Themabewertung:
  • 0 Bewertung(en) - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Zwerge am Svellt
#38
Zwerge am Svellt #39

Am Fuße der Treppe angekommen, hielten sie unwillkürlich inne. Wände und Boden gleißten im Licht von Altheas Stab. Soweit das Auge reichte, war alles mit fein ziselierten goldenen Platten verkleidet. Der Schein ihrer Lichtkugel brach sich tausendfach auf den Oberflächen und warf rotgoldene Schatten durch die Gänge.

Für einen Moment sagte niemand etwas. Selbst Furka schwieg. Nicht Gier lag auf den Gesichtern der Zwerge. Sondern Ehrfurcht. Die Handwerker unter ihnen erkannten augenblicklich, was sie vor sich hatten. Jede einzelne Platte war bearbeitet. Jede einzelne war Teil eines größeren Musters. Jahrhundertealte Arbeit. Vielleicht Jahrtausende. Sie wandten sich nach rechts. Der Gang führte an einer Nische vorbei, in deren steinernen Regalen Schriftrollen und Pergamente lagerten. Staub bedeckte die oberen Fächer, doch weiter unten waren mehrere Bündel sorgfältig in weiße Tücher eingeschlagen.

Keldi öffnete eines davon. Zum Vorschein kam ein Gürtel. Die Glieder erinnerten an die Kraftgürtel, die sie weiter oben gefunden hatten, doch dieses Stück wirkte anders. Feiner. Eleganter. Die goldenen Glieder funkelten im Licht. Eine Weile betrachteten sie das Kunstwerk. Dann reichte Keldi ihn an Althea weiter. "Ein Geschenk, einer Prinzessin würdig." Althea lächelte nur leicht.

Archon hatte sich bereits den Pergamenten zugewandt. "Hier wird über Ornate geschrieben." Er blätterte durch mehrere Seiten. Dann trat er zu Hurdin. Zog das steinerne Medaillon hervor und hielt es neben eine Zeichnung. Zwei gekreuzte Hämmer. Dasselbe Symbol. "Interessant." "Sieht wie die Montur eines Schmieds aus", bemerkte Furka. Archon murmelte etwas Unverständliches. Doch seine Stirn legte sich in Falten. Während die anderen bereits weitergingen, blieb er noch einen Moment zurück und studierte die Dokumente.

Die Gänge führten sie an prächtigen Wohngemächern vorbei. Schränke voller fein gearbeiteter Kleidung. Truhen. Verzierungen. Eine große rituelle Axt. Nichts wirkte wie die Unterkunft eines gewöhnlichen Bergmanns. Dies war das Herz der Binge gewesen. Der Bereich ihrer Priester. Vielleicht sogar ihrer Herrscher. Schließlich gelangten sie in einen kleinen Wirtschaftstrakt. Und dahinter zu einem gewaltigen doppelflügeligen Tor.

Hurdin betrachtete das Schloss. Furka steckte die Nase dazu. Dann zog er grinsend den Schlüssel hervor, den er ganz oben am Kamin gefunden hatte. "Klassiker." Der Schlüssel drehte sich nur widerwillig. Dann begann der Boden zu zittern. Tief im Mauerwerk erklang ein langgezogenes Scharren. Stein auf Stein. Jahrhundertealte Mechanismen erwachten. Langsam schwang das Tor auf. Dahinter wurden die Gänge breiter.

Fast wirkte es, als würden sie eine Allee entlanggehen. In einer Nische standen steinerne Regale. Darin hingen lederne Schürzen. Hosen. Stiefel. Alles mit den gekreuzten Hämmern versehen. Archon zog eines der Pergamente hervor. Verglich Zeichnung und Ausrüstung. Dann nickte er langsam. "Die Ornate." Niemand sprach weiter. Die Luft war inzwischen wärmer geworden. Deutlich wärmer. Vor ihnen begann der Boden zu glühen. Zunächst rot. Dann heller. Dann weiß. Die Hitze flimmerte bereits sichtbar über den Platten.

Keldi hielt vorsichtig die Hand darüber. Sofort zog er sie zurück. Der Gang setzte sich dahinter fort. Geradeaus. Soweit sie sehen konnten. "Schmiedemonturen", sagte Furka schließlich. Er deutete auf die Kleidung. Zum ersten Mal wirkte selbst er unsicher.

