17.05.2026, 18:22
Zwerge am Svellt #29
Ein weiterer früher Morgen... Sie überquerten eine seichte Bucht des Flüsschens seitlich des Dorfes und erforschten eine grüne Lichtung, die beinahe idyllisch hätte wirken können, hätte der von dichtem Grün überwachsene Boden nicht immer wieder mit leisem Gluckern nachgegeben... Dann ging es erneut hinüber in die Sandigen Hecken.
Sie folgten beinahe vertrauten Pfaden hinunter zum Wasserlauf, spähten zwischen Gestrüpp und Schilf hindurch, prüften den Boden mit ihren Waffenstielen, doch weder links noch rechts des Flusses war etwas Auffälliges zu erkennen. Als sie schließlich den Abfluss des kleinen Sees erreichten, blickte Keldi mit düsterer Miene auf die stille Wasserfläche hinaus.
"Wir müssen ja wohl nicht dort hinaus?" "Nein", antwortete Althea und blickte zurück in das Dickicht hinter ihnen, "aber dort drüben gab es kein Durchkommen. Wir sollten dem Flusslauf folgen und sehen, ob man vom Wasser aus näher herankommt." Hurdin blickte missmutig ins Wasser. "Vielleicht wechseln wir uns ab", setzte Althea an. "Lassen die schwere Ausrüstung hier und kommen zurück." Ein Angebot zur Milde.
So waren schließlich sie und Tondar es, die sich erst watend, dann halb schwimmend am Ufer entlangarbeiteten. Das Wasser zog stärker, als es zunächst gewirkt hatte, und mehr als einmal verlor einer von beiden kurz den Halt. Doch tatsächlich waren die Hecken vom Wasser aus weniger dicht. Hie und da konnte man sich sogar auf sandigen Grund ziehen. Sie wrangen notdürftig ihre Kleidung aus und drangen vorsichtig tiefer in das Dickicht ein.
"Achtung", flüsterte Tondar plötzlich. Sie spähten um eine Biegung - und blickten in etwas, das wie ein großes Nest wirkte. Zweige, Ranken und Schilf bildeten eine Art improvisiertes Lager. Davor lag zusammengerollt eine Sumpfrantze. Sie schlief. Der Atem ging rasselnd und schwer. Althea und Tondar blickten sich an. Langsam zog Tondar die kleine Handaxt aus dem Gürtel. "Halt", sagte Althea leise. Sie standen inzwischen dicht über der Kreatur. Tondar folgte ihrem Blick. An der rechten Klaue der Sumpfrantze funkelte etwas im Halbdunkel des Dickichts. Ein goldener Ring.
Die Rantze wirkte mitgenommen. Das Fell war verfilzt und stumpf, die Glieder schienen eingefallen, beinahe ausgemergelt. Langsam öffnete Althea die Hand in Richtung Tondar. Einen Moment verstand er nicht, dann begriff er und zog wortlos das Netz hervor, das sie im verlassenen Torfstecherweiler mitgenommen hatten. Sie mussten sich kaum anstrengen. Die Rantze erwachte nicht einmal, als sie sie einschürten.
Der Rückweg gestaltete sich schwieriger. Mit vereinten Kräften schafften sie das Bündel zurück zum Wasser, doch auf dem Weg gegen die Strömung verlor Tondar beinahe erneut den Halt. Für einen kurzen Augenblick verschwand er halb unter Wasser. Mit einem erschöpften Aufschrei stemmte Althea sich gegen die Strömung, gegen den schweren Körper der Sumpfrantze, packte Tondar am Kragen und hielt ihn fest, bis sie gemeinsam das flache Ufer erreichten.
Keldi und Hurdin zogen sie schließlich aus dem Wasser und blickten verdutzt auf das eingeschnürte Bündel, während Althea und Tondar erst einmal nach Luft schnappten. Eine genauere Untersuchung bestätigte schließlich, dass das Untier - 'Untier?' - tatsächlich den beschriebenen Drachenkopfring an der Klaue trug. Als sie sich wieder gesammelt hatten, hob Hurdin die zusätzliche Last wie selbstverständlich auf die Schulter. Dann ging es wieder zurück.
Durch die Hecken.
Durch Dornen.
Durch Sand.
Hoffentlich zum letzten Mal.
