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Zwerge am Svellt
#23
Zwerge am Svellt #23

Sie marschierten schweigend und folgten einem schmalen Pfad, der sie jenseits der Wälder hinunter zum Lowanger Svellt führte. Vor ihnen tauchte ein dunkler Streifen Vegetation auf, feucht und reglos in der Mittagshitze. Schließlich stiegen sie durch ein flaches Kiesbett im Lowanger Svellt. "Da soll ein Drache durchkommen?" brummte Keldi und blickte den trägen Flusslauf entlang. Am westlichen Ufer gingen die flachen Kiesbänke unmittelbar in weite Schilfflächen über. Der Pfad bog ab und verwandelte sich bald in einen schlecht erhaltenen Bohlenweg, kaum breit genug für einen Handkarren.

"Es gilt..." Keldi zurrte sein Gepäck fester. "Das erinnert mich an die Hochebene im Steineichenwald..." meinte Althea leise und nahm ihren Stab in die Armbeuge. "Hoffentlich ist dieser Sumpf nicht gar so hungrig..." Hurdin blickte kurz zu ihr hinüber. 'Small Talk ist wohl aus', dachte Althea. Sie liebte alle Zwerge, aber Furka waren sie nicht.

Die Bohlen unter ihren Stiefeln knarrten und schwankten leicht. Zu beiden Seiten erstreckte sich dunkler Morast, in dem es gelegentlich blubberte oder kleine Luftblasen aufstiegen. Vor ihnen verliefen die Stege scheinbar endlos durch eine karge Moorlandschaft. Nur vereinzelt klammerten sich kleine Sträucher oder verkrüppelte Bäume an aus dem Sumpf ragende Felsen.

Je weiter sie vordrangen, desto stickiger wurde die Luft. Nach kaum einer halben Stunde brach der Sumpf plötzlich los.

Eine Horde affenartiger Wesen sprang kreischend aus dem Morast hervor. Althea, Keldi und Hurdin wurden auf den schmalen Bohlen zusammengedrängt und kämpften Rücken an Rücken, während Tondar einen Teil der heranstürmenden Kreaturen aufhielt, dann zur Seite sprang und begann, den Kampf von außen mit Bolzen einzudecken. Trotz der Bemühungen der beiden Zwerge drangen einige der Wesen bis zu Althea durch. Sie hielt sie mit dem Stab auf Abstand, duckte sich unter schlagenden Armen hinweg und schleuderte Feuer nach links und rechts. Die schwüle Luft erfüllte sich mit Rauch, Kreischen und dem Geruch verbrannten Fells.

Am Ende standen sie keuchend zwischen den schwankenden Bohlen, während Tondars Armbrust noch immer in die Richtung zeigte, in der der letzte der Angreifer im Sumpf verschwunden war.

Nach kurzem Sammeln verloren sie sich erneut zwischen den Bohlenwegen. Ein Weg endete plötzlich vor einem schwarzen Sumpfloch. An anderer Stelle stützte sich Tondar an einem Geländer ab und hielt einen Moment später das morsche Holzstück in der Hand.

Es ging weiter nach rechts. Dann noch einmal nach rechts.

Irgendwann tauchten in der Ferne einige Dächer auf. Der kleine Weiler lag auf einer etwas erhöhten Fläche zwischen Moor und Torfstichen. Stufenartig bearbeitete Abbauflächen zogen sich durch das sumpfige Gelände, doch nirgendwo war ein Mensch zu sehen. Sie drückten sich gegen die Tür des größten Hauses. "Ist hier jemand?" rief Althea in die Dunkelheit.

Aus den hinteren Räumen antwortete nur ein schleifendes Geräusch. Dann schälten sich einige Zombies aus dem Schatten. Nichts, womit ein paar Zwergenäxte nicht fertig wurden. Doch als aus den Tiefen des Hauses weiteres Rascheln und Schlurfen drang, wichen sie zurück. Hurdin verbarrikadierte die Tür von außen. "Dann können sie da drinnen machen, was sie wollen."

Sie durchsuchten die umliegenden Schuppen und mit Häuten abgedeckten Lager. In einem kleinen Wandschrank fand Althea einige feuchte Pergamente und Zeichnungen. Etwas abseits des Haupthauses rasteten sie kurz. "Die Wesen waren wohl die Sumpfrantzen, von denen der Wirt gesprochen hat..." Althea hielt ein Pergament mit einer kruden Zeichnung empor. "Hier steht, sie seien irgendwie mit dem Sumpf verbunden... und etwas von Heidekraut..." Sie ließ das Blatt wieder sinken.

Die Zwerge schwiegen. Keldi nickte nur knapp.

Danach verloren sich die Stunden endgültig im Sumpf. Allerlei Getier lauerte zwischen den Bohlen und im Schilf. Immer wieder musste Tondar zurückweichen oder den Dolch ziehen, um Schlangen und anderes Gewürm fernzuhalten.

Doch irgendwann erwischte ihn eine Schlange doch.

Das Tier flog zischend zurück ins Wasser, während Tondar zusammengesunken auf den Bohlen kauerte und ihm der Schweiß auf die Stirn trat. Althea wühlte hektisch in der Kräutertasche herum. Keldi suchte unter seinem Umhang und zog schließlich eine der glitzernden Phiolen hervor, die sie in Gashok erworben hatten. Tondar bekam sichtbar einen kurzen Schub davon, krümmte sich aber kurz darauf erneut zusammen. Erst eine zweite Phiole brachte schließlich Wirkung. Nach einigen Minuten kam Tondar wieder auf die Beine. "Ohne Archon ist das gar nicht so einfach..." murmelte Althea leise.

Der Sumpf zog sich. Die Bohlenwege verliefen mal nach links, mal nach rechts, verschwanden plötzlich im Morast oder führten in Sackgassen. "Ich habe das Gefühl, wir gehen seit Stunden im Kreis..." sagte Althea irgendwann erschöpft. "Ein Bohlenweg sieht aus wie der andere..." Niemand widersprach ihr.

Am späten Nachmittag steuerten sie auf eine kleine Erhebung zu, die mit dichtem Gestrüpp bewachsen war. Der federnde Moorboden ging dort langsam in versandete Anhöhen über. Hinter einer Kuppe fanden sie einen halb versunkenen Karren. Die Vorräte darauf wirkten noch frisch. Doch von den Besitzern fehlte jede Spur. "Der Sumpf schluckt Spuren schneller als sie entstehen..." sagte Tondar nur. Sie wechselten schweigend Blicke.

Als die Sonne den Horizont rot färbte, errichteten sie auf der Anhöhe im Schutz des Gestrüpps ihr Lager. Ringsum zirpten unablässig Insekten. Hin und wieder durchschnitt der Ruf eines Wasservogels die drückende Abendluft. Mit dem Wasser gingen sie inzwischen sparsam um. Trinkbares hatten sie bislang keines gefunden. Tondar übernahm die erste Wache, die Armbrust über der Schulter, während die anderen sich erschöpft niederlegten.

Mitten in der Nacht erwachte Althea plötzlich. Schlaftrunken blickte sie in die völlige Finsternis hinaus. Dann glomm irgendwo in der Ferne ein kleines Licht auf. Es verschwand wieder. Kurz darauf erschienen weiter links zwei weitere. Althea starrte einen Moment in die Dunkelheit.

Dann übermannte sie erneut die Müdigkeit.
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Zwerge am Svellt - von Althea - 19.04.2026, 08:26
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