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Zwerge am Svellt
#14
Zwerge am Svellt #14

Der Himmel war bedeckt, die Luft kühl und ruhig, und der Weg unter ihren Stiefeln federte weich. Sie kamen gut voran, erreichten den Waldsaum am Nachmittag und rasteten an der vertrauten Stelle, wo der überwucherte Pfad wieder in die Tiefe des Waldes führte.

Furka hockte am Feuer, schnitzte an einem Stück Holz und ließ die Späne achtlos ins Gras fallen. "Ich weiß nicht, was schlimmer ist, Gashok unter dem Namenlosen, oder Gashok unter Praios…", murmelte er schließlich. "Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal erleichtert sein würde, im Wald zu nächtigen…"
Althea sah einen Moment in die Flammen, bevor sie antwortete. "Wir müssen den guten Bürgern Gashoks…" sie stockte kurz, "… etwas Zeit geben. Vielleicht wäre es ganz gut, wenn wir eine Weile verschwänden."
Keldi nickte nur leicht. "Die Salamandersteine sollen schön sein um diese Jahreszeit."

Die Nacht war ruhig. Althea schlief tief, tiefer als seit Tagen. Es war, als würde der Boden selbst sie tragen, als würde die Spannung der letzten Wochen mit jeder Stunde ein wenig mehr aus ihr weichen.

Am nächsten Morgen drangen sie tiefer in den Wald ein. Sonnenlicht fiel in schmalen, goldenen Streifen durch das Blätterdach und ließ den Waldboden in einem sanften, beinahe friedlichen Licht erscheinen. Der Ort wirkte weniger fremd als zuvor, weniger verwunschen – fast, als hätte er beschlossen, sie diesmal gewähren zu lassen.

Gegen Mittag erreichten sie die Lichtung. Artherion stand dort, wo sie ihn erwarteten, doch diesmal war sein Bogen nicht gespannt. Hinter ihm bewegten sich andere Gestalten, leise, kaum mehr als Schatten zwischen den Bäumen.

Er wies sie zu einigen grob behauenen Baumstämmen vor einer niedrigen Hütte. Das Gespräch begann ohne Einleitung.

Was aus ihm kam, war keine Geschichte mehr, sondern Wissen. Über den alten Bund zwischen Elfen und Zwergen, über Zeiten, in denen beide Völker einander nicht fremd gewesen waren. Er sprach von Wegen durch die Salamandersteine, die nicht in Karten verzeichnet waren, von Orten, die nur denen offenstanden, die sie nicht suchten.

Und dann, beinahe beiläufig, sprach er vom Finsterkamm.

Von Zwergenstädten tief unter dem Fels, von Stollen, die sich über Meilen durch das Gebirge zogen, von Hallen, die größer waren als alles, was ein Mensch je gesehen hatte. Er nannte Namen, die den Zwergen vertraut waren, und solche, die selbst bei ihnen nur als Gerücht galten.
"Ihr habt eure Welt nicht verlassen", sagte er ruhig, "ihr habt sie nur verlegt."

Hurdin hatte währenddessen kaum gesprochen, seine Hand spielte mit dem Blatt seiner Axt. Keldi hörte schweigend zu, Stirn leicht gerunzelt, als würde er jeden einzelnen Satz gegen das prüfen, was er selbst wusste. Furka schnaubte gelegentlich, doch selbst er unterbrach nicht.

Als das Gespräch endete, verschwand Artherion in seiner Hütte. Die Lichtung wurde wieder still.

Althea stand auf, streckte sich und ließ den Blick über die Siedlung schweifen. Die Hütten schienen mehr gewachsen als gebaut, leicht und offen, aus Holz, das seine Rinde noch trug. In den Bäumen darüber hingen weitere Behausungen, geflochten aus Matten, kaum mehr als Schatten zwischen den Blättern.
"Aber was weiß ich schon über die Lebensweise der Auelfen…", murmelte sie leise.

Als sie sich umdrehte, trat Artherion wieder aus der Hütte. Über dem Arm trug er ein schimmerndes Gehänge, daran ein Schwert von klarer, beinahe kalter Schönheit. In der anderen Hand hielt er den Langbogen.

"Nehmt dies", sagte er ruhig. "Als Zeichen meines Danks. Ich brauche es nicht mehr… ich habe genug Leid gesehen."

Die Zwerge traten näher, betrachteten die Klinge, ihre Linien, das Spiel des Lichts auf dem Metall. Althea hingegen ließ den Blick kaum vom Bogen. Sie strich mit den Fingern über das glatte Holz, spürte die Spannung darin, die Ruhe.

Sie blieben über Nacht. Wieder schlief Althea tief, fast schwerelos, als würde der Wald selbst ihr die Kraft zurückgeben, die sie verloren hatte.

Am nächsten Morgen war Artherion verschwunden.

Sie brachen auf, folgten dem Pfad zurück durch den Wald, bis das Blätterdach sich lichtete und sie am Abend den Waldrand erreichten. Dort schlugen sie ihr Lager auf.

Das Feuer brannte ruhig. Der Wind ging leicht durch die Wipfel. Furka saß wie so oft mit dem Messer in der Hand, schnitzte gedankenlos weiter, bis ihm die Augen zufielen. Er lehnte sich gegen einen Baum, der Schlaf kam schnell – und mit ihm Bilder von zwei Elfen, die lautlos zwischen den Stämmen glitten.

Archon erwachte.

Goblins.

Fast ein Dutzend.

Er war im nächsten Moment auf den Beinen, riss Furka grob aus dem Schlaf. "Auf!"
Althea war bereits wach, ein Blick genügte, um die Lage zu erfassen. Sie lief zum Feuer, während Furka taumelnd neben sie trat.

Hurdin warf sich ohne Zögern nach vorn, noch halb im Schlaf, direkt in die angreifende Meute hinein. Zwei Goblins wurden von seiner Wucht zu Boden gerissen, noch bevor sie ihre Waffen richtig heben konnten.

Althea trat vor, ruhig, Schritt für Schritt, und hob die Hand. Der erste Fulminictus riss durch die Dunkelheit, traf die vorderste Reihe der Angreifer und schleuderte sie auseinander.

Tondar kam mit dem Dolch in der Hand hoch, kaum dass der erste Schlag gefallen war. Drei Goblins waren bei ihm, zu nah, zu schnell. Er wich zurück, hielt sie auf Distanz.

Furka schloss zu Althea auf, sicherte ihre Seite, während sie den nächsten Zauber wirkte. Ein weiterer Blitz fuhr in die Gruppe vor Tondar, riss Lücken, brachte die Angreifer ins Wanken.

Hurdin war inzwischen in einem Knäuel aus Körpern verschwunden. Seine Axt fuhr nach links und rechts, schwer, unaufhaltsam. Goblins fielen oder wichen zurück, suchten Abstand, fanden keinen.

Keldi kam hoch, noch benommen, doch kaum stand er, war er da. Er stellte sich an Hurdins Seite, die beiden Rücken an Rücken, die Bewegungen abgestimmt, als hätten sie nie etwas anderes getan.

Ein Goblin löste sich aus dem Kampf, wollte fliehen. Tondar trat einen Schritt zurück, griff nach der Skraja und stellte sich ihm entgegen. Kein Hast, kein Zorn – nur Präzision. Ein Schlag, sauber geführt.

Auf der anderen Seite brachen Keldi und Hurdin den Widerstand endgültig. Zwei, drei schnelle Hiebe, dann war es vorbei.

Stille kehrte zurück, abrupt, fast unwirklich.

Keldi wischte seine Axt an der Fellweste eines der Gefallenen ab. "Die müssen hier gelauert haben… Das Feuer…"
Tondar prüfte die Klinge seiner Skraja, nickte kaum merklich.
Hurdin sah zu Althea hinüber, die die Hand sinken ließ.

"Noch keine Orks in Gashok", sagte Keldi langsam, "aber Goblins sickern schon durch…"

Althea setzte sich auf einen Stein, atmete ruhig aus. "Goblins treiben sich immer in den Leerräumen des Krieges herum…"

Furka stieß einen leisen Laut aus, halb Lachen, halb Schnauben, während Keldi begann, die Leichen aus dem Lager zu ziehen.

Der Wald schloss sich wieder um sie.
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Zwerge am Svellt - von Althea - 19.04.2026, 08:26
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RE: Zwerge am Svellt - von Althea - Vor 9 Stunden



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