13.05.2026, 08:31
Zwerge am Svellt #22
Die Wachen musterten sie misstrauisch durch eine kleine Öffnung, bis Althea die Worte wiederholte, die ihnen die Schwarze Jandora genannt hatte. "Den Hof kehren..." Kurze Blicke wurden gewechselt. Dann öffnete sich das Tor einen Spalt weit und sie wurden in die Festung eingelassen. Die Fluchtburg wirkte nüchtern und funktional. Keine Zierden, keine Banner, keine offenen Feuerstellen, an denen gesprochen oder gelacht wurde. Männer und Frauen in grauen Roben oder einfachen Waffenröcken gingen schweigend ihren Aufgaben nach. Alles wirkte angespannt, aber geordnet. Lowangen hielt noch stand.
Nachdem man ihnen etwas Wasser gereicht hatte, führte man sie über enge Treppen und durch niedrige Gänge zu Meister Eolan. Der Weißhaarige empfing sie in einer kleinen Kammer, in der sich Pergamente und Karten stapelten. Sein Blick war wach und prüfend. Sie erklärten ihr Anliegen. Eolan hörte schweigend zu. Dann eröffnete er ihnen den Preis.
Ein verschollener Mann namens Agdan Dragenfeld müsse aus den Sümpfen zurückgebracht werden. Zwei der Gruppe würden als Pfand in der Fluchtburg verbleiben, bis die anderen mit dem Gesuchten nach Lowangen zurückkehrten. Erst dann könne die gesamte Gruppe die Stadt verlassen.
Für einen Moment sagte niemand etwas.
Furka hob an zu reden, doch Althea hob die Hand. "Gibt es denn keine andere Möglichkeit? Wir haben Gold..."
Meister Eolan schaute sie nur prüfend an.
Sie drehte sich langsam zu ihren Begleitern um. "Ich... Wir..." "Ich könnte das ein oder andere Schläfchen gebrauchen..." meinte Archon und hielt sich die Hand vor den Mund. Furka war rot angelaufen. "Ich... Sie..." platzte es aus ihm heraus. Dann blickte er an Althea vorbei zu Eolan hinüber. "Gibt es hier wenigstens was zu Essen?" Eolan nickte knapp. Furka entspannte sich augenblicklich, wurde dann aber wieder ernst.
"Wirst du das schaffen, Mädchen?" Althea schluckte. "Es ist nur ein Tag bis zu Keldi und den anderen..." sagte Archon ruhig.
"Wenn ihr entschieden seid..." Meister Eolan hielt einen alt wirkenden Schlüssel hoch.
Althea umarmte die beiden Zwerge vielleicht ein wenig zu lange. Dann wandte sie sich gemeinsam mit Meister Eolan einer Treppe zu, die tief unter die Festung führte. Das letzte, was sie hörte, war Furkas Stimme: "Dann aber ein Bier, und zwar sofort!" Dann verschwanden ihre Schritte im Dunkel.
Der Gang unter der Fluchtburg war alt. Sehr alt. Feuchtigkeit rann an den Wänden herab und irgendwo tropfte Wasser in gleichmäßigem Rhythmus. Althea ließ eine kleine Lichtkugel über ihrer Handfläche entstehen und folgte Meister Eolan tiefer in den Stollen hinein. Irgendwann blieb der Weißhaarige stehen, deutete schweigend nach vorne und verschloss hinter ihr die schwere Tür.
Althea blickte nicht zurück.
Sie schritt allein weiter durch den langen Tunnel, bis sie in der Ferne Licht erkannte. Dann brüchiges Mauerwerk zwischen Ranken. Und schließlich den Himmel. Sie trat hinaus in den verfallenen Hof der Ruine Svelltstein, weit vor Lowangen. Die ehemalige Festung lag auf einer Klippe inmitten dichter Wälder südöstlich der Stadt. Mauern und Türme waren von Gestrüpp überwuchert, der hohe Turm wirkte zu brüchig, um ihn noch zu betreten. Zwischen den Steinen wuchsen kleine Bäume.
Althea verweilte nur kurz. Dann verließ sie die Ruine und stieg hinab zu einem alten Waldweg, der kaum noch genutzt aussah und sich durch den Wald zog. Sie wandte sich gen Norden. Erst nach einiger Zeit erkannte sie zwischen den Bäumen die verlassene Straße wieder, auf der sie wenige Tage zuvor nach Lowangen gelangt waren. Eine Weile beobachtete sie schweigend die leere Trasse, dann fasste sie all ihren Mut zusammen und machte sich auf den Weg Richtung Neulowangen. Wenn möglich hielt sie sich abseits der Straße zwischen Feldern und Böschungen. Jeder Schatten ließ sie zusammenzucken.
