Zwerge am Svellt #28
Hätte sie doch nur besser in 'Transformationen' aufgepasst... Sie lagerten abseits des lodernden Hexenhauses. Tondar starrte mit düsterer Miene auf die starr daliegenden Körper Keldis und Hurdins, während Althea daneben kauerte und ihre Finger rang. "Transmutation für Anfänger...", murmelte sie tonlos vor sich hin. "Einfach nur die Hand auflegen... die Formel sprechen... die wissenschaftliche Form... verdammte Hexenmagie... Sollte der Zauber nicht mit dem Tod der Hexe aufhören zu wirken...?"
Sie blickte auf in Tondars sorgenvolles Gesicht. "Behalte die Umgebung im Auge", sagte sie leise und warf einen Blick auf das brennende Haus. "Wir haben uns wieder meilenweit bemerkbar gemacht... Das hier...", sie sah auf die beiden reglosen Zwerge hinab, "...wird eine Weile brauchen."
'Wenn ich es überhaupt schaffe...'
Tondar fasste sich, lud schweigend seine Armbrust durch und lehnte sich gegen einen Baum. Rußstreifen zogen sich noch über sein Gesicht. Währenddessen zog Althea langsam den Elfenumhang von den Schultern und ließ sich im Schneidersitz nieder. Ihre Haare fielen ihr ins Gesicht, während sie in ihrem Gedächtnis grub, nach einer Formel, die sie seit Jahren nicht mehr benutzt hatte. Eine Ratte zurück in einen Salamander verwandeln... Sie zuckte innerlich zusammen.
Eine halbe Stunde später legte sie vorsichtig die Hand auf Keldis Brust. Ein Murmeln. Ein Kribbeln. Nichts. Die Sonne kroch langsam über den Himmel. Hinter ihnen krachten die brennenden Balken der Hütte in sich zusammen. Einmal glaubte Tondar zwischen den Bäumen Bewegung zu sehen und hob sofort die Armbrust, doch dort war nichts außer Rauch und Stille. Althea arbeitete weiter. Stunde um Stunde. Sie verlor jedes Gefühl für Zeit. Zweimal sackte sie beinahe selbst zur Seite. Einmal glaubte sie kurz wieder die Stimme der Hexe zu hören.
'Gewogen und zu leicht befunden...'
Irgendwann, es war schon Nachmittag, wurden Keldis Glieder plötzlich schlaff. Sein Körper zuckte zusammen, dann blinzelte er verwirrt. Später folgte Hurdin.
"Und ich dachte, mit dem Tod der Hexe hören ihre Zauber auf zu wirken", brummte Keldi schließlich, nachdem er einen tiefen Schluck aus dem Wasserschlauch genommen hatte, was Tondar mit tonloser Missbilligung registrierte. Hurdin sagte nichts. Er wirkte noch schweigsamer als sonst.
"Jetzt sind wir zwar wieder zusammen", wechselte Althea das Thema, "aber wo Agdan Dragenfels ist, wissen wir immer noch nicht..." Sie schauten sich an. "Wie sagte der Dorfvorsteher?", murmelte Tondar schließlich. "Er lebt noch... aber es gibt ihn nicht mehr." 'Methanaturell', dachte Althea unwillkürlich zurück an irgendeine staubige Unterrichtsstunde in Khunchom. 'Tot und lebendig zugleich...' Sie verdrängte den Gedanken sofort wieder.
"Dann durchkämmen wir eben den ganzen Sumpf."
Keldi blickte zu Tondar hinüber. Der nickte nur. Hurdin hob langsam den Kopf und ballte schweigend die Faust.
Sie durchsuchten noch die Umgebung der niedergebrannten Hütte. Hinter einigen Hecken fanden sie einen sorgsam gepflegten Kräutergarten, der selbst einer Ginya Ehre gemacht hätte. Archon fehlte wieder einmal schmerzlich, doch Tondar kannte sich gut genug aus, um die wichtigsten Pflanzen zu bergen.
Dann wandten sie sich wieder dem Moor zu. Seltsamerweise blieb der Sumpf still. Kein Zombie stieg aus dem Morast. Keine Sumpfrantzen lauerten zwischen den Bohlenwegen. Nur das ewige Knarren des Holzes unter ihren Füßen. "Bist du sicher, dass die Moorleiche dort drüben keinen Drachenkopfring getragen hat?", fragte Keldi irgendwann trocken und zeigte schräg in irgendeine Richtung. Niemand antwortete.
