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Zwerge am Svellt
#33
Zwerge am Svellt #34

So machten sie sich denn auf den Weg gen Gashok, wo sie die Märkte wohlversorgt wussten. Sie erreichten Neulowangen erst nach Einbruch der Dunkelheit. Uncharakteristisch zwar, doch Althea winkte ab. "Wir gehen ja auch auf die Rückseite des Tempels zu." Vielleicht war es deshalb nicht überraschend, dass der nächste Morgen regnerisch war und der Himmel den ganzen Tag über bedeckt blieb. "Vielleicht zürnt uns Praios und entzieht uns den Schutz seiner strahlenden Sonne..."

In einigen Wochen sollten solche Überlegungen durch Routine ersetzt werden.

Sie erreichten die Fähre am Finsteren Svellt und lagerten ein Stück das andere Ufer hinauf, an den vertrauten Lagerstellen der Reisenden. Danach klarte das Wetter auf, und sie kamen gut voran. Inmitten der Gashoker Steppe schlugen sie ihr Nachtlager auf.

Dort wurden sie von Säbelzahntigern angegriffen.

Die erste Bestie sprang an Keldi vorbei mitten in die Gruppe. Seine Axt fuhr noch im Passierschlag nieder, als Althea bereits aus dem Schlaf gerissen wurde und eine Flammenlohe in die Dunkelheit schleuderte.
Furka fuhr hoch.
"Ich wusste es!"
Er riss am neben ihm liegenden Tondar, der zurückwich und bereits die Armbrust durchlud. Archon schreckte hoch und versuchte Hurdin zu wecken.
Dann brachen die Bestien über sie herein.
Althea wurde von mehreren Säbelzahntigern zugleich bedrängt. Tondars erster Bolzen verschwand im Getümmel. Keldi kämpfte sich zu ihr vor, während Hurdin an Archon vorbei in den Kampf stürmte.
Als Althea reglos unter den Bestien zusammenbrach, warf sich Keldi zwischen sie und die Raubtiere und ließ seine Axt kreisen.
Furka rang mit einem Tiger auf Leben und Tod.
Hurdin stand Seite an Seite mit Keldi.
Dann brach die erste Bestie zusammen, Tondars Bolzen tief im Rücken. Furka erkannte die Lage, riss seine Axt hoch und stürmte zu Althea hinüber.
Keldi fand eine Wunderkur in seinem Gürtelbeutel.
Tondar kniete inzwischen ruhig hinter der Front und schickte Bolzen in die Nacht.
Nach und nach wendete sich das Blatt.
Keldi fällte einen Tiger.
Dann einen zweiten.
Der letzte fiel Tondars Armbrust zum Opfer.

Als die Stille zurückkehrte, lag Althea bewusstlos auf dem Boden. Keldi war schwer mitgenommen. Archon kniete bereits neben der Magierin und suchte fieberhaft in seinem Beutel nach Heilmitteln. Als Althea wieder zu sich kam, blickte sie in fünf bärtige Gesichter, die sie besorgt ansahen.

Am Morgen sah es erneut nach Regen aus, doch der Himmel klarte wieder auf.

Es war über einen Monat her, dass sie Gashok gen Lowangen verlassen hatten, und sie kehrten als andere Personen zurück. Sie hatten Lowangen erlebt. Den Sumpf des Vergessens. Die Flüchtlinge. Den Krieg. Sie kehrten mit einer Warnung auf den Lippen zurück, doch sie blieben stumm. Sie wussten, dass sie in Gashok keine Stimme hatten. Also blieb nur das, was schon Ginya Ingborn gesagt hatte: "Wenn Lowangen fällt, so ist das Svellttal in den Händen der Orks."

Sie mieteten sich wieder im "Dach und Fach" ein, wechselten über einem Mittagessen einige Worte mit Rogullf dem Dicken und suchten anschließend Raul Zumendiek auf. Dieser hörte ihre Berichte über Lowangen mit wachsender Sorge. Danach sprachen sie über Vorräte. Über Korn. Über Mehl. Über alles, was sich beschaffen und transportieren ließ. Raul versprach, am nächsten Tag mit den Händlern des Marktes zu sprechen. Als die Dunkelheit hereinbrach, stattete Althea noch dem Boron- und dem Phextempel einen stillen Besuch ab und hinterließ großzügige Spenden.

Der nächste Tag war Markttag. Der Besucher Lowangens konnte in ein buntes Treiben eintauchen, das zugleich fremd und wohltuend wirkte. Die Gruppe ergänzte ihre Ausrüstung, fand neue Stiefel - sogar in Zwergengrößen - und teilte sich schließlich auf. Furka, Hurdin und Tondar besuchten Rowena Paispiarkens Schmiede. Dort tauschten sie Neuigkeiten aus und erstanden aus ihrer ausgezeichneten Arbeit einen schweren Dolch für Tondar, eine Ersatzaxt und einen neuen Dolch für Althea, deren nivesisches Messer die Strapazen der letzten Wochen schlecht überstanden hatte. Währenddessen trafen sich Althea, Keldi und Archon erneut mit Raul Zumendiek und bereiteten die nächsten Lieferungen vor.

Es war nur ein kurzer Aufenthalt. Dann ging es wieder zurück auf die Straße. Eine angemessene Reise folgte. Nur am letzten Tag gerieten sie vor Lowangen in ein schweres Sommergewitter.

In der Stadt angekommen, begaben sie sich zunächst zum Lagerhaus und begutachteten die gesammelten Vorräte. Einhundertfünf Proviantpakete. Mehr, als sie erwartet hatten. Etwa die Hälfte brachten sie zum Magistrat und erhielten dafür neben einer Belobigung einen schweren Beutel Dukaten, was Furkas Laune augenblicklich verbesserte. Während dieser bereits begann auszurechnen, welchen Gewinn sie erzielt hatten, trugen die anderen weitere Vorräte zum Traviatempel. Dort wurden sie dankbar entgegengenommen.

Und so ging es zwischen Lowangen und Gashok hin und her. Der letzte Sommermonat auf guter Straße. Säcke mit Korn auf den Schultern. Durch das offene Land zwischen Gashok und Neulowangen. Vorsichtiger zwischen Neulowangen und Lowangen, wo der kaum erkennbare Pfad zur Ruine Svelltstein vom Weg abzweigte. Sie kehrten in Neulowangen ein, wenn das Wetter schlecht war. Sie durchquerten Regen und Sonnenschein. Und als sie eines Nachts hinter Neulowangen lagern mussten, schlugen sie eine Bande von Plünderern zurück, die im kriegsversehrten Niemandsland zwischen Lowangen und den Orkstellungen ihr Glück suchte.

Immer wieder brachten sie Nahrung in die Stadt. Zum Magistrat. Zum Flüchtlingslager am Traviatempel.

Und schließlich auch nach Eydal. Denn selbst Furka musste irgendwann eingestehen: "Die Leute dort haben bestimmt auch Hunger."
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Zwerge am Svellt - von Althea - 19.04.2026, 08:26
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