Doch nichts geschah. Noch vor Sonnenuntergang tauchten vor ihr die Wälder um Neulowangen auf. Dann das kleine Städtchen selbst.
Sie rannte beinahe die letzten Schritte über den zentralen Platz und stolperte durch die Tür der Herberge Sonne. Gespräche verstummten. Der Wirt und einige Gäste starrten sie an — ungewaschen, staubbedeckt und erschöpft. Dann erkannte der Wirt sie. Einen Augenblick später polterten schwere Zwergenstiefel die Treppe hinunter.
"Da seid ihr wieder! Was bei Ingerimm..." Keldi blickte sofort zur Tür, als erwarte er Furka und Archon hinter ihr. Hurdin half Althea wortlos auf einen Stuhl und drückte ihr einen Krug Wasser in die Hand, den sie gierig leerte. "Wo sind die anderen?" fragte Tondar vom Treppenabsatz. "Noch in Lowangen..." antwortete Althea leise.
Dann erzählte sie die Geschichte. Während sie sprach, wurden Keldis Knöchel weiß.
Später wusch Althea sich im Hinterzimmer den Staub der Straße vom Körper und wechselte in frische Kleidung, die Hurdin ihr hinuntergebracht hatte. Als sie wieder in die Gaststube trat, ließ sie gerade den Mondscheibenanhänger unter den Kragen gleiten und warf den Elfenumhang über die Schulter zurück. Zum ersten Mal seit Tagen fühlte sie sich beinahe wieder wie ein Mensch.
Sie besprachen alles bei einem warmen Abendessen, das Althea vorkam wie das beste Mahl ihres Lebens. Danach sichteten sie schweigend ihre Ausrüstung. Keldi hätte ihr gerne einen weiteren Tag Ruhe gegönnt, doch Althea blieb entschlossen. "Wir müssen die beiden dort rausholen."
Am nächsten Morgen saßen die Zwerge bereits bei einem kräftigen Frühstück, als Althea von der Theke zurückkehrte. "Ich habe alles geklärt. Der Wirt verwahrt unser restliches Gepäck im Hinterzimmer. Vierzehn Tage. Bis dahin sollten wir zurück sein..."
Kurze Zeit später verließen sie Neulowangen Richtung Norden. Tondar ging wie immer voran. Keldi und Hurdin hatten Althea zwischen sich genommen. Leder knarzte. Kettenhemden klirrten.
Und während sie der Straße zum Sumpf folgten, dachte Althea: 'Und so sind wir im Krieg...'
Die Wachen musterten sie misstrauisch durch eine kleine Öffnung, bis Althea die Worte wiederholte, die ihnen die Schwarze Jandora genannt hatte. "Den Hof kehren..." Kurze Blicke wurden gewechselt. Dann öffnete sich das Tor einen Spalt weit und sie wurden in die Festung eingelassen. Die Fluchtburg wirkte nüchtern und funktional. Keine Zierden, keine Banner, keine offenen Feuerstellen, an denen gesprochen oder gelacht wurde. Männer und Frauen in grauen Roben oder einfachen Waffenröcken gingen schweigend ihren Aufgaben nach. Alles wirkte angespannt, aber geordnet. Lowangen hielt noch stand.
Nachdem man ihnen etwas Wasser gereicht hatte, führte man sie über enge Treppen und durch niedrige Gänge zu Meister Eolan. Der Weißhaarige empfing sie in einer kleinen Kammer, in der sich Pergamente und Karten stapelten. Sein Blick war wach und prüfend. Sie erklärten ihr Anliegen. Eolan hörte schweigend zu. Dann eröffnete er ihnen den Preis.
Ein verschollener Mann namens Agdan Dragenfeld müsse aus den Sümpfen zurückgebracht werden. Zwei der Gruppe würden als Pfand in der Fluchtburg verbleiben, bis die anderen mit dem Gesuchten nach Lowangen zurückkehrten. Erst dann könne die gesamte Gruppe die Stadt verlassen.
Für einen Moment sagte niemand etwas.
Furka hob an zu reden, doch Althea hob die Hand. "Gibt es denn keine andere Möglichkeit? Wir haben Gold..."
Meister Eolan schaute sie nur prüfend an.
Sie drehte sich langsam zu ihren Begleitern um. "Ich... Wir..." "Ich könnte das ein oder andere Schläfchen gebrauchen..." meinte Archon und hielt sich die Hand vor den Mund. Furka war rot angelaufen. "Ich... Sie..." platzte es aus ihm heraus. Dann blickte er an Althea vorbei zu Eolan hinüber. "Gibt es hier wenigstens was zu Essen?" Eolan nickte knapp. Furka entspannte sich augenblicklich, wurde dann aber wieder ernst.
"Wirst du das schaffen, Mädchen?" Althea schluckte. "Es ist nur ein Tag bis zu Keldi und den anderen..." sagte Archon ruhig.