Als sich die Dunkelheit senkte, erreichten sie erneut Ansvell, wo man sie inzwischen beinahe wie Heimkehrer empfing. Salamanderwesen traten aus ihren Behausungen, zischten einander aufgeregt etwas zu und führten die Gruppe wieder ins Dorfzentrum. Sie waren inzwischen fast Teil des Ortes geworden.
Am nächsten Morgen machten sie sich erneut auf den Weg. Nördlich Ansvells erhob sich hinter dem Wasserlauf eine eigentümliche Landschaft aus niedrigen Sandhügeln, feuchten Niederungen und nahezu undurchdringlichem Gestrüpp.
Die Sandigen Hecken.
Schon nach kurzer Zeit merkten sie, dass das Vorankommen hier kaum weniger anstrengend war als im Moor selbst. Die Sträucher waren zäh, dornig und so dicht, dass man sich Schritt für Schritt hindurchzwängen musste. Selbst Äxte konnten kaum Schneisen schlagen, und einmal stellte Althea fest, dass die trockenen Zweige nicht einmal richtig Feuer fingen. Also kämpften sie sich weiter. Schritt für Schritt. Schweiß rann unter Kettenhemden und Lederzeug. Sand kroch in Stiefel. Dornen verfingen sich in Kleidung und Bärten. Immer wieder glaubte man, hinter der nächsten Hügelkuppe müsse es leichter werden. Wurde es aber nicht.
Sie arbeiteten sich Richtung Osten vor und stießen schließlich auf ein Lager aus Orks und Goblins, die offenbar Streifzüge durch die Gegend unternahmen. Der Kampf war kurz und brutal. Keldi und Hurdin hielten die eine Flanke, während Althea und Tondar auf der anderen kämpften. Tondar schwang die Skraja zwischen den engen Hecken mit erstaunlicher Geschwindigkeit, während Althea im flimmernden Schimmer eines Armatrutz kleine Flammenlanzen schleuderte. Als der Kampf vorüber war, lagen Tote zwischen zertrampeltem Gestrüpp und Sand. Während Althea Keldis Arm mit Wirselkraut verband, betrachtete Hurdin schweigend den zerbrochenen Stiel seiner Orknase. Gute Arbeit aus Oberorken. Von den Söhnen des Grufalm. Lange sah er auf die Bruchstücke hinab. Dann warf er sie wortlos in die Hecken und zog eine schwere norbardische Ersatzaxt aus dem Gepäck.
Der Sumpf begann Dinge zu fressen. Nicht nur Menschen.
Später stolperten sie tiefer im Heckenlabyrinth in einen Kampf zwischen Orks und Zombies hinein — und waren plötzlich mittendrin. Danach wusste niemand mehr genau, wie lange sie noch marschiert waren. Der Sand wurde genauso unerträglich wie der Schlamm. Die Hecken sahen irgendwann alle gleich aus.
Rechts.
Links.
Geradeaus.
Zurück.
Noch ein Hinterhalt. Noch ein Kampf. Noch mehr Erschöpfung.
Als sie endlich wieder Ansvell erreichten, war bereits erneut Dunkelheit hereingebrochen. Althea rollte sich erschöpft in ihre Decken. "Morgen die Heide der Findlinge...", murmelte sie nur noch.
Und wieder brachen sie mit dem ersten Sonnenlicht auf. Wieder durch das Wasser. Wieder durch die Sandigen Hecken.
Eine Gruppe Echsenwesen winkte ihnen stromaufwärts beim Fischfang mit ihren Dreizacken zu, während die Gefährten schweigend vorbeizogen.
Im äußersten Westen erhob sich schließlich die Heide der Findlinge. Eine seltsame Landschaft. Wogende Heideflächen unter grauem Himmel. Geröll. Riesige Findlinge, die wie uralte Wächter aus dem Boden ragten. Manche überragten Althea um Manneshöhe. Der Wind strich durch das Heidekraut wie durch Wasser. Dann verschluckten die Steine sie. Es wurde ein Labyrinth.
Zwischen den Findlingen verloren sich Wege, entstanden neue, endeten plötzlich wieder. Goblins sprangen von den Felsen herab. Orks lauerten zwischen den Steinen. Und immer wieder marschierten sie weiter.
Weiter.
Weiter.
Tondars Skraja zerbrach während eines Kampfes. Hurdin reichte ihm schweigend seine Seitenwaffe. Niemand kommentierte es mehr. Der Sumpf forderte seinen Tribut.
Später blieb Tondar plötzlich stehen und blickte sich zwischen den Steinen um. "Ich glaube...", murmelte er langsam, "ich habe den Findling dort schon einmal gesehen." "Ich glaube", brummte Hurdin erschöpft, "ich habe inzwischen zu viele Findlinge gesehen." Dann marschierten sie weiter.
Geradeaus.
Links.
Rechts.
Bis sie irgendwann wieder am Flüsschen standen. Die Sonne sank bereits. Tondar trat falsch auf, verlor den Halt und verschwand plötzlich im Wasser. Einen Moment lang glaubte Althea bereits, der Sumpf hätte ihn endgültig geholt, doch Keldi und Hurdin packten ihn noch rechtzeitig und zerrten ihn fluchend ans Ufer zurück. Dann wieder die Hecken. Wieder Dornen. Wieder Sand. Und schließlich wieder Ansvell. In der Dunkelheit.
Nach dem Essen legte Althea kurz die Hand über die Augen und schüttelte leicht den Kopf, als versuche sie einen Schwindel zu vertreiben. "Wir haben jetzt alle Gegenden des Sumpfes durchsucht", sagte sie schließlich müde. "Und noch immer keine Spur von Agdan Dragenfels."
Schweigen.
Wenn Agdan irgendwo im Heckengestrüpp oder zwischen den Findlingen lag, war die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie ihn längst übersehen hatten. Das dachten sie alle. Aber niemand sprach es aus. "Wenn er lebendig und tot zugleich ist", murmelte Hurdin schließlich, "dann hat der Sumpf ihn vielleicht genommen... und wieder ausgespuckt." Er blickte auf ein kleine Salamanderwesen hinab, das inzwischen zusammengerollt auf seinem Bein eingeschlafen war. "Vielleicht haben wir ihn auch längst erneut zu Boron geschickt."
Unbehagliche Blicke.
Dann richtete Althea sich langsam wieder auf. "Es gibt noch eine Möglichkeit." Die Zwerge sahen sie an. "Der Fluss." Die Gesichter wurden sofort verdrießlich. "Wir kommen nicht überall an die Ufer", brummte Keldi. "Und wer weiß, was sich hinter den Hecken dort verbirgt..." "Unsere Gastgeber werden auch nicht begeistert sein, wenn wir ihre wenigen Bäume für ein Floß fällen", setzte er hinzu. Althea legte leicht den Kopf schief. "Also ohne Floß." Die Zwerge schauten noch verdrießlicher.
Hätte sie doch nur besser in 'Transformationen' aufgepasst... Sie lagerten abseits des lodernden Hexenhauses. Tondar starrte mit düsterer Miene auf die starr daliegenden Körper Keldis und Hurdins, während Althea daneben kauerte und ihre Finger rang. "Transmutation für Anfänger...", murmelte sie tonlos vor sich hin. "Einfach nur die Hand auflegen... die Formel sprechen... die wissenschaftliche Form... verdammte Hexenmagie... Sollte der Zauber nicht mit dem Tod der Hexe aufhören zu wirken...?"
Sie blickte auf in Tondars sorgenvolles Gesicht. "Behalte die Umgebung im Auge", sagte sie leise und warf einen Blick auf das brennende Haus. "Wir haben uns wieder meilenweit bemerkbar gemacht... Das hier...", sie sah auf die beiden reglosen Zwerge hinab, "...wird eine Weile brauchen."
'Wenn ich es überhaupt schaffe...'
Tondar fasste sich, lud schweigend seine Armbrust durch und lehnte sich gegen einen Baum. Rußstreifen zogen sich noch über sein Gesicht. Währenddessen zog Althea langsam den Elfenumhang von den Schultern und ließ sich im Schneidersitz nieder. Ihre Haare fielen ihr ins Gesicht, während sie in ihrem Gedächtnis grub, nach einer Formel, die sie seit Jahren nicht mehr benutzt hatte. Eine Ratte zurück in einen Salamander verwandeln... Sie zuckte innerlich zusammen.
Eine halbe Stunde später legte sie vorsichtig die Hand auf Keldis Brust. Ein Murmeln. Ein Kribbeln. Nichts. Die Sonne kroch langsam über den Himmel. Hinter ihnen krachten die brennenden Balken der Hütte in sich zusammen. Einmal glaubte Tondar zwischen den Bäumen Bewegung zu sehen und hob sofort die Armbrust, doch dort war nichts außer Rauch und Stille. Althea arbeitete weiter. Stunde um Stunde. Sie verlor jedes Gefühl für Zeit. Zweimal sackte sie beinahe selbst zur Seite. Einmal glaubte sie kurz wieder die Stimme der Hexe zu hören.
'Gewogen und zu leicht befunden...'
Irgendwann, es war schon Nachmittag, wurden Keldis Glieder plötzlich schlaff. Sein Körper zuckte zusammen, dann blinzelte er verwirrt. Später folgte Hurdin.
"Und ich dachte, mit dem Tod der Hexe hören ihre Zauber auf zu wirken", brummte Keldi schließlich, nachdem er einen tiefen Schluck aus dem Wasserschlauch genommen hatte, was Tondar mit tonloser Missbilligung registrierte. Hurdin sagte nichts. Er wirkte noch schweigsamer als sonst.
"Jetzt sind wir zwar wieder zusammen", wechselte Althea das Thema, "aber wo Agdan Dragenfels ist, wissen wir immer noch nicht..." Sie schauten sich an. "Wie sagte der Dorfvorsteher?", murmelte Tondar schließlich. "Er lebt noch... aber es gibt ihn nicht mehr." 'Methanaturell', dachte Althea unwillkürlich zurück an irgendeine staubige Unterrichtsstunde in Khunchom. 'Tot und lebendig zugleich...' Sie verdrängte den Gedanken sofort wieder.
"Dann durchkämmen wir eben den ganzen Sumpf."
Keldi blickte zu Tondar hinüber. Der nickte nur. Hurdin hob langsam den Kopf und ballte schweigend die Faust.
Sie durchsuchten noch die Umgebung der niedergebrannten Hütte. Hinter einigen Hecken fanden sie einen sorgsam gepflegten Kräutergarten, der selbst einer Ginya Ehre gemacht hätte. Archon fehlte wieder einmal schmerzlich, doch Tondar kannte sich gut genug aus, um die wichtigsten Pflanzen zu bergen.
Dann wandten sie sich wieder dem Moor zu. Seltsamerweise blieb der Sumpf still. Kein Zombie stieg aus dem Morast. Keine Sumpfrantzen lauerten zwischen den Bohlenwegen. Nur das ewige Knarren des Holzes unter ihren Füßen. "Bist du sicher, dass die Moorleiche dort drüben keinen Drachenkopfring getragen hat?", fragte Keldi irgendwann trocken und zeigte schräg in irgendeine Richtung. Niemand antwortete.
Als sich die Dunkelheit senkte, erreichten sie erneut Ansvell, wo man sie inzwischen beinahe wie Heimkehrer empfing. Salamanderwesen traten aus ihren Behausungen, zischten einander aufgeregt etwas zu und führten die Gruppe wieder ins Dorfzentrum. Sie waren inzwischen fast Teil des Ortes geworden.
Am nächsten Morgen machten sie sich erneut auf den Weg. Nördlich Ansvells erhob sich hinter dem Wasserlauf eine eigentümliche Landschaft aus niedrigen Sandhügeln, feuchten Niederungen und nahezu undurchdringlichem Gestrüpp.
Die Sandigen Hecken.
Schon nach kurzer Zeit merkten sie, dass das Vorankommen hier kaum weniger anstrengend war als im Moor selbst. Die Sträucher waren zäh, dornig und so dicht, dass man sich Schritt für Schritt hindurchzwängen musste. Selbst Äxte konnten kaum Schneisen schlagen, und einmal stellte Althea fest, dass die trockenen Zweige nicht einmal richtig Feuer fingen. Also kämpften sie sich weiter. Schritt für Schritt. Schweiß rann unter Kettenhemden und Lederzeug. Sand kroch in Stiefel. Dornen verfingen sich in Kleidung und Bärten. Immer wieder glaubte man, hinter der nächsten Hügelkuppe müsse es leichter werden. Wurde es aber nicht.
Sie arbeiteten sich Richtung Osten vor und stießen schließlich auf ein Lager aus Orks und Goblins, die offenbar Streifzüge durch die Gegend unternahmen. Der Kampf war kurz und brutal. Keldi und Hurdin hielten die eine Flanke, während Althea und Tondar auf der anderen kämpften. Tondar schwang die Skraja zwischen den engen Hecken mit erstaunlicher Geschwindigkeit, während Althea im flimmernden Schimmer eines Armatrutz kleine Flammenlanzen schleuderte. Als der Kampf vorüber war, lagen Tote zwischen zertrampeltem Gestrüpp und Sand. Während Althea Keldis Arm mit Wirselkraut verband, betrachtete Hurdin schweigend den zerbrochenen Stiel seiner Orknase. Gute Arbeit aus Oberorken. Von den Söhnen des Grufalm. Lange sah er auf die Bruchstücke hinab. Dann warf er sie wortlos in die Hecken und zog eine schwere norbardische Ersatzaxt aus dem Gepäck.
Der Sumpf begann Dinge zu fressen. Nicht nur Menschen.
Später stolperten sie tiefer im Heckenlabyrinth in einen Kampf zwischen Orks und Zombies hinein — und waren plötzlich mittendrin. Danach wusste niemand mehr genau, wie lange sie noch marschiert waren. Der Sand wurde genauso unerträglich wie der Schlamm. Die Hecken sahen irgendwann alle gleich aus.
Rechts.
Links.
Geradeaus.
Zurück.
Noch ein Hinterhalt. Noch ein Kampf. Noch mehr Erschöpfung.
Als sie endlich wieder Ansvell erreichten, war bereits erneut Dunkelheit hereingebrochen. Althea rollte sich erschöpft in ihre Decken. "Morgen die Heide der Findlinge...", murmelte sie nur noch.
Und wieder brachen sie mit dem ersten Sonnenlicht auf. Wieder durch das Wasser. Wieder durch die Sandigen Hecken.
Eine Gruppe Echsenwesen winkte ihnen stromaufwärts beim Fischfang mit ihren Dreizacken zu, während die Gefährten schweigend vorbeizogen.
Im äußersten Westen erhob sich schließlich die Heide der Findlinge. Eine seltsame Landschaft. Wogende Heideflächen unter grauem Himmel. Geröll. Riesige Findlinge, die wie uralte Wächter aus dem Boden ragten. Manche überragten Althea um Manneshöhe. Der Wind strich durch das Heidekraut wie durch Wasser. Dann verschluckten die Steine sie. Es wurde ein Labyrinth.
Zwischen den Findlingen verloren sich Wege, entstanden neue, endeten plötzlich wieder. Goblins sprangen von den Felsen herab. Orks lauerten zwischen den Steinen. Und immer wieder marschierten sie weiter.
Weiter.
Weiter.
Tondars Skraja zerbrach während eines Kampfes. Hurdin reichte ihm schweigend seine Seitenwaffe. Niemand kommentierte es mehr. Der Sumpf forderte seinen Tribut.
Später blieb Tondar plötzlich stehen und blickte sich zwischen den Steinen um. "Ich glaube...", murmelte er langsam, "ich habe den Findling dort schon einmal gesehen." "Ich glaube", brummte Hurdin erschöpft, "ich habe inzwischen zu viele Findlinge gesehen." Dann marschierten sie weiter.
Geradeaus.
Links.
Rechts.
Bis sie irgendwann wieder am Flüsschen standen. Die Sonne sank bereits. Tondar trat falsch auf, verlor den Halt und verschwand plötzlich im Wasser. Einen Moment lang glaubte Althea bereits, der Sumpf hätte ihn endgültig geholt, doch Keldi und Hurdin packten ihn noch rechtzeitig und zerrten ihn fluchend ans Ufer zurück. Dann wieder die Hecken. Wieder Dornen. Wieder Sand. Und schließlich wieder Ansvell. In der Dunkelheit.
Nach dem Essen legte Althea kurz die Hand über die Augen und schüttelte leicht den Kopf, als versuche sie einen Schwindel zu vertreiben. "Wir haben jetzt alle Gegenden des Sumpfes durchsucht", sagte sie schließlich müde. "Und noch immer keine Spur von Agdan Dragenfels."
Schweigen.
Wenn Agdan irgendwo im Heckengestrüpp oder zwischen den Findlingen lag, war die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie ihn längst übersehen hatten. Das dachten sie alle. Aber niemand sprach es aus. "Wenn er lebendig und tot zugleich ist", murmelte Hurdin schließlich, "dann hat der Sumpf ihn vielleicht genommen... und wieder ausgespuckt." Er blickte auf ein kleine Salamanderwesen hinab, das inzwischen zusammengerollt auf seinem Bein eingeschlafen war. "Vielleicht haben wir ihn auch längst erneut zu Boron geschickt."
Unbehagliche Blicke.
Dann richtete Althea sich langsam wieder auf. "Es gibt noch eine Möglichkeit." Die Zwerge sahen sie an. "Der Fluss." Die Gesichter wurden sofort verdrießlich. "Wir kommen nicht überall an die Ufer", brummte Keldi. "Und wer weiß, was sich hinter den Hecken dort verbirgt..." "Unsere Gastgeber werden auch nicht begeistert sein, wenn wir ihre wenigen Bäume für ein Floß fällen", setzte er hinzu. Althea legte leicht den Kopf schief. "Also ohne Floß." Die Zwerge schauten noch verdrießlicher.