Als sie schließlich mit ihrer Last durch die Furt nach Ansvell stolperten, hoben sich überall Echsenköpfe.
Mehr und mehr Dorfbewohner sammelten sich, als die Gruppe den großen Dorfplatz erreichte und erschöpft im Schatten eines Baumes niedersank. Zischelnde Stimmen wurden laut. Einige Echsenmännchen traten mit Dreizacken näher. Schließlich erschien der Dorfvorsteher, dessen dunkelgrüne Färbung diesmal fast sorgenvoll wirkte.
"Wasss issst diesss...?" Althea erklärte mit ausladender Gestik, so gut sie konnte. Der Dorfvorsteher blickte lange auf die gefesselte Kreatur hinab. "Diesss issst euer... Gefährte...?" "Ja und...", Althea kratzte sich müde am Kopf, "...vielleicht." Die Anspannung ließ langsam nach.
Es gab noch einmal einen kleinen Aufruhr, als Tondar das Netz durchschnitt und die Sumpfrantze vorsichtig gegen den Baum lehnte, doch Hurdins beruhigendes Brummen - die Hand dabei ruhig auf dem Axtblatt - sorgte schnell wieder für Ruhe. Althea untersuchte die Kreatur genauer. Nass. Kalt. 'Eigentlich ein gutes Zeichen?' Das Fell war verfilzt, der Atem rasselte ungesund. Aber was wusste sie schon über Sumpfrantzen?
Einige der Salamanderjungen wurden mutiger und spähten neugierig hinter Hurdins Beinen hervor auf das Wesen. Keldi versuchte sich währenddessen an einer wortlosen Unterhaltung mit dem Dorfältesten, gab am Ende jedoch nur mit einem Schulterheben auf. Echsenweibchen brachten frischen Fisch. Althea saß inzwischen über den Aufzeichnungen aus dem Torfstecherweiler und den Dokumenten des Magiers, runzelte die Stirn und strich immer wieder einzelne Zeilen glatt. Hurdin stand stoisch Wache. Keldi und Tondar hatten es sich derweil etwas abseits bequem gemacht und blickten nur gelegentlich hinüber.
Dann sprang Althea plötzlich auf. "Das war es!" Die anderen schreckten hoch. Die Sonne war inzwischen bereits weit über den Himmel gewandert. "Heidekraut", erklärte sie und hielt ein Dokument hoch, als würde dies alles erklären. Die Zwerge blickten weiterhin fragend. Althea schnippte mit den Fingern. "Tondar! Jenseits der Furt, rechts von den Hecken - dort standen diese Heidesträucher! Ich hätte sofort darauf kommen müssen!" Die Zwerge schauten noch immer fragend.
"Bring uns so viel davon, wie du tragen kannst."
Tondar betrachtete sie einen Moment, erhob sich dann aber wortlos und verschwand Richtung Fluss. Althea breitete währenddessen mehrere Dokumente neben der Sumpfrantze aus. "Das ist keine echte Magie", erklärte sie Keldi, der inzwischen nähergetreten war. "Mehr... ein Naturzauber. Eine Verbundenheit dieses Ortes." Keldi nickte vorsichtig, als verstehe er zumindest die Hälfte davon.
Nach einiger Zeit kehrte Tondar zurück, beide Arme voller Heidekraut, gefolgt von einer Reihe neugieriger halbwüchsiger Echsenwesen. Althea deutete auf die andere Seite der Sumpfrantze. Tondar ließ das Heidekraut fallen. Dann wurde es still.
Die Zwerge umstanden Althea.
Die Echsenmenschen umstanden die Zwerge.
Althea fuhr mit den Fingern eine Zeile auf dem Pergament entlang. Ihre Lippen bewegten sich lautlos. Dann griff sie nach einem einzelnen Heidekrautbüschel, berührte damit die Brust der Sumpfrantze und sprach einige seltsam klingende Worte.
Nichts.
Sie warf das Heidekraut zur Seite.
Nahm das nächste.
Wieder nichts.
Noch einmal.
Diesmal kam Bewegung in die Kreatur. Langsam, mühsam, wie von unsichtbaren Fäden gezogen, richtete sich die Sumpfrantze auf.
Die Zwerge traten näher.
Die Echsenmenschen wichen zurück.
