Vor 3 Stunden
Zwerge am Svellt #2
Der Peraine-Tempel von Kvirasim lag still im schrägen Licht des Nachmittags, als die sechs ihre Ausrüstung ordneten. Das schwere Reisegepäck war geöffnet, Riemen wurden nachgezogen, Schnallen geprüft, Waffen abgelegt und wieder aufgenommen, als müsse jede Bewegung erst an diesem Ort neu bestätigt werden.
Die Zwerge arbeiteten schweigend.
Keldi kniete über einem geöffneten Bündel, prüfte sorgfältig die Lederriemen seiner neuen Skraja und strich mit dem Daumen über die Schneide, als wolle er sicher sein, dass nichts vom langen Weg auf dem Kvill ihr Gewicht verändert hatte. Neben ihm saß Hurdin auf einer niedrigen Steinbank und zog ruhig einen Riemen am Kettenhemd fester, bis Metall leise auf Metall schliff. Er sagte nichts, aber sein Blick blieb immer wieder an Türen, Fenstern und den Bewegungen im Tempelhof hängen, als zähle er bereits unbewusst Ausgänge.
Tondar hatte sich etwas abseits an die Mauer gesetzt. Vor ihm lagen Bogen, Köcher, Messer und ein kleiner Lederbeutel mit getrockneten Kräutern, die er auf der Reise gesammelt hatte. Er schien weniger mit der Ausrüstung beschäftigt als mit dem Ort selbst; sein Blick wanderte immer wieder zu den Bäumen über dem Wall hinaus, dorthin, wo das Licht zwischen Ästen stand.
Archon saß im Schatten einer Säule, beinahe reglos, die Pfeife neben sich gelegt, ein Buch auf den Knien. Doch wer ihn länger beobachtete, sah, dass auch er alles wahrnahm: die Tempeldiener, das Kommen und Gehen, die fremden Stimmen draußen auf dem Platz. Seine Aufmerksamkeit war nie dort, wo seine Augen ruhten.
Furka dagegen konnte nicht still bleiben. Mal half er Hurdin beim Verschnüren eines Packens, dann wanderte er wieder zu Althea hinüber, betrachtete die Tempelhalle, die Vorräte, die einfachen Blumen an den Fenstern, nur um kurz darauf erneut hinauszusehen, als müsse er sicherstellen, dass Kvirasim noch da war, wenn er zurückblickte.
Althea stand nahe dem offenen Eingang, wo das Licht auf die Steinplatten fiel. Ihre Laute lehnte an der Wand, während sie mit ruhigen Händen einige kleine Dinge aus ihrer Tasche sortierte: Schreibzeug, Stoffbeutel, ein schmaler Dolch, ein Tuch, das nach Süden roch. Immer wieder glitt ihr Blick hinaus auf den Marktplatz. Der Ort war anders als Thorwal, anders selbst als Riva. Leichter, stiller, aber nicht friedlich im eigentlichen Sinn — eher so, als ruhe hier etwas, das sich nicht sofort zeigte.
Als die Sonne tiefer sank, kam der Bote.
Nicht laut, nicht mit der Selbstverständlichkeit eines Menschen, sondern beinahe so, als wäre er schon da gewesen, bevor man ihn bemerkte.
Elsurion Sternenlicht sprach ruhig, fast melodisch, und bat sie, ihm zu folgen.
Niemand fragte lange.
Sie verließen den Tempel, überquerten den Platz, auf dem das Licht des Abends bereits flacher wurde, und gingen hinüber zur Liebliche Au. Vor der Tür standen Händler, Bootsmänner und zwei Männer in Fellwesten, die kurz innehielten, als die Gruppe vorbeiging — fünf Zwerge in nordischer Ausrüstung und eine Magierin mit Laute waren auch hier kein alltäglicher Anblick.
Drinnen war es wärmer als draußen. Holz, Rauch, Bier und das tiefe Murmeln des Abends.
Elsurion wählte einen Tisch etwas abseits.
Die Zwerge setzten sich, schwerfällig vom langen Tag, die Waffen dicht bei sich, als hätten sie sich längst daran gewöhnt, niemals ganz abzulegen, was Schutz bedeutete.
Althea hörte aufmerksam zu.
Elsurion sprach vom alten Bund zwischen Elfen und Zwergen, aus einer Zeit, in der beide Völker ihre Abneigung gegeneinander zurückgestellt hatten, um gemeinsam gegen die Orks zu stehen. Aus diesem Bund, sagte er, sei einst ein Zeichen entstanden: der Salamanderstein.
Kein bloßer Stein, kein Schmuckstück, sondern Erinnerung in Form.
Ein Artefakt, dessen Wiederauffinden nun notwendig geworden sei.
Während der Elf sprach, blieb Keldi ruhig, doch seine Stirn legte sich in Falten. Furka nahm zwischendurch lange Züge aus seinem Krug, als traue er Geschichten erst, wenn Bier danebenstand. Hurdin hörte mit unbewegtem Gesicht zu, als würde er das Gesagte weniger glauben als abspeichern. Tondar wirkte auf eine stille Weise aufmerksam, als höre er nicht nur Worte, sondern auch das, was zwischen ihnen fehlte. Archon schließlich hob kaum merklich den Blick, als der Name des Artefakts fiel.
Nur Althea fragte nach.
Nicht viel, aber genug, um zu spüren, dass auch Elfen nur einen Teil sagten.
Als Elsurion gegangen war, blieb für einen Moment nur das Licht der Kerzen und das tiefer werdende Geräusch des Abends.
Dann trat ein Mensch an ihren Tisch.
Sudran Alatzer, geschniegelt, höflich, mit jener kontrollierten Freundlichkeit, die mehr verbarg als zeigte.
Er sprach denselben Namen aus.
Salamanderstein.
Jetzt aber klang alles anders.
Nicht Erinnerung, sondern Ware. Nicht Bund, sondern Gelegenheit.
Er erwähnte Lowangen, sprach von Übergabe, von Geld, das dort auf sie warte.
Die Zwerge reagierten kaum sichtbar, doch Furka stellte seinen Krug langsamer ab als zuvor. Keldi lehnte sich nicht zurück. Hurdin verschränkte die Arme. Nur Althea blieb höflich, ohne Zusage.
Als der Händler gegangen war, war die Nacht bereits über den Platz gefallen.
Sie traten hinaus.
Der Marktplatz lag offen unter klarem Himmel. Zwischen den Dächern stand das Licht der Sterne still über den eingerammten Baumstämmen des Walles, und irgendwo aus größerer Entfernung war noch ein spätes Gespräch zu hören, das sich im Wind verlor.
Für einen Moment blieb die Gruppe stehen.
Niemand sprach sofort.
Der Tag hatte ihnen bereits mehr Aufträge gebracht, als eine Ankunft eigentlich tragen sollte.
Erst als sie schließlich die Einkehr erreicht hatten und die Müdigkeit des langen Tages sich endlich auf Schultern und Stimmen legte, kam die dritte Störung.
Ein Besucher in der Nacht.
Ein Diener des Phex, schmal, ruhig, mit jener eigentümlichen Sicherheit derer, die nachts selbstverständlich erscheinen.
Er sprach nicht vom Salamanderstein.
Er sprach von der Wurfaxt Sternenschweif.
Die seltsam abhandengekommen war. Ein Gegenstand, der eher verschwunden als gestohlen schien. Ein Auftrag, der ebenso wenig Zufall sein konnte wie die beiden Begegnungen zuvor.
Als der Mann gegangen war, lag das Zimmer wieder still.
Nur draußen knackte irgendwo Holz im Wind.
Furka drehte sich auf der Lagerstatt halb zur Wand, zog die Decke höher, gähnte tief und murmelte in die Dunkelheit:
"Alle wollen etwas von uns.“
Der Peraine-Tempel von Kvirasim lag still im schrägen Licht des Nachmittags, als die sechs ihre Ausrüstung ordneten. Das schwere Reisegepäck war geöffnet, Riemen wurden nachgezogen, Schnallen geprüft, Waffen abgelegt und wieder aufgenommen, als müsse jede Bewegung erst an diesem Ort neu bestätigt werden.
Die Zwerge arbeiteten schweigend.
Keldi kniete über einem geöffneten Bündel, prüfte sorgfältig die Lederriemen seiner neuen Skraja und strich mit dem Daumen über die Schneide, als wolle er sicher sein, dass nichts vom langen Weg auf dem Kvill ihr Gewicht verändert hatte. Neben ihm saß Hurdin auf einer niedrigen Steinbank und zog ruhig einen Riemen am Kettenhemd fester, bis Metall leise auf Metall schliff. Er sagte nichts, aber sein Blick blieb immer wieder an Türen, Fenstern und den Bewegungen im Tempelhof hängen, als zähle er bereits unbewusst Ausgänge.
Tondar hatte sich etwas abseits an die Mauer gesetzt. Vor ihm lagen Bogen, Köcher, Messer und ein kleiner Lederbeutel mit getrockneten Kräutern, die er auf der Reise gesammelt hatte. Er schien weniger mit der Ausrüstung beschäftigt als mit dem Ort selbst; sein Blick wanderte immer wieder zu den Bäumen über dem Wall hinaus, dorthin, wo das Licht zwischen Ästen stand.
Archon saß im Schatten einer Säule, beinahe reglos, die Pfeife neben sich gelegt, ein Buch auf den Knien. Doch wer ihn länger beobachtete, sah, dass auch er alles wahrnahm: die Tempeldiener, das Kommen und Gehen, die fremden Stimmen draußen auf dem Platz. Seine Aufmerksamkeit war nie dort, wo seine Augen ruhten.
Furka dagegen konnte nicht still bleiben. Mal half er Hurdin beim Verschnüren eines Packens, dann wanderte er wieder zu Althea hinüber, betrachtete die Tempelhalle, die Vorräte, die einfachen Blumen an den Fenstern, nur um kurz darauf erneut hinauszusehen, als müsse er sicherstellen, dass Kvirasim noch da war, wenn er zurückblickte.
Althea stand nahe dem offenen Eingang, wo das Licht auf die Steinplatten fiel. Ihre Laute lehnte an der Wand, während sie mit ruhigen Händen einige kleine Dinge aus ihrer Tasche sortierte: Schreibzeug, Stoffbeutel, ein schmaler Dolch, ein Tuch, das nach Süden roch. Immer wieder glitt ihr Blick hinaus auf den Marktplatz. Der Ort war anders als Thorwal, anders selbst als Riva. Leichter, stiller, aber nicht friedlich im eigentlichen Sinn — eher so, als ruhe hier etwas, das sich nicht sofort zeigte.
Als die Sonne tiefer sank, kam der Bote.
Nicht laut, nicht mit der Selbstverständlichkeit eines Menschen, sondern beinahe so, als wäre er schon da gewesen, bevor man ihn bemerkte.
Elsurion Sternenlicht sprach ruhig, fast melodisch, und bat sie, ihm zu folgen.
Niemand fragte lange.
Sie verließen den Tempel, überquerten den Platz, auf dem das Licht des Abends bereits flacher wurde, und gingen hinüber zur Liebliche Au. Vor der Tür standen Händler, Bootsmänner und zwei Männer in Fellwesten, die kurz innehielten, als die Gruppe vorbeiging — fünf Zwerge in nordischer Ausrüstung und eine Magierin mit Laute waren auch hier kein alltäglicher Anblick.
Drinnen war es wärmer als draußen. Holz, Rauch, Bier und das tiefe Murmeln des Abends.
Elsurion wählte einen Tisch etwas abseits.
Die Zwerge setzten sich, schwerfällig vom langen Tag, die Waffen dicht bei sich, als hätten sie sich längst daran gewöhnt, niemals ganz abzulegen, was Schutz bedeutete.
Althea hörte aufmerksam zu.
Elsurion sprach vom alten Bund zwischen Elfen und Zwergen, aus einer Zeit, in der beide Völker ihre Abneigung gegeneinander zurückgestellt hatten, um gemeinsam gegen die Orks zu stehen. Aus diesem Bund, sagte er, sei einst ein Zeichen entstanden: der Salamanderstein.
Kein bloßer Stein, kein Schmuckstück, sondern Erinnerung in Form.
Ein Artefakt, dessen Wiederauffinden nun notwendig geworden sei.
Während der Elf sprach, blieb Keldi ruhig, doch seine Stirn legte sich in Falten. Furka nahm zwischendurch lange Züge aus seinem Krug, als traue er Geschichten erst, wenn Bier danebenstand. Hurdin hörte mit unbewegtem Gesicht zu, als würde er das Gesagte weniger glauben als abspeichern. Tondar wirkte auf eine stille Weise aufmerksam, als höre er nicht nur Worte, sondern auch das, was zwischen ihnen fehlte. Archon schließlich hob kaum merklich den Blick, als der Name des Artefakts fiel.
Nur Althea fragte nach.
Nicht viel, aber genug, um zu spüren, dass auch Elfen nur einen Teil sagten.
Als Elsurion gegangen war, blieb für einen Moment nur das Licht der Kerzen und das tiefer werdende Geräusch des Abends.
Dann trat ein Mensch an ihren Tisch.
Sudran Alatzer, geschniegelt, höflich, mit jener kontrollierten Freundlichkeit, die mehr verbarg als zeigte.
Er sprach denselben Namen aus.
Salamanderstein.
Jetzt aber klang alles anders.
Nicht Erinnerung, sondern Ware. Nicht Bund, sondern Gelegenheit.
Er erwähnte Lowangen, sprach von Übergabe, von Geld, das dort auf sie warte.
Die Zwerge reagierten kaum sichtbar, doch Furka stellte seinen Krug langsamer ab als zuvor. Keldi lehnte sich