"Wenn ihr entschieden seid..." Meister Eolan hielt einen alt wirkenden Schlüssel hoch.
Althea umarmte die beiden Zwerge vielleicht ein wenig zu lange. Dann wandte sie sich gemeinsam mit Meister Eolan einer Treppe zu, die tief unter die Festung führte. Das letzte, was sie hörte, war Furkas Stimme: "Dann aber ein Bier, und zwar sofort!" Dann verschwanden ihre Schritte im Dunkel.
Der Gang unter der Fluchtburg war alt. Sehr alt. Feuchtigkeit rann an den Wänden herab und irgendwo tropfte Wasser in gleichmäßigem Rhythmus. Althea ließ eine kleine Lichtkugel über ihrer Handfläche entstehen und folgte Meister Eolan tiefer in den Stollen hinein. Irgendwann blieb der Weißhaarige stehen, deutete schweigend nach vorne und verschloss hinter ihr die schwere Tür.
Althea blickte nicht zurück.
Sie schritt allein weiter durch den langen Tunnel, bis sie in der Ferne Licht erkannte. Dann brüchiges Mauerwerk zwischen Ranken. Und schließlich den Himmel. Sie trat hinaus in den verfallenen Hof der Ruine Svelltstein, weit vor Lowangen. Die ehemalige Festung lag auf einer Klippe inmitten dichter Wälder südöstlich der Stadt. Mauern und Türme waren von Gestrüpp überwuchert, der hohe Turm wirkte zu brüchig, um ihn noch zu betreten. Zwischen den Steinen wuchsen kleine Bäume.
Althea verweilte nur kurz. Dann verließ sie die Ruine und stieg hinab zu einem alten Waldweg, der kaum noch genutzt aussah und sich durch den Wald zog. Sie wandte sich gen Norden. Erst nach einiger Zeit erkannte sie zwischen den Bäumen die verlassene Straße wieder, auf der sie wenige Tage zuvor nach Lowangen gelangt waren. Eine Weile beobachtete sie schweigend die leere Trasse, dann fasste sie all ihren Mut zusammen und machte sich auf den Weg Richtung Neulowangen. Wenn möglich hielt sie sich abseits der Straße zwischen Feldern und Böschungen. Jeder Schatten ließ sie zusammenzucken.
Doch nichts geschah. Noch vor Sonnenuntergang tauchten vor ihr die Wälder um Neulowangen auf. Dann das kleine Städtchen selbst.
Sie rannte beinahe die letzten Schritte über den zentralen Platz und stolperte durch die Tür der Herberge Sonne. Gespräche verstummten. Der Wirt und einige Gäste starrten sie an — ungewaschen, staubbedeckt und erschöpft. Dann erkannte der Wirt sie. Einen Augenblick später polterten schwere Zwergenstiefel die Treppe hinunter.
"Da seid ihr wieder! Was bei Ingerimm..." Keldi blickte sofort zur Tür, als erwarte er Furka und Archon hinter ihr. Hurdin half Althea wortlos auf einen Stuhl und drückte ihr einen Krug Wasser in die Hand, den sie gierig leerte. "Wo sind die anderen?" fragte Tondar vom Treppenabsatz. "Noch in Lowangen..." antwortete Althea leise.
Dann erzählte sie die Geschichte. Während sie sprach, wurden Keldis Knöchel weiß.
Später wusch Althea sich im Hinterzimmer den Staub der Straße vom Körper und wechselte in frische Kleidung, die Hurdin ihr hinuntergebracht hatte. Als sie wieder in die Gaststube trat, ließ sie gerade den Mondscheibenanhänger unter den Kragen gleiten und warf den Elfenumhang über die Schulter zurück. Zum ersten Mal seit Tagen fühlte sie sich beinahe wieder wie ein Mensch.
Sie besprachen alles bei einem warmen Abendessen, das Althea vorkam wie das beste Mahl ihres Lebens. Danach sichteten sie schweigend ihre Ausrüstung. Keldi hätte ihr gerne einen weiteren Tag Ruhe gegönnt, doch Althea blieb entschlossen. "Wir müssen die beiden dort rausholen."
Am nächsten Morgen saßen die Zwerge bereits bei einem kräftigen Frühstück, als Althea von der Theke zurückkehrte. "Ich habe alles geklärt. Der Wirt verwahrt unser restliches Gepäck im Hinterzimmer. Vierzehn Tage. Bis dahin sollten wir zurück sein..."
Kurze Zeit später verließen sie Neulowangen Richtung Norden. Tondar ging wie immer voran. Keldi und Hurdin hatten Althea zwischen sich genommen. Leder knarzte. Kettenhemden klirrten.
Und während sie der Straße zum Sumpf folgten, dachte Althea: 'Und so sind wir im Krieg...'