Hurdin stand schweigend vor dem Gang. Langsam wanderte seine Hand zum Medaillon an seinem Hals. Einen Augenblick verharrte er. Dann zog er scharf die Luft ein. Das Medaillon vibrierte. Ganz leicht. Aber deutlich.

"Ich bin ja für alles zu haben", sagte Furka, "aber die Sache hier ist zu heiß." Niemand widersprach.

Hurdin blickte weiter auf die glühenden Platten. Dann spürte er eine Hand auf seiner Schulter. Althea. "Ich komme mit dir." Für einen Moment begegneten sich ihre Blicke. Dann nickte Hurdin. Und gemeinsam begannen sie, die Schmiedeornate anzulegen. Sie standen schließlich wieder vor dem glühenden Gang.

Hurdin vorne. Althea unmittelbar hinter ihm. Weiter hinten Keldi, Furka, Tondar und Archon. Niemand sprach. Die Hitze allein genügte, um jeden Gedanken auf das Wesentliche zu reduzieren. Hurdin setzte den ersten Schritt. Dann den zweiten. Althea folgte. Zunächst war da nur Wärme. Wie die Nähe einer Esse. Wie ein Sommertag in Khunchom. Dann wurde daraus Hitze. Der Schweiß trat ihr auf die Stirn. Die Luft wurde schwer. Jeder Atemzug schien mehr Kraft zu kosten als der vorherige. Sie gingen weiter. Der Gang zog sich endlos vor ihnen hin. Das Glühen der Bodenplatten wurde heller. Rot. Orange. Weiß. Althea spürte Schmerz durch die Sohlen ihrer Stiefel dringen. Instinktiv wollte sie stehen bleiben.

Doch Hurdin schritt weiter. Unbeirrt. Als würde ihn etwas voranrufen. Die Luft flimmerte. Der Schweiß lief ihr inzwischen über Schläfen und Nacken. Die Lederkleidung klebte an ihrem Körper. Ein weiterer Schritt. Noch einer. Sie stolperte leicht. Ihre Hand suchte Halt. Fand Hurdins Schulter. Er sagte nichts. Blieb nicht stehen. Ging weiter. Althea biss die Zähne zusammen. Die Hitze wurde unerträglich. Sie hatte das Gefühl, ihre Beine würden brennen. Ihre Gedanken begannen zu verschwimmen. Es gab nur noch den Gang. Die Hitze. Und Hurdins Rücken vor ihr.

Dann. Plötzlich. War es vorbei. Der Boden unter ihren Füßen wurde wieder kühl. Normale Luft strömte ihr entgegen. Althea blieb stehen und rang nach Atem. Vor ihnen setzte sich der goldene Gang noch einige Schritt fort.

An der linken Wand befand sich ein Relief. Gekreuzte Hämmer über einem Amboss. Darüber eine kreisrunde Scheibe aus schimmerndem Metall. Hurdin trat näher. Althea ebenfalls. Beide betrachteten schweigend die Darstellung. Dann zuckte etwas durch Altheas Gedanken. Ein Bild. Ein Pergament. Eine Zeichnung. "Das Dokument..." Im selben Moment hob Hurdin den Kopf. "Die Fackel." Althea zog die Fackel hervor, die sie auf der ersten Ebene eingesteckt hatte. Sie entzündete sie. Die Flamme loderte auf. Dann berührte sie die Metallscheibe. Nichts geschah. Einen Herzschlag lang. Zwei. Dann begann der Berg zu grollen. Tief. Langsam. Die Wand erzitterte. Staub rieselte von der Decke. Mit einem dumpfen Rumpeln hob sich das Mauerwerk vor ihnen. Ein verborgener Eingang wurde sichtbar.

