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Zwerge am Svellt
#35
Zwerge am Svellt #36

Am nächsten Morgen standen sie, wieder vollständig bewaffnet, auf dem Platz vor der Ordensburg. Sie wurden eingelassen, legten den langen Gang zurück und erreichten den Innenhof des verfallenen Svelltsteins. Altheas Blick fiel auf ein braunes, verschrumpeltes Blatt, das der Wind in eine Ecke geweht hatte.

Es wurde Zeit.

Eine leichte Brise strich durch die umgebenden Bäume. Noch lag ein Hauch Sommer über dem Land, doch der Himmel war von langen Wolkenstreifen durchzogen. Ihr Ziel lag im Osten. Der Finsterkamm.

Sie nahmen den Weg nach Norden, durch die inzwischen wohlbekannten verlassenen Weiler und zerstörten Gehöfte, und erreichten Neulowangen, als die Dunkelheit fiel. Sie übernachteten in der "Sonne" und kamen mit dem Wirt ins Gespräch. Ja, der Weg nach Osten führe zunächst nach Hiltorp, einem Zwergenstädtchen am Fuß des Gebirges. Und ja, dort oben in den Bergen gäbe es noch eine weitere Zwergenstadt. Finsterkoppen.

Nach einer letzten Nacht unter Dach und Fach brachen sie auf.

Ein gut erhaltener Karrenpfad führte sie durch Felder und später durch die Wälder, die Neulowangen umgaben. Der Wind raschelte durch die Blätter, ihre Umhänge bauschten sich in der Brise, und die Straße glitt fort und fort. Am zweiten Tag ihrer Reise lagen die Wälder hinter ihnen. Vor ihnen erschien am Horizont zunächst ein dunkler Streifen. Dann wurden daraus Berge. Dann ein Gebirge.

Der Finsterkamm war weniger massiv als die Salamandersteine, erschien aber höher, schroffer und abweisender. Wo die Salamandersteine von Wäldern bedeckt waren, erhoben sich hier kahle Hänge und scharfkantige Gipfel. Als sie am Abend lagerten und die Sonne hinter den Bergen versank, fielen tiefe Schatten zwischen die Felsen. Und in der beginnenden Dämmerung wurde deutlich, wie der Finsterkamm zu seinem Namen gekommen war.

Am folgenden Tag führte der Weg am Fuß des Gebirges entlang. Zu ihrer Rechten zog sich der Finsterkamm scheinbar endlos durch das Land. Das Wetter hielt. Fast noch spätsommerliche Wärme lag über den Hügeln, die sich erst gegen Abend einer herbstlichen Kühle beugte. Am dritten Tag führte der Weg über einen Ausläufer der Berge. Jenseits lag wieder Wald. Und als die Sonne sich senkte, erreichten sie Hiltorp.

Das kleine Zwergenstädtchen war in die Hügel gebaut. Niedrige Steinhäuser lagen halb in der Erde, andere Fassaden waren direkt in die Felsen gearbeitet. Ein Wasserlauf glitzerte tief unten im Tal und wandte sich nach Norden. Tondar erkannte in ihm den Ursprung des Finsteren Svellt. Als sie den Ort betraten, hallte das Schlagen eines Gongs durch die Abendluft. Kurz darauf erschien ein Trupp Zwerge auf einem höher gelegenen Weg und stieg nach vollbrachtem Tagewerk aus den Minen hinab. Sie kehrten in die Herberge ein, das einzige zweistöckige Gebäude des Ortes. Dort hörten sie immer wieder dieselben Geschichten. Von Pässen durch den Finsterkamm. Von Zwergenstädten. Und von Finsterkoppen unter dem höchsten Gipfel.