Ein Zittern durchlief den Körper. Dann begann ein schimmerndes Licht die Kreatur einzuhüllen. Der Körper begann sich langsam um sich selbst zu drehen. Althea hatte sich inzwischen aufgerichtet. Das Licht wurde heller. Dann erblasste es plötzlich wieder. Zum Vorschein kam der Körper eines jungen Mannes. Man sah ihm an, dass er einst kräftig gewesen war, auch wenn die Wangen inzwischen eingefallen waren und der Körper wirkte, als hätte ihn der Sumpf langsam ausgehöhlt.
Einen Moment stand er schwankend da. Dann brach er zusammen. Die Echsen stoben erschrocken auseinander.
Später hatten sie sich wieder zu ihrem gewohnten Lagerplatz zurückgezogen. Hurdin hatte den jungen Mann wie selbstverständlich auf die Arme genommen und hinübergetragen. Althea hüllte ihn in einen überzähligen Mantel, wobei ihr nicht entging, wie stattlich der Fremde trotz seines elenden Zustands noch immer wirkte. Und ohne Fell.
Die Dorfbewohner hatten sich inzwischen wieder beruhigt und blickten nur noch gelegentlich zu ihnen hinüber. Der junge Mann lag da wie tot. Schweißnasses Haar. Eingefallene Wangen. Und ein Bad hätte er ebenfalls dringend nötig. 'Wo ist Archon, wenn man ihn braucht...?'
Sie hielten abwechselnd Wache, bis schließlich einer nach dem anderen in unruhigen Schlaf fiel. Nur Althea lag lange wach. Gegen Mitternacht setzte sie sich schließlich auf, wühlte unter ihrem Umhang und zog eine der glitzernden Phiolen hervor, die sie einst bei Gerlanje erworben hatten. Zögernd setzte sie die Flasche an die Lippen des jungen Mannes.
'Es ist ein Heiltrank, Mädchen. Die einzige Art, wie du ihm damit weh tun könntest, wäre, ihm die Flasche über den Kopf zu schlagen.'
Der Trank zeigte Wirkung. Die spröden Lippen wurden wieder weich und rot. Neue Farbe kehrte langsam in das Gesicht zurück. Der Atem wurde tiefer. Ruhiger. "Na also...", murmelte Althea leise.
Der Rest der Nacht verlief ruhig.
Ein weiterer früher Morgen... Sie überquerten eine seichte Bucht des Flüsschens seitlich des Dorfes und erforschten eine grüne Lichtung, die beinahe idyllisch hätte wirken können, hätte der von dichtem Grün überwachsene Boden nicht immer wieder mit leisem Gluckern nachgegeben... Dann ging es erneut hinüber in die Sandigen Hecken.
Sie folgten beinahe vertrauten Pfaden hinunter zum Wasserlauf, spähten zwischen Gestrüpp und Schilf hindurch, prüften den Boden mit ihren Waffenstielen, doch weder links noch rechts des Flusses war etwas Auffälliges zu erkennen. Als sie schließlich den Abfluss des kleinen Sees erreichten, blickte Keldi mit düsterer Miene auf die stille Wasserfläche hinaus.
"Wir müssen ja wohl nicht dort hinaus?" "Nein", antwortete Althea und blickte zurück in das Dickicht hinter ihnen, "aber dort drüben gab es kein Durchkommen. Wir sollten dem Flusslauf folgen und sehen, ob man vom Wasser aus näher herankommt." Hurdin blickte missmutig ins Wasser. "Vielleicht wechseln wir uns ab", setzte Althea an. "Lassen die schwere Ausrüstung hier und kommen zurück." Ein Angebot zur Milde.
So waren schließlich sie und Tondar es, die sich erst watend, dann halb schwimmend am Ufer entlangarbeiteten. Das Wasser zog stärker, als es zunächst gewirkt hatte, und mehr als einmal verlor einer von beiden kurz den Halt. Doch tatsächlich waren die Hecken vom Wasser aus weniger dicht. Hie und da konnte man sich sogar auf sandigen Grund ziehen. Sie wrangen notdürftig ihre Kleidung aus und drangen vorsichtig tiefer in das Dickicht ein.
"Achtung", flüsterte Tondar plötzlich. Sie spähten um eine Biegung - und blickten in etwas, das wie ein großes Nest wirkte. Zweige, Ranken und Schilf bildeten eine Art improvisiertes Lager. Davor lag zusammengerollt eine Sumpfrantze. Sie schlief. Der Atem ging rasselnd und schwer. Althea und Tondar blickten sich an. Langsam zog Tondar die kleine Handaxt aus dem Gürtel. "Halt", sagte Althea leise. Sie standen inzwischen dicht über der Kreatur. Tondar folgte ihrem Blick. An der rechten Klaue der Sumpfrantze funkelte etwas im Halbdunkel des Dickichts. Ein goldener Ring.
Die Rantze wirkte mitgenommen. Das Fell war verfilzt und stumpf, die Glieder schienen eingefallen, beinahe ausgemergelt. Langsam öffnete Althea die Hand in Richtung Tondar. Einen Moment verstand er nicht, dann begriff er und zog wortlos das Netz hervor, das sie im verlassenen Torfstecherweiler mitgenommen hatten. Sie mussten sich kaum anstrengen. Die Rantze erwachte nicht einmal, als sie sie einschürten.
Der Rückweg gestaltete sich schwieriger. Mit vereinten Kräften schafften sie das Bündel zurück zum Wasser, doch auf dem Weg gegen die Strömung verlor Tondar beinahe erneut den Halt. Für einen kurzen Augenblick verschwand er halb unter Wasser. Mit einem erschöpften Aufschrei stemmte Althea sich gegen die Strömung, gegen den schweren Körper der Sumpfrantze, packte Tondar am Kragen und hielt ihn fest, bis sie gemeinsam das flache Ufer erreichten.
Keldi und Hurdin zogen sie schließlich aus dem Wasser und blickten verdutzt auf das eingeschnürte Bündel, während Althea und Tondar erst einmal nach Luft schnappten. Eine genauere Untersuchung bestätigte schließlich, dass das Untier - 'Untier?' - tatsächlich den beschriebenen Drachenkopfring an der Klaue trug. Als sie sich wieder gesammelt hatten, hob Hurdin die zusätzliche Last wie selbstverständlich auf die Schulter. Dann ging es wieder zurück.
Durch die Hecken.
Durch Dornen.
Durch Sand.
Hoffentlich zum letzten Mal.
Als sie schließlich mit ihrer Last durch die Furt nach Ansvell stolperten, hoben sich überall Echsenköpfe.
Mehr und mehr Dorfbewohner sammelten sich, als die Gruppe den großen Dorfplatz erreichte und erschöpft im Schatten eines Baumes niedersank. Zischelnde Stimmen wurden laut. Einige Echsenmännchen traten mit Dreizacken näher. Schließlich erschien der Dorfvorsteher, dessen dunkelgrüne Färbung diesmal fast sorgenvoll wirkte.
"Wasss issst diesss...?" Althea erklärte mit ausladender Gestik, so gut sie konnte. Der Dorfvorsteher blickte lange auf die gefesselte Kreatur hinab. "Diesss issst euer... Gefährte...?" "Ja und...", Althea kratzte sich müde am Kopf, "...vielleicht." Die Anspannung ließ langsam nach.
Es gab noch einmal einen kleinen Aufruhr, als Tondar das Netz durchschnitt und die Sumpfrantze vorsichtig gegen den Baum lehnte, doch Hurdins beruhigendes Brummen - die Hand dabei ruhig auf dem Axtblatt - sorgte schnell wieder für Ruhe. Althea untersuchte die Kreatur genauer. Nass. Kalt. 'Eigentlich ein gutes Zeichen?' Das Fell war verfilzt, der Atem rasselte ungesund. Aber was wusste sie schon über Sumpfrantzen?
Einige der Salamanderjungen wurden mutiger und spähten neugierig hinter Hurdins Beinen hervor auf das Wesen. Keldi versuchte sich währenddessen an einer wortlosen Unterhaltung mit dem Dorfältesten, gab am Ende jedoch nur mit einem Schulterheben auf. Echsenweibchen brachten frischen Fisch. Althea saß inzwischen über den Aufzeichnungen aus dem Torfstecherweiler und den Dokumenten des Magiers, runzelte die Stirn und strich immer wieder einzelne Zeilen glatt. Hurdin stand stoisch Wache. Keldi und Tondar hatten es sich derweil etwas abseits bequem gemacht und blickten nur gelegentlich hinüber.
Dann sprang Althea plötzlich auf. "Das war es!" Die anderen schreckten hoch. Die Sonne war inzwischen bereits weit über den Himmel gewandert. "Heidekraut", erklärte sie und hielt ein Dokument hoch, als würde dies alles erklären. Die Zwerge blickten weiterhin fragend. Althea schnippte mit den Fingern. "Tondar! Jenseits der Furt, rechts von den Hecken - dort standen diese Heidesträucher! Ich hätte sofort darauf kommen müssen!" Die Zwerge schauten noch immer fragend.
"Bring uns so viel davon, wie du tragen kannst."
Tondar betrachtete sie einen Moment, erhob sich dann aber wortlos und verschwand Richtung Fluss. Althea breitete währenddessen mehrere Dokumente neben der Sumpfrantze aus. "Das ist keine echte Magie", erklärte sie Keldi, der inzwischen nähergetreten war. "Mehr... ein Naturzauber. Eine Verbundenheit dieses Ortes." Keldi nickte vorsichtig, als verstehe er zumindest die Hälfte davon.
Nach einiger Zeit kehrte Tondar zurück, beide Arme voller Heidekraut, gefolgt von einer Reihe neugieriger halbwüchsiger Echsenwesen. Althea deutete auf die andere Seite der Sumpfrantze. Tondar ließ das Heidekraut fallen. Dann wurde es still.
Die Zwerge umstanden Althea.
Die Echsenmenschen umstanden die Zwerge.
Althea fuhr mit den Fingern eine Zeile auf dem Pergament entlang. Ihre Lippen bewegten sich lautlos. Dann griff sie nach einem einzelnen Heidekrautbüschel, berührte damit die Brust der Sumpfrantze und sprach einige seltsam klingende Worte.
Nichts.
Sie warf das Heidekraut zur Seite.
Nahm das nächste.
Wieder nichts.
Noch einmal.
Diesmal kam Bewegung in die Kreatur. Langsam, mühsam, wie von unsichtbaren Fäden gezogen, richtete sich die Sumpfrantze auf.
Die Zwerge traten näher.
Die Echsenmenschen wichen zurück.
Ein Zittern durchlief den Körper. Dann begann ein schimmerndes Licht die Kreatur einzuhüllen. Der Körper begann sich langsam um sich selbst zu drehen. Althea hatte sich inzwischen aufgerichtet. Das Licht wurde heller. Dann erblasste es plötzlich wieder. Zum Vorschein kam der Körper eines jungen Mannes. Man sah ihm an, dass er einst kräftig gewesen war, auch wenn die Wangen inzwischen eingefallen waren und der Körper wirkte, als hätte ihn der Sumpf langsam ausgehöhlt.
Einen Moment stand er schwankend da. Dann brach er zusammen. Die Echsen stoben erschrocken auseinander.
Später hatten sie sich wieder zu ihrem gewohnten Lagerplatz zurückgezogen. Hurdin hatte den jungen Mann wie selbstverständlich auf die Arme genommen und hinübergetragen. Althea hüllte ihn in einen überzähligen Mantel, wobei ihr nicht entging, wie stattlich der Fremde trotz seines elenden Zustands noch immer wirkte. Und ohne Fell.
Die Dorfbewohner hatten sich inzwischen wieder beruhigt und blickten nur noch gelegentlich zu ihnen hinüber. Der junge Mann lag da wie tot. Schweißnasses Haar. Eingefallene Wangen. Und ein Bad hätte er ebenfalls dringend nötig. 'Wo ist Archon, wenn man ihn braucht...?'
Sie hielten abwechselnd Wache, bis schließlich einer nach dem anderen in unruhigen Schlaf fiel. Nur Althea lag lange wach. Gegen Mitternacht setzte sie sich schließlich auf, wühlte unter ihrem Umhang und zog eine der glitzernden Phiolen hervor, die sie einst bei Gerlanje erworben hatten. Zögernd setzte sie die Flasche an die Lippen des jungen Mannes.
'Es ist ein Heiltrank, Mädchen. Die einzige Art, wie du ihm damit weh tun könntest, wäre, ihm die Flasche über den Kopf zu schlagen.'
Der Trank zeigte Wirkung. Die spröden Lippen wurden wieder weich und rot. Neue Farbe kehrte langsam in das Gesicht zurück. Der Atem wurde tiefer. Ruhiger. "Na also...", murmelte Althea leise.
Der Rest der Nacht verlief ruhig.