Dahinter lag ein Raum. Erleuchtet von fernem Feuer. Sie traten hindurch. Und fanden sich in einer gewaltigen Halle wieder. Kohlebecken standen in regelmäßigen Abständen entlang der Wände. In jedem glomm rote Glut. Der eigentliche Schein jedoch kam aus dem Zentrum. Dort erhob sich ein Kreis mächtiger Säulen. Zwischen ihnen flackerte orangefarbenes Licht. Es roch nach Kohle. Nach Metall. Nach einer Schmiede. Doch nicht nach einer gewöhnlichen Schmiede. Die unerträgliche Hitze des Ganges war verschwunden. Hier herrschte jene gleichmäßige Wärme, die jeder Zwerg als angenehm empfand. Wie der Atem einer großen Esse. Wie das Herz eines Berges.

Langsam gingen sie voran. Vorsichtig. Ehrfürchtig. Das Licht spiegelte sich auf den goldenen Oberflächen. Schatten wanderten über die Wände. Als sie den Säulenkreis erreichten, sahen sie das Zentrum des Heiligtums. Ein rundes Becken. Gefüllt mit glühendem Metall. Zur rechten ein Amboss. So groß, dass selbst Hurdin davor klein wirkte. Althea streckte unwillkürlich die Hand danach aus. Dann hielt sie inne.

Im selben Augenblick erklang ein Hammerschlag. Metall auf Metall. Tief. Gewaltig. Der Klang hallte durch die Halle. Aus dem Rauch hinter dem Amboss trat eine Gestalt hervor. Breit. Mächtig. Fast riesenhaft. Ihre Haut erinnerte an Lehm und Stein. Graublau. Die Gesichtszüge wirkten nicht geformt. Sondern gemeißelt. Wie die Statue eines Gottes.

Die Gestalt trat an den Amboss. Stützte beide Hände auf den Hammer. Und blickte Hurdin an. "Habt ihr das Pfand?" Hurdin löste langsam das Medaillon von seinem Hals. Das steinerne Zeichen von Hammer und Amboss. Er trat vor. Und legte es in die ausgestreckte Hand der Gestalt. Das Wesen betrachtete es einen Moment. Dann wandte es sich wortlos ab. Es trat zur Esse. Legte Kohlen nach. Dann Erz. Die Glut wurde heller. Weißer. Nach einer Weile zog die Gestalt einen weißglühenden Metallstab aus dem Becken. Begab sich zum Amboss. Und hob den Hammer. Der erste Schlag hallte durch die Halle. Dann der zweite. Dann der dritte. Regelmäßig. Unaufhaltsam. Wie der Herzschlag des Berges selbst.

Hurdin stand reglos. Gebannt. Althea trat einige Schritte zurück. Betrachtete die Esse. Das geschmolzene Metall. Die goldenen Säulen. Den Rauch. Den Feuerschein. Langsam umrundete sie den Säulenkreis. Während hinter ihr die Hammerschläge weiterfielen. Schlag um Schlag. Unverändert. Unermüdlich. Als sie schließlich wieder zum Amboss zurückkehrte, war aus dem Metallstab eine Klinge geworden. Lang. Schlank. Rot schimmernd. Die Hammerschläge fielen weiter.

Und Althea hatte den Eindruck, als hätte sie einen Ort betreten, an dem Zeit keine Bedeutung mehr besaß. Als Althea erneut am Amboss ankam, waren die Hammerschläge verstummt. Die plötzliche Stille wirkte beinahe fremd.

Das Wesen stand noch immer vor der Esse. In seinen Händen hielt es nun ein Schwert. Die Klinge war lang. Rot wie glühendes Eisen kurz vor dem Erkalten. Feine Muster liefen über das Metall, als würden darin Flammen erstarren und wieder aufleben. Der Schmied hob die Waffe vor sich. Betrachtete sie. Prüfte ihr Gleichgewicht. Dann wandte er sich Hurdin zu. "Nehmt." Hurdin trat vor. Das Schwert wirkte überraschend leicht, als er es entgegennahm. "Und tauscht es gegen das, wofür ihr gekommen seid." Mehr sagte das Wesen nicht. Es drehte sich um. Trat zurück in den Rauch. Und verschwand. Einfach so. Als wäre seine Aufgabe erfüllt.

