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Zwerge am Svellt
#15
Zwerge am Svellt #15

Am nächsten Tag überquerten sie die letzte Bucht des Forstes. Der Schatten der Bäume wich zurück, und vor ihnen lag endloses Grasland — weit, offen, ohne Grenze. Im Norden jedoch standen sie, fern und doch unübersehbar: die Salamandersteine.

Sie zogen sich von West nach Ost, bis hinüber zur Roten Sichel, ein gewaltiger Wall aus Fels, der das Mittelreich von den nördlichen Wäldern und Ebenen trennte. In ihrem Kern türmten sich Gipfel von solcher Höhe, dass Schnee und Eis sie das ganze Jahr über hielten. Darunter lag ein Gürtel aus Wald, dicht und alt, der erst zur Schneegrenze hin in dunklen Nadelwald überging. Es war ein Anblick, der nicht nur Raum, sondern Zeit trug — und während die Schatten der Gipfel mit dem Lauf der Sonne wanderten, wirkte es, als läge unter allem etwas Älteres, Unverrückbares.

Althea deutete mit einem leichten Grinsen nach Norden. "Da vorne gibt es noch mehr Elfen, Furka… Aber andere als die, die wir gerade verlassen haben."
Furka schnaubte nur.

Sie rasteten am Abend mitten in der Ebene. Am nächsten Tag ging es weiter, und mit jedem Schritt lag die Hitze schwerer auf ihnen. Seit sie den Wald verlassen hatten, hatte die Sonne keine Gnade gekannt. Der Weg war kaum mehr als ein staubiger Karrenpfad, der sich durch das Gras zog, als wüsste er selbst nicht recht, wohin er führte. Hie und da standen Bauminseln, flache Schatten in der Weite, doch sie boten kaum mehr als einen Moment der Erleichterung.

Am dritten Tag wurde das Land sumpfig. Zur Rechten dehnten sich Wasserflächen aus, eingefasst von Schilf und Reet, flach und träge.
"Kein gutes Wasser hier", stellte Tondar fest, während sie daran vorbeizogen. Die Vorräte begannen unter der Hitze zu schwinden, und die Moskitos machten jede Rast zu einer Geduldsprobe. Selbst Keldis Fackel hielt sie kaum fern.

Tags darauf schoben sich Wolkenstreifen vor die Sonne, doch die Hitze blieb, als hätte sie sich im Boden festgesetzt. Irgendwann leerten sie ihre letzten Schläuche. Althea musste unwillkürlich an Erzählungen aus der Khom denken, doch so weit kam es nicht.

Denn dann lag es vor ihnen.

Die Salamandersteine waren nicht plötzlich da — sie waren gewachsen, Stunde um Stunde, Schritt für Schritt. Nun standen sie nahe, Wälder aus Baumkronen zu ihren Füßen, darüber graugrüner Fels, der sich in den Himmel schob.
'Man fühlt sich klein in Gegenwart dieser Größe', dachte Althea.

Ihr Weg führte nach Osten, hinein in den Wald, wo der Karrenpfad begann, sich den Hang hinaufzuwinden. Irgendwo dort oben musste Aumond liegen.

Am Abend rasteten sie an einem Bachlauf, der aus dem Gebirge kam. Das Wasser war kalt und klar, und sie tranken lange.

Am nächsten Tag folgten sie dem Pfad weiter bergauf. Der Himmel war bedeckt, und im Laufe des Vormittags zogen sich die Wolken enger zusammen, bis die Gipfel kaum noch vom Grau darüber zu unterscheiden waren. Die Luft wurde schwer, der Wind drehte, und ohne Vorwarnung brach das Gewitter los.

Ein fernes Grollen, dann Regen — hart, plötzlich, unnachgiebig. Binnen Augenblicken waren sie durchnässt. Wasser schoss über den Pfad, rann in Strömen den Hang hinunter, und zwischen den Felswänden hallte der Donner wider, als würde das Gebirge selbst antworten.

Sie kämpften sich weiter, suchten Schutz und fanden ihn schließlich unter einem Felsüberhang. Dort drängten sie sich zusammen, in ihre Umhänge gehüllt, während der Sturm über ihnen tobte. Schlaf fanden sie kaum. Erst weit nach Mitternacht ließ der Regen nach.

Am Morgen war die Welt verändert. Tropfende Felsen, feuchte Erde, klare Luft. Die Sonne brach durch die letzten Wolkenreste und fiel auf Zwerge, die schweigend ihre Sachen ordneten.

Sie setzten den Weg fort. Der Pfad führte weiter bergauf, über nassen Boden und durch Wälder, in denen das Wasser noch von den Blättern fiel. Felswände glänzten im Licht, und der Wald wirkte ruhiger, als hätte das Gewitter ihn gereinigt.

Am Nachmittag öffnete sich das Tal.

Zwischen den Bäumen lag etwas, das sich nicht sofort als Ort erkennen ließ — nur ein anderes Muster, ein anderer Rhythmus im Wald. Erst bei genauerem Hinsehen wurde daraus eine Hütte, dann eine zweite.

Aumond zeigte sich nicht, es ließ sich entdecken.

Die Hütten lagen zwischen den Bäumen, ohne sie zu verdrängen. Wege zeichneten sich nur durch Nutzung ab, nicht durch Abnutzung. Ranken führten hinauf in die Kronen, zu weiteren Behausungen, leicht und geflochten, als gehörten sie mehr zum Wald als zu den Bewohnern.

Als sie die Mitte erreichten, trat eine Elfe aus dem Halbschatten. Groß, schlank, ruhig. Hinter ihr bewegten sich andere, kaum sichtbar, mehr Wahrnehmung als Gestalt.

Man wies ihnen eine kleine Lichtung zu.

Der Nachmittag verging leise. Als die Dunkelheit fiel, begannen Lichter zu erscheinen — zuerst am Boden, zwischen den Bäumen, dann höher, in den Kronen. Reihen von Licht, die sich im Wald verloren und über ihnen fortsetzten.

Althea sah hinauf. *Wie doch die Welt funktioniert*, dachte sie. Laut sagte sie: "Ist es euch aufgefallen? Sie sagte, der Salamanderstein wäre im Besitz der Elfen… Artherion sprach von Ingerimm und Obhut."
Archon nickte nur.
Furka schnaubte. "Elfen… was wissen die schon."

Sie wurden still.

Dann eine Stimme: "Heda!"

Ein Mensch trat ins Licht, bunt gekleidet, mit einer Laute auf dem Rücken. Ein Gaukler, der die Salamandersteine bereiste, um den mehrstimmigen Gesang der Elfen zu ergründen. Sie teilten ein Mahl, und er erzählte — von Wegen, die nicht auf Karten standen, von Orten, die nur durch Geschichten existierten, von Übergängen, die man erkennen musste, um sie überhaupt zu sehen.

Als die Nacht verging, wussten sie mehr über diese Gegend, als jeder Weg ihnen hätte zeigen können.

Am nächsten Morgen war der Ort still.

Sie verabschiedeten sich knapp, ohne große Worte, und nahmen den Weg zurück — hinunter zur Ebene.
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Zwerge am Svellt - von Althea - 19.04.2026, 08:26
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RE: Zwerge am Svellt - von Althea - Vor 9 Stunden



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