. „Na, wenn sie uns schon herbestellt haben, dann sollen sie uns auch sagen, weshalb. Aber in einem ordentlichen Gasthaus — nicht in so einem Baumhaus über dem Wasser.“ Hurdin nickte grimmig. „Wenn es hier überhaupt ein ordentliches Gasthaus gibt.“ „Gibt es“, sagte Althea. „Die Einkehr. Feste Mauern, habe ich gehört.“ Ein zustimmendes Brummen ging durch die Reihe. Als sie sich dem Wall aus eingerammten Baumstämmen näherten, hinter dem die Dächer von Kvirasim aufragten, veränderte sich das Klangbild des Ortes. Händlerstimmen, das Rufen von Bootsmännern, das ferne Schlagen von Holz auf Holz – und darüber, kaum greifbar, ein helles Flötenspiel, irgendwo zwischen den Häusern. Althea hob unwillkürlich den Kopf. Die Zwerge wechselten nur kurze Blicke. „Nicht vergessen“, murmelte sie leise, mehr zu sich selbst als zu den anderen. Der Wind trug den Klang weiter ins Dorf hinein, und vor ihnen öffnete sich der Weg zum Markt. RE: Zwerge am Svellt - Althea - 19.04.2026 Zwerge am Svellt #2 Der Peraine-Tempel von Kvirasim lag still im schrägen Licht des Nachmittags, als die sechs ihre Ausrüstung ordneten. Das schwere Reisegepäck war geöffnet, Riemen wurden nachgezogen, Schnallen geprüft, Waffen abgelegt und wieder aufgenommen, als müsse jede Bewegung erst an diesem Ort neu bestätigt werden. Die Zwerge arbeiteten schweigend. Keldi kniete über einem geöffneten Bündel, prüfte sorgfältig die Lederriemen seiner neuen Skraja und strich mit dem Daumen über die Schneide, als wolle er sicher sein, dass nichts vom langen Weg auf dem Kvill ihr Gewicht verändert hatte. Neben ihm saß Hurdin auf einer niedrigen Steinbank und zog ruhig einen Riemen am Kettenhemd fester, bis Metall leise auf Metall schliff. Er sagte nichts, aber sein Blick blieb immer wieder an Türen, Fenstern und den Bewegungen im Tempelhof hängen, als zähle er bereits unbewusst Ausgänge. Tondar hatte sich etwas abseits an die Mauer gesetzt. Vor ihm lagen Bogen, Köcher, Messer und ein kleiner Lederbeutel mit getrockneten Kräutern, die er auf der Reise gesammelt hatte. Er schien weniger mit der Ausrüstung beschäftigt als mit dem Ort selbst; sein Blick wanderte immer wieder zu den Bäumen über dem Wall hinaus, dorthin, wo das Licht zwischen Ästen stand. Archon saß im Schatten einer Säule, beinahe reglos, die Pfeife neben sich gelegt, ein Buch auf den Knien. Doch wer ihn länger beobachtete, sah, dass auch er alles wahrnahm: die Tempeldiener, das Kommen und Gehen, die fremden Stimmen draußen auf dem Platz. Seine Aufmerksamkeit war nie dort, wo seine Augen ruhten. Furka dagegen konnte nicht still bleiben. Mal half er Hurdin beim Verschnüren eines Packens, dann wanderte er wieder zu Althea hinüber, betrachtete die Tempelhalle, die Vorräte, die einfachen Blumen an den Fenstern, nur um kurz darauf erneut hinauszusehen, als müsse er sicherstellen, dass Kvirasim noch da war, wenn er zurückblickte. Althea stand nahe dem offenen Eingang, wo das Licht auf die Steinplatten fiel. Ihre Laute lehnte an der Wand, während sie mit ruhigen Händen einige kleine Dinge aus ihrer Tasche sortierte: Schreibzeug, Stoffbeutel, ein schmaler Dolch, ein Tuch, das nach Süden roch. Immer wieder glitt ihr Blick hinaus auf den Marktplatz. Der Ort war anders als Thorwal, anders selbst als Riva. Leichter, stiller, aber nicht friedlich im eigentlichen Sinn — eher so, als ruhe hier etwas, das sich nicht sofort zeigte. Als die Sonne tiefer sank, kam der Bote. Nicht laut, nicht mit der Selbstverständlichkeit eines Menschen, sondern beinahe so, als wäre er schon da gewesen, bevor man ihn bemerkte. Elsurion Sternenlicht sprach ruhig, fast melodisch, und bat sie, ihm zu folgen. Niemand fragte lange. Sie verließen den Tempel, überquerten den Platz, auf dem das Licht des Abends bereits flacher wurde, und gingen hinüber zur Liebliche Au. Vor der Tür standen Händler, Bootsmänner und zwei Männer in Fellwesten, die kurz innehielten, als die Gruppe vorbeiging — fünf Zwerge in nordischer Ausrüstung und eine Magierin mit Laute waren auch hier kein alltäglicher Anblick. Drinnen war es wärmer als draußen. Holz, Rauch, Bier und das tiefe Murmeln des Abends. Elsurion wählte einen Tisch etwas abseits. Die Zwerge setzten sich, schwerfällig vom langen Tag, die Waffen dicht bei sich, als hätten sie sich längst daran gewöhnt, niemals ganz abzulegen, was Schutz bedeutete. Althea hörte aufmerksam zu. Elsurion sprach vom alten Bund zwischen Elfen und Zwergen, aus einer Zeit, in der beide Völker ihre Abneigung gegeneinander zurückgestellt hatten, um gemeinsam gegen die Orks zu stehen. Aus diesem Bund, sagte er, sei einst ein Zeichen entstanden: der Salamanderstein. Kein bloßer Stein, kein Schmuckstück, sondern Erinnerung in Form. Ein Artefakt, dessen Wiederauffinden nun notwendig geworden sei. Während der Elf sprach, blieb Keldi ruhig, doch seine Stirn legte sich in Falten. Furka nahm zwischendurch lange Züge aus seinem Krug, als traue er Geschichten erst, wenn Bier danebenstand. Hurdin hörte mit unbewegtem Gesicht zu, als würde er das Gesagte weniger glauben als abspeichern. Tondar wirkte auf eine stille Weise aufmerksam, als höre er nicht nur Worte, sondern auch das, was zwischen ihnen fehlte. Archon schließlich hob kaum merklich den Blick, als der Name des Artefakts fiel. Nur Althea fragte nach. Nicht viel, aber genug, um zu spüren, dass auch Elfen nur einen Teil sagten. Als Elsurion gegangen war, blieb für einen Moment nur das Licht der Kerzen und das tiefer werdende Geräusch des Abends. Dann trat ein Mensch an ihren Tisch. Sudran Alatzer, geschniegelt, höflich, mit jener kontrollierten Freundlichkeit, die mehr verbarg als zeigte. Er sprach denselben Namen aus. Salamanderstein. Jetzt aber klang alles anders. Nicht Erinnerung, sondern Ware. Nicht Bund, sondern Gelegenheit. Er erwähnte Lowangen, sprach von Übergabe, von Geld, das dort auf sie warte. Die Zwerge reagierten kaum sichtbar, doch Furka stellte seinen Krug langsamer ab als zuvor. Keldi lehnte sich nicht zurück. Hurdin verschränkte die Arme. Nur Althea blieb höflich, ohne Zusage. Als der Händler gegangen war, war die Nacht bereits über den Platz gefallen. Sie traten hinaus. Der Marktplatz lag offen unter klarem Himmel. Zwischen den Dächern stand das Licht der Sterne still über den eingerammten Baumstämmen des Walles, und irgendwo aus größerer Entfernung war noch ein spätes Gespräch zu hören, das sich im Wind verlor. Für einen Moment blieb die Gruppe stehen. Niemand sprach sofort. Der Tag hatte ihnen bereits mehr Aufträge gebracht, als eine Ankunft eigentlich tragen sollte. Erst als sie schließlich die Einkehr erreicht hatten und die Müdigkeit des langen Tages sich endlich auf Schultern und Stimmen legte, kam die dritte Störung. Ein Besucher in der Nacht. Ein Diener des Phex, schmal, ruhig, mit jener eigentümlichen Sicherheit derer, die nachts selbstverständlich erscheinen. Er sprach nicht vom Salamanderstein. Er sprach von der Wurfaxt Sternenschweif. Die seltsam abhandengekommen war. Ein Gegenstand, der eher verschwunden als gestohlen schien. Ein Auftrag, der ebenso wenig Zufall sein konnte wie die beiden Begegnungen zuvor. Als der Mann gegangen war, lag das Zimmer wieder still. Nur draußen knackte irgendwo Holz im Wind. Furka drehte sich auf der Lagerstatt halb zur Wand, zog die Decke höher, gähnte tief und murmelte in die Dunkelheit: "Alle wollen etwas von uns.“ RE: Zwerge am Svellt - Althea - 19.04.2026 Zwerge am Svellt #3 Der Morgen des nächsten Tages begann langsam. Als das erste Licht über den Wall von Kvirasim fiel, lag noch Feuchtigkeit auf den Bohlen des Innenhofs der Einkehr, und durch das kleine Fenster ihres Zimmers sah Althea, wie sich zwischen den schrägen Dächern bereits dünne Rauchfäden hoben. Irgendwo schlug eine Tür, ein Wagen rumpelte über festgetretene Erde, und von fern mischte sich Vogelruf mit dem ersten Rufen eines Händlers, der offenbar schon vor Sonnenaufgang begonnen hatte, seine Ware auszulegen. Im Schankraum roch es noch nach Holz, Bier und dem Rest des Vorabends. Die Wirtin stand bereits hinter dem Tresen, kräftig gebaut, wach, mit jener nüchternen Selbstverständlichkeit, die Menschen haben, deren Tag beginnt, bevor andere überhaupt die Augen öffnen. Während draußen der Ort langsam in Bewegung kam, saßen die sechs noch verstreut an einem der schweren Holztische. Keldi hatte bereits gegessen und sprach mit der Wirtin über Zimmer für weitere Tage, knapp, sachlich, ohne überflüssige Worte. Er fragte nicht, ob sie blieben — er regelte bereits, dass es so war. Furka saß daneben, noch halb in Müdigkeit, den Becher in beiden Händen, und blickte missmutig auf ein Stück Brot, als habe es ihn persönlich beleidigt. Hurdin aß schweigend und mit der Ruhe eines Mannes, der nie darüber nachdenken musste, ob ein Tag gut oder schlecht begann, solange er begonnen hatte. Tondar war schon mehrfach zur Tür hinaus und wieder hinein gegangen, nur um zu sehen, wie das Licht sich auf dem Platz veränderte. Archon schließlich saß wie am Vorabend leicht abseits, ein kleiner Zettel neben dem Becher, auf dem bereits erste Notizen standen. Althea hörte nur halb dem Gespräch zu. Sie betrachtete den Raum, die Balken, die schlichten Krüge, die groben Vorhänge vor den Fenstern, und spürte, wie sich zum ersten Mal seit ihrer Ankunft ein Gefühl einstellte, das fast Ruhe war. Zimmer für zwei weitere Tage. Das klang unscheinbar, aber es bedeutete, dass man vorerst nicht weiter musste. Als sie wenig später hinaus auf den Markt traten, lag Kvirasim bereits in vollem Tageslicht. Der große Platz innerhalb des Walles war nun belebt. Händlerstimmen liefen ineinander, Kinder huschten zwischen Körben und Fässern hindurch, irgendwo wurde Holz gespalten, und über allem stand das helle Grün der Bäume, deren Kronen Teile der angrenzenden Festwiese überschatteten. Dort, unter freierem Licht, hatten reisende Händler ihre Stände aufgebaut — Elfen, Nivesen, Norbarden, mit Stoffen, Werkzeugen, Leder, Kräutern und Dingen, deren Zweck man nicht sofort erkannte. Die Gruppe löste sich beinahe selbstverständlich. Althea ging mit Keldi hinunter zum Fluss, wo der feste Kräuterstand lag, von dem sie schon am Vortag gehört hatte. Der Händler dort war ein schmaler älterer Mann, dessen Hände mehr über Ware verrieten als seine Worte. Auf seinem Tisch lagen Bündel aus getrocknetem Blattwerk, Wurzeln, kleine Säckchen mit Samen, Fläschchen mit Ölen, Harzen und gepressten Pulvern. Als Althea die sorgfältig verpackten Lotosblüten auslegte, die ihren Weg aus Prem bis hierher gefunden hatten, veränderte sich sein Blick sofort. Er nahm sich Zeit. Jede Blüte wurde geprüft, vorsichtig gegen das Licht gehalten, an den Rändern betrachtet, an einer sogar kurz gerochen. Keldi stand daneben, die Arme verschränkt, still wie ein Teil des Pfostens, an den er sich gelehnt hatte. Als der Händler schließlich den Preis nannte, hob selbst Keldi die Brauen kaum merklich. Über tausend Dukaten. Für einen Moment wirkte es selbst auf Althea unwirklich, als das Gewicht der Münzen schließlich in den Lederbeutel wanderte. Kein Fund, kein Schatz, sondern Ertrag aus Weitsicht, Geduld und dem langen Weg der vergangenen Monate. „Dafür“, sagte Keldi trocken, als sie den Stand verließen, „trägt man plötzlich anders.“ Althea lächelte nur. Zurück auf dem Markt fanden sie die anderen zwischen Werkzeug, Waffen und allerlei lautstarkem Handeln. Tondar stand vor einem Waffenhändler und hielt bereits mit beiden Händen eine schwere mechanische Armbrust, deren Spannwerk deutlich kunstvoller gearbeitet war als alles, was sie im Norden gesehen hatten. Das Metall war dunkel, sauber vernietet, die Mechanik robust, aber präzise. Er sagte wenig, doch sein Blick verriet, dass die Entscheidung längst gefallen war. „So etwas gab es in Thorwal nicht“, stellte Furka fest, als müsse allein das schon Grund genug sein, sie zu kaufen. Tondar nickte knapp. Nebenan betrachtete Furka einen Schlüsselbund, den er schließlich ebenso selbstverständlich erwarb wie ein neues kleines Buch auf das Archon deutete. Dann zog es Althea und Tondar weiter hinüber zur Festwiese. Unter den Bäumen lagen die Stände der Reisenden im gefilterten Licht des Mittags. Stoffe bewegten sich leicht im Wind, Leder roch nach Rauch, irgendwo sprach jemand in einer Sprache, deren Klang selbst Furka nicht mehr kommentierte. An einem elfischen Stand hingen Mäntel aus Bausch — leicht, weich, in einem Grün, das weder grell noch dunkel war, sondern fast mit dem Blattwerk verschmolz. Althea strich mit den Fingern über das Material. Es fühlte sich anders an als thorwaler Filz: leichter, fast fließend, aber dennoch warm. Am Ende nahmen sie sechs. Für jeden einen. Als würden sie nicht nur Kleidung kaufen, sondern eine weitere Schicht ihrer gemeinsamen Erscheinung. Wenig später blieb Althea an einem nivesischen Stand stehen. Das Messer lag beinahe unscheinbar zwischen Fellarbeiten und kleinen Werkzeugen: schmal, mit glattem Holzgriff, feinen Knochenintarsien, die Klinge leicht geschwungen, von jener stillen Eleganz, die nicht um Aufmerksamkeit bittet. Sie hob es auf, prüfte das Gewicht, drehte es im Licht. Es war kein großes Messer. Aber es lag in der Hand, als hätte es gewartet. Tondar entschied sich daneben für ein norbardisches Arbeitsmesser, deutlich schwerer, breiter, beinahe brutal funktional — ein Werkzeug, das ebenso gut Holz spalten wie im Notfall Knochen trennen konnte. Als sie später wieder zusammenstanden, war der Tag bereits weiter. Proviant wurde ergänzt: vierundzwanzig Pakete, Wasserschläuche für alle, Ersatzstiefel, Ersatzwaffen, eine neue Orknase. Archon blieb für einen Moment an einem Süßwarenstand stehen. Er sagte nichts, griff aber mit einer fast ungewohnt schnellen Bewegung nach zwei Lakritzstangen, betrachtete sie kurz und steckte sie ein, während in seinen Augen ein stilles Leuchten aufblitzte, das Furka sofort bemerkte. „Na sieh an“, grinste dieser, „auch Gelehrte haben Schwächen.“ Archon antwortete nicht, aber sein Mundwinkel bewegte sich. Als der Abend kam, trugen die Bäume auf dem Platz bereits lange Schatten. In der Liebliche Au war es voller als am Vorabend. Stimmen, Kerzenlicht, Teller, Bier, das Klirren von Besteck auf Holz. Diesmal sprach niemand von Aufträgen. Man aß. Man trank. Und irgendwann legte Althea die aranische Laute aus Rosenholz auf den Schoß. Sie stimmte lange, ruhig, fast zärtlich. Dann begann eine leichte Weise aus dem Land der ersten Sonne — hell, warm, von weiterem Licht als jenem des Nordens. Das Gespräch im Raum wurde leiser, ohne ganz zu verstummen. Selbst Furka schwieg. Die Töne standen im Raum wie etwas, das nicht zu Kvirasim gehörte und gerade deshalb gut hineinpasste. Am Ende blieb noch eine Karaffe Wein. Später, zurück in der Einkehr, war es bereits tief in der Nacht. Die meisten waren müde. Doch im Gastzimmer saßen noch Althea und Archon an einem Tisch, zwischen kleinen Fläschchen, Papier, Kräutern und Notizen. Archon erklärte ruhig Verhältnisse von Zutaten, Ziehzeiten, Temperaturen. Althea schrieb. Manchmal unterbrach sie ihn, erinnerte sich an Grundbegriffe aus ihrer Zeit in Kunchom, lachte leise über Dinge, die ihr einst selbstverständlich erschienen waren und nun fern wirkten. Zwischen ihnen entstand Seite um Seite ein erstes Rezeptbuch. Im Hintergrund zog Hurdin währenddessen einem protestierenden Furka einen der neuen elfischen Bauschumhänge zurecht. „Elfenzeugs!“, schimpfte Furka. „Bleibt trotzdem dran“, sagte Hurdin. Furka knurrte weiter, gab aber nach. Erst spät wurde es still. Und als schließlich das Licht gelöscht wurde, lag über dem zweiten Abend in Kvirasim nicht mehr Fremdheit, sondern zum ersten Mal etwas, das bereits nach Alltag klang. |