Hurdin blickte auf die Klinge. Althea beobachtete ihn einen Moment. Dann fing sie seinen Blick auf. Und deutete auf einen Gang, der sich hinter den Säulen fortsetzte. "Ich glaube, es geht dort entlang." Fast ein Flüstern. Hurdin nickte. Gemeinsam betraten sie den Gang. Schon nach wenigen Schritten begann das Schwert in seinen Händen zu vibrieren. Ganz leicht. Dann stärker. Die Spitze zog in eine bestimmte Richtung. Als würde die Waffe selbst den Weg kennen. Althea spürte gleichzeitig etwas anderes. Schwere. Nicht körperlich. Etwas Unsichtbares. Jeder Schritt fiel ihr schwerer. Die Luft schien dichter zu werden. Die Entfernung zwischen den Säulen und dem Ausgang des Heiligtums größer. Sie blieb stehen.

Hurdin bemerkte es erst einige Schritte später. Er drehte sich um. "Alles in Ordnung?" Althea schwieg einen Moment. Dann lächelte sie schwach. "Ich glaube..." Sie holte Luft. "Ich glaube, das ist dein Weg." Hurdin musterte sie. Fragte nicht weiter. Er nickte nur. Dann wandte er sich wieder um. Und ging weiter.

Althea sah ihm nach. Bis er hinter den nächsten Kohlebecken verschwand. Dann kehrte sie langsam zum Eingang des Heiligtums zurück. Das Licht ihres Stabes entfernte sich mit ihr. Und nach und nach blieb nur noch der rote Schein der Glut zurück.

Hurdin ging allein weiter. Der goldene Gang wurde von Kohlebecken gesäumt. Ihr Licht flackerte auf den Wänden. Das Schwert zog ihn voran. Schritt für Schritt. Ohne Zögern. Am Ende des Ganges öffnete sich ein weiterer Raum. Dort standen Truhen. Dutzende. Manche offen. Manche geschlossen. In einigen lagen Goldmünzen. In anderen Edelsteine. Geschmeide. Armbänder. Kelche. Reichtümer, die ausgereicht hätten, um kleine Königreiche zu kaufen.

Hurdin blieb stehen. Zum ersten Mal seit langer Zeit. Er ließ den Blick schweifen. Von links nach rechts. Über die Schätze Angroschs. Über Gold. Über Edelsteine. Über Dinge, deren Wert sich kaum beziffern ließ. Das Gefühl war überwältigend. Ein Zwerg. Allein. Vor einem Hort von unvorstellbarem Reichtum. Warum nicht? Warum nicht eine Truhe? Nur eine? Oder einen Arm voller Edelsteine? Niemand würde es erfahren. Das Schwert ruhte schwer in seiner Hand.

Dann schloss Hurdin die Augen. Und vor seinem inneren Auge erschien ein Gesicht. Rotgoldene Locken. Graublaue Augen. Ein leichtes Kopfschütteln. Nicht vorwurfsvoll. Nur bestimmt. Althea.

Hurdin öffnete die Augen wieder. Im selben Moment schwang das Schwert herum. Die Spitze zeigte nach rechts. Nicht auf Gold. Nicht auf Edelsteine. Auf eine einzelne Truhe. Weit am Rand. Hurdin folgte. Dort lag auf einem samtenen Kissen ein Stein. Oder etwas, das wie ein Stein aussah. Von der Größe einer großen Zwergenfaust. Metallisch. Vielfacettiert. Schillernd. Farben liefen über seine Oberfläche. Rot. Blau. Gold. Grün. Und wieder zurück.

Hurdin hob ihn vorsichtig auf. Der Stein war leichter als erwartet. Und dennoch schien etwas in seinem Inneren zu leben.

Der Salamanderstein.

Er stand einen Moment reglos da. Den Stein in der rechten Hand. Das Schwert in der linken. Dann erschrak er beinahe über sich selbst. Langsam legte er das Schwert quer über die geöffnete Truhe. Dort, wo es hingehörte. Der Tausch war vollzogen. Für einen Augenblick blickte er noch einmal durch den Raum. Zu den Schätzen. Zu den weiteren Türen. Zu den Geheimnissen, die tiefer in den Berg geführt hätten. Dann holte er tief Luft. Und machte sich auf den Rückweg.

Althea wartete. Die Zeit tropfte dahin wie Wasser von einem Höhlendach. Irgendwann hatte sie aufgehört abzuschätzen, wie lange Hurdin fort war. Sie blickte immer wieder zu den glühenden Platten zurück. Zu dem Weg, den sie noch einmal würden gehen müssen. Dann hörte sie Schritte. Ruhig. Gleichmäßig. Sie hob den Kopf. Hurdin trat aus dem Halbdunkel des Heiligtums.