Am nächsten Morgen begrüßte sie Regen, der an den Bergflanken hinunterlief. Sie besuchten den Ingerimmtempel, dessen gewaltige Esse durch das offene Portal leuchtete, spendeten dem Gott der Schmiede und kamen mit den Bewohnern ins Gespräch. Der Schmied des Ortes kannte sogar Roglima aus Lowangen. Ja, im Finsterkamm dräue Gefahr. Ja, dort oben lägen Zwergenstädte. Und ja, Finsterkoppen existiere. So beschlossen sie, noch einen weiteren Tag in Hiltorp zu verweilen.

Erst als der Himmel wieder klar war, brachen sie auf. Nun begann die eigentliche Suche.

Mehrfach folgten sie Wegen, die sich als falsch erwiesen. Ein Pfad führte zur Südseite des Gebirges. Ein anderer endete in einem Tal, das sie bereits kannten. Ein dritter verlor sich zwischen Felsen. Sie trafen einen Bergbauern, dessen Wagen auf einem steilen Weg ein Rad verloren hatte, richteten ihn gemeinsam wieder auf und wurden dabei von einigen Halunken angegriffen, die im Hinterhalt gelegen hatten. Danach zogen sie weiter.

Das Wetter wechselte zwischen strahlendem Sonnenschein und grauen Wolken, die über die Gipfel zogen. Immer häufiger sahen sie Harpyien über den Klippen kreisen. Die Berge rückten näher. Nach einigen Tagen führte sie der schmale Pfad tief in den Finsterkamm hinein. Unter ihnen lag ein bewaldetes Tal. Tief unten glitzerte ein namenloser Bach.

Schließlich erreichten sie eine gewaltige Klamm, die wie ein Schnitt im Fels direkt auf die höchsten Gipfel zulief. "Hier ist lange Zeit Wasser hinabgeflossen", stellte Hurdin fest. "Und bei Regen tut es das noch immer."

Der Weg wurde beschwerlich. Mehr als einmal mussten sie sich anseilen. Archon betrachtete mit Sorge seine Stiefel, deren Sohlen begonnen hatten, eigene Wege zu gehen. Sie lagerten in einem ausgewaschenen Felskessel.

In der Nacht wurde Keldi während seiner Wache durch ohrenbetäubendes Kreischen aufgeschreckt. Harpyien. Die Kreaturen stürzten auf das Lager nieder. Doch die Äxte der Zwerge und Altheas Flammenstrahlen machten kurzen Prozess. Die letzte Harpyie fiel den Schneidzähnen Furkas und Keldis zum Opfer. Lediglich Tondar, der aus dem Schlaf gerissen worden war und sich mit seinem Dolch hatte verteidigen müssen, benötigte anschließend einen Verband aus Wirselkraut.

Am nächsten Tag erreichten sie das Ende der Schlucht. Vor ihnen lag ein tiefer Riss im Fels, dessen Wände schier unerklimmbar erschienen. Keldi und Hurdin wechselten einen Blick. Von wegen von Norden erklimmbar.

Doch weit hinten setzte sich ein schmaler Spalt in die Tiefe fort, halb von Geröll verschüttet. Hurdin kniete nieder und betrachtete die Öffnung. "Hier hat einst Wasser den Berg verlassen." "Und da geht es weiter?" fragte Furka. "Vielleicht."

Wenig später standen sie in einer gewundenen Röhre tief im Berg. "Hier hat sich das Wasser seinen Weg gebahnt. Hier geht es—"

Die Welt ging in einem ohrenbetäubenden Krachen unter.

Althea spürte, wie starke Arme sie nach vorne warfen.

Staub füllte die Luft.

Das Licht ihres Stabes leuchtete nur noch diffus durch die graue Wolke. Langsam legte sich der Staub. Eins. Zwei. Drei. Vier. Fünf Zwerge. Alle vollständig.

"Der Eingang ist verschüttet!"

Furka blickte den Gang entlang, der sich vor ihnen durch den Fels wand.

"Wir sind im Berg eingesperrt!"

Diesmal klang Altheas Stimme deutlich schriller.

Die Zwerge nickten. Und ihre Augen glänzten.
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