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Zwerge am Svellt
#25
Zwerge am Svellt #26

Der Rückweg erschien um einiges länger als der Hinweg, aber vielleicht verliefen sie sich auch und liefen wieder im Kreis. Irgendwann erreichten sie wieder die alten Ruinen und sahen dahinter die grüne Insel Ansvells im Moor liegen. Althea ging voran.

Der Häuptling der Echsenwesen empfing sie diesmal in leuchtenden Farben und mit aufgeregten Zischlauten. Offenbar hatte sich die Nachricht vom Tod des Schlingers bereits durch das Dorf verbreitet. Der Dorfvorsteher erklärte ihnen, dass er ihnen nun weiterhelfen wolle. Wenn sie Antworten suchten, müssten sie eine Frau aufsuchen, die in einem Wäldchen im Südosten der Sümpfe lebe.

Dann sprach er von einem zweiten Geheimnis. Von Agdan Dragenfels. Oder von dem, was von ihm übrig geblieben war. Der Mann sei verschwunden und gleichzeitig noch immer dort. Althea runzelte die Stirn. "Methanaturell..." murmelte sie mehr zu sich selbst als zu den anderen. Der Echsenhäuptling verstand den Begriff offensichtlich nicht, deutete aber nur in Richtung Süden.

Die Frau könne ihnen weiterhelfen.

Danach sammelten sich die Bewohner Ansvells um die Gruppe. Kaltnasse Hände legten sich auf ihre Unterarme. Augen schimmerten begeistert. Sie wurden durch das Dorf geführt, bekamen rohen Fisch angeboten und einen seltsam bitter schmeckenden Salat aus Sumpfgras. Einige junge Echsenweibchen zeigten Althea stolz ihre Eier, die in einem sorgfältig bewachten Gelege lagen. Kleinere Salamanderwesen liefen aufgeregt zwischen den Hütten umher, kletterten auf Hurdins breite Schultern und zogen ihm lachend am Bart, während der Zwerg stoisch sitzen blieb und versuchte seine Rührung zu verbergen...

Irgendwann legte sich der Trubel. Sie nächtigten mitten im Dorf. Es war eine der besten Nächte, die Althea seit langer Zeit erlebt hatte.

Am nächsten Morgen brachen sie wieder auf.

Sie folgten zunächst denselben Bohlenwegen, die sie nach Ansvell geführt hatten, bogen dann jedoch nach Westen ab und waren bald wieder allein mit dem endlosen Moor und der Sommersonne über ihren Köpfen. Ein paar Zombies trieben sie schweigend zurück in den Sumpf. Noch vor Mittag tauchte vor ihnen ein dunkler Streifen am Horizont auf. "Dunkler Streifen vor dunklem Moor", bemerkte Tondar trocken - Anscheinend wurde es selbst den Zwergen langsam zu still.

Der Boden wurde fester. Schließlich erreichten sie ein dichtes Gehölz niedriger, verkrüppelter Bäume, zwischen denen sich kaum sichtbare Pfade durch dichtes Unterholz zogen. Sie bahnten sich vorsichtig ihren Weg. Die Stille, die bereits über dem Moor gelegen hatte, schien sich hier noch zu verdichten. Die seltsam verdrehten Baumkronen neigten sich über den Pfad und bildeten beinahe Tunnel aus Ästen und Schatten. Schließlich weitete sich das Gehölz zu einer Lichtung. Am anderen Ende stand eine windschiefe Bretterhütte. Das fahle Sonnenlicht verlieh dem Ort etwas Unwirkliches.

Sie blieben unschlüssig stehen und sahen sich an — in jener wortlosen Art von: Ich klopfe und du redest? Da öffnete sich plötzlich mit einem Knarren die Tür.

"Wenn du noch länger so herumstehst, wirst du noch altern und deine ganze Schönheit verlieren, mein Täubchen." Die Alte besaß eine hohe, kratzende Stimme. Keine Hakennase, keine Warzen — nur ein wettergegerbtes Gesicht unter weißem Haar.

Althea fühlte sich sichtbar unwohl, während die Alte sie musterte.

"Deine Schönheit sollte wert sein, entnommen und in Flaschen abgefüllt zu werden..." Die Zwerge rückten unwillkürlich näher an Althea heran.

"Eine Magierin mit fünf Zwergen..." fuhr die Alte fort. "...wie aus den alten Geschichten. Was können sie wohl für mich tun?"

Althea räusperte sich. "Wir... benötigen eure Hilfe."

Die Augen der Alten wurden schmal. Althea fasste sich und erzählte die ganze Geschichte. Lange herrschte Schweigen. Dann nickte die Alte langsam. "Ich kann euch helfen. Aber es wird dich kosten..." Althea erschauderte. "Nicht so, Kleines..." Die Alte erklärte, sie liege in Rivalität mit einem Magier, der am anderen Ende des Sumpfes in einem Turm hausen würde. Wenn sie ihr seine Kristallkugel brächten, würde sie ihnen helfen.

Kurz darauf schloss sich die Tür wieder.

Althea schüttelte sich unwillkürlich.

Sie verließen die Lichtung deutlich schneller, als sie sie betreten hatten. Später, als wieder nur Moor, Bohlenwege und flimmernde Hitze um sie lagen, kreisten Altheas Gedanken immer wieder um dieselbe Frage. 'Der Magier wird seine Kristallkugel sicher nicht freiwillig herausgeben... Aber wir können ihn fragen... Das heißt also gar nichts...' Das Moor zog sich endlos dahin. Steg um Steg. Biegung um Biegung. Nicht einmal Sumpfrantzen ließen sich sehen.

Der Nachmittag verging bleiern. Ein Schritt vor dem anderen. Die Nacht brach herein und noch immer knarrten Bohlen unter ihren Füßen, bis schließlich erneut die verfallenen Hütten der Torfstecher vor ihnen auftauchten. Diese Nacht pfiff ein kalter Wind über das Moor. Sie kauerten sich unter einen Unterstand, in respektvollem Abstand zum Haupthaus. Tondar hielt die erste Wache. Dann Keldi. Es musste gegen Mitternacht gewesen sein, als ein Schlurfen zwischen den Hütten erklang. Keldi griff sofort nach seiner Axt, halb in Erwartung, die Zombies hätten sich doch noch aus dem Haus befreit. Doch aus der Dunkelheit kamen keine Zombies. Es waren Ghule. Keldi stieß einen Warnruf aus und hob die Axt. Zombies, Ghule — was machte es für einen Unterschied, als was die Verschollenen des Sumpfes zurückkehrten...

Kurz vor Morgengrauen wurden sie noch einmal von einigen Zombies aufgeschreckt. Danach verließen sie den ungastlichen Ort endgültig. Es war noch dunkel. Sie orientierten sich am Wasserlauf. Der Turm des Magiers solle sich auf einer Insel befinden. Althea ließ eine kleine Leuchtkugel entstehen, die ihnen notdürftig den Weg über die Bohlen erhellte.

Jemandem jenseits des Moores mochte das Licht wie eines jener Sumpflichter erschienen sein.

Sie querten einen Wasserlauf über eine morsche Bohlenbrücke und gelangten schließlich in immer dichtere Schilfgebiete. Dann öffnete sich vor ihnen eine große Wasserfläche. Still lag der kleine See zwischen sumpfigen Ufern. Über Stunden umrundeten sie ihn. Schwüle Hitze hing über dem Wasser, dazu Wolken aus Insekten. Immer wieder spähten sie hinaus über Schilf und Wasserflächen, bis Tondar plötzlich innehielt.

"Ein dunkler Schatten... dort." Keldi kratzte sich missmutig am Hals. "Bist du sicher, dass das keine besonders dichte Wolke Fliegen ist?" Sie gingen weiter. Und tatsächlich erhob sich dort draußen etwas aus dem Wasser. Die Zwerge sahen sich unbehaglich an. "Nichts, um ein Floß zu bauen." Keldi hob die Hände. "Wenn wir die Bohlen nehmen, verbauen wir uns den Rückweg. Wenn das Holz überhaupt noch schwimmt..." Tondar schabte mit der Stiefelspitze Schleim von den Bohlen. Althea trat an das Geländer und prüfte mit ihrem Stab die Tiefe des Wassers.

"Schwimmen."

Die Zwerge starrten sie entgeistert an. "Da rein?" "Mit dem Kettenhemd?" "Das gibt sofort drei Zombies mehr..."

Am Ende blieb Tondar am Ufer zurück und bewachte die schwere Ausrüstung. Althea watete voran ins Wasser, während Keldi und Hurdin hinter ihr durch den Morast stapften und schließlich schwer atmend Richtung Seemitte hinausschwammen. Am anderen Ufer wartete Althea bereits, als die beiden Zwerge fluchend und Wasser spuckend aus dem See stiegen.

Die Insel war kaum groß genug, um den Turm zu tragen. Althea fühlte sich unwillkürlich an die einsamen Leuchttürme auf vorgelagerten Felsen der thorwalschen Küste erinnert. Vor ihnen erhob sich ein schweres Portal mit reich verzierten Beschlägen. Doch bevor sie eintraten, umrundete Althea den Turm einmal langsam und ließ die Hand über den rauen Stein gleiten. Dann blickten sie sich schweigend an. Keldi und Hurdin legten die Hände gegen die schweren Türflügel.

Mit dumpfem Knarren öffnete sich das Portal.

Und sie traten ein.
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Zwerge am Svellt - von Althea - 19.04.2026, 08:26
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