Für einen Moment hatte sie den Eindruck, er würde schneller gehen, als er sie erkannte. Nur ein wenig. Fast unmerklich. Dann sah sie den Stein. Das vielfarbige Funkeln in seiner Hand. Und alles andere trat in den Hintergrund. "Du hast es geschafft." Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. Hurdin antwortete nicht. Er hielt ihr einfach den Stein entgegen. "Darf ich?" Sie nahm ihn vorsichtig. Ein leichtes Kribbeln lief durch ihre Finger. Starke Magie. Sehr starke Magie. Einen Augenblick betrachtete sie das geheimnisvolle Schillern. Dann gab sie ihn zurück.

Hurdin nahm den Salamanderstein wieder an sich. Und gemeinsam wandten sie sich dem glühenden Gang zu. Dem Weg zurück. Der Rückweg war das gewesen, wovor Althea sich gefürchtet hatte. Seit Hurdin im Heiligtum verschwunden war, hatte ihr Blick immer wieder auf den glühenden Bodenplatten geruht. Die Zeit war dahingetropft. Langsam. Unmerklich. Nun standen sie wieder davor.

Hurdin vorne. Der Salamanderstein sicher verwahrt. Althea unmittelbar hinter ihm. Sie setzten sich in Bewegung. Die erste Hitze war noch erträglich. Dann kam die zweite. Und die dritte. Die Luft begann erneut zu flimmern. Althea spürte, wie ihr Schweiß über Stirn und Wangen lief. Jeder Schritt wurde zur Anstrengung. Hurdin schritt weiter. Unbeirrt wie zuvor. Sie legte die Hand auf seine Schulter. Spürte das Leder der Schmiedekleidung. Spürte die Wärme darunter. Und ging weiter. Mehr als einmal musste sie die Zähne zusammenbeißen. Mehr als einmal krallten sich ihre Finger in seine Schulter. Der Schmerz in ihren Füßen wurde beinahe unerträglich. Doch schließlich erreichten sie wieder den goldenen Boden. Die Hitze blieb hinter ihnen zurück.

Hurdin blieb stehen. Sein Gesicht war von Schweiß überströmt. Althea machte noch zwei Schritte. Dann versagten ihr die Beine. Keldi fing sie auf. "Langsam." Sie nickte nur. Während sie wieder zu Atem kam, betrachteten die anderen schweigend den Salamanderstein. Selbst Furka sagte für einige Augenblicke nichts. Dann reichte Hurdin den Stein vorsichtig weiter. Von Hand zu Hand. Jeder betrachtete das geheimnisvolle Schillern. Jeder spürte das leichte Kribbeln der Magie. Und jeder gab ihn schließlich wieder zurück.

Danach tranken sie aus dem immerwährenden Wasserschlauch. Das Wasser war kühl. Frisch. Belebend. Fast unwirklich nach der Hitze des Heiligtums. "Angrosch", murmelte Tondar. Hurdin nickte. Keldi ebenfalls. Dann wandten sie sich endgültig vom Heiligtum ab.

Als sie die Garderobe der Schmiedeornate erreichten, legten Hurdin und Althea die besondere Kleidung wieder ab. Die Lederstücke wirkten schwer. Alt. Von zahllosen Trägern benutzt.

Althea nahm gerade das Wams von den Schultern.
Da verschwamm die Welt.
Für einen Herzschlag.
Vielleicht zwei.
Plötzlich spürte sie das Gewicht wieder.
Nicht in ihren Händen.
Auf ihren Schultern.
Als hätte jemand die Kleidung erneut um sie gelegt.
Als hätten sich zwei große Hände auf sie gesenkt.
Nicht drohend.
Nicht feindselig.
Warm.
Bestimmt.
Wie die Hand eines alten Gottes.
Die Last drückte sie leicht nieder.

Dann war der Moment vorbei. Althea blinzelte. Stand wieder in der Garderobe. Das Wams lag zusammengefaltet in ihren Armen. Nichts hatte sich verändert. Und doch hatte sich etwas verändert. Langsam legte sie das Leder beiseite. Nahm ihren Umhang. Und hüllte sich darin ein. Sie sprach mit niemandem darüber.

Die Erschöpfung der letzten Tage holte sie nun endgültig ein. Sie rasteten hinter dem Tor des Heiligtums. Dort unten schien nichts zu leben. Keine Schleifspuren. Keine kratzenden Geräusche. Kein Rascheln im Dunkel. Nur die uralten Hallen. Der Schlaf kam schnell. Und blieb unruhig. Träume von Gold. Von Feuer. Von Hammerschlägen. Von Dingen, die älter waren als jede Zwergenstadt.

Als sie erwachten, machten sie sich an den Aufstieg.Den langen Weg zurück.

Durch die Halle mit dem ehemals gefluteten Becken.

Den Kanal entlang.

Vorbei am Brunnen der Wasserspeier.

Durch Werkstätten.

Durch Lagerhallen.

Durch die Galerie über der Klamm.

Durch die verlassenen Wohnräume.

Durch die alten Werkzeugkammern.

Ebene um Ebene.

Stunde um Stunde.

Bis sie schließlich wieder vor dem großen Portal standen.

Dort saß noch immer das Skelett. Unverändert. Die leeren Augenhöhlen auf die Dunkelheit gerichtet. Als hätte es die ganze Zeit auf sie gewartet. Althea wurde erneut unbehaglich zumute. Keldi zog den großen Silberschlüssel hervor. Den Preis des Kobolds. Den Schlüssel der alten Regeln.

Er trat an das Tor. Legte die Hand auf den Flügel. Und steckte den Schlüssel ins Schloss. Einen Moment geschah nichts. Dann ging ein leises Raunen durch den Stein. Der Mechanismus erwachte. Langsam. Würdevoll. Die Torflügel begannen sich zu öffnen.

Die Gruppe trat hindurch. In einen Vorraum. Kalte Kohlebecken standen entlang der Wände. Niemand sprach. Sie gingen weiter. Vor ihnen erhob sich eine Treppe. Hoch. Sehr hoch. Und sie stiegen. Stufe um Stufe. Bis ihre Beine schwer wurden. Bis Althea glaubte, die Treppe müsse den ganzen Berg durchqueren.

Dann wurde die Luft anders. Frischer. Kühler. Und schließlich erreichten sie den oberen Ausgang. Vor ihnen lag der freie Raum einer gewaltigen Höhle. Nicht mehr die Enge der Binge. Nicht mehr ihre Dunkelheit. Sondern Weite. Lampenlicht. Straßen. Steinerne Häuser.

Und die Zwergenstadt Finsterkoppen.

Tief im Berg hatten sie den Salamanderstein gefunden.Nun standen sie wieder unter den Lebenden.
Zitieren


Nachrichten in diesem Thema
Zwerge am Svellt - von Althea - 19.04.2026, 08:26
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 19.04.2026, 08:51
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 19.04.2026, 09:22
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 19.04.2026, 16:31
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 19.04.2026, 22:03
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 21.04.2026, 02:30
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 22.04.2026, 03:08
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 23.04.2026, 19:36
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 25.04.2026, 07:18
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 25.04.2026, 14:10
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 25.04.2026, 18:27
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 26.04.2026, 17:53
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 27.04.2026, 19:33
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 01.05.2026, 07:29
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 01.05.2026, 07:40
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 01.05.2026, 07:52
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 02.05.2026, 06:28
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 07.05.2026, 16:44
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 08.05.2026, 11:46
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 09.05.2026, 21:14
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 10.05.2026, 13:05
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 13.05.2026, 08:31
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 14.05.2026, 08:21
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 14.05.2026, 08:33
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 16.05.2026, 09:16
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 16.05.2026, 09:31
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 17.05.2026, 17:02
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 17.05.2026, 18:22
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 22.05.2026, 15:27
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 24.05.2026, 07:26
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 24.05.2026, 07:38
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 25.05.2026, 12:22
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 30.05.2026, 11:09
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 07.06.2026, 05:55
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 07.06.2026, 06:21
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 20.06.2026, 11:59
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 20.06.2026, 17:36
RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 20.06.2026, 18:07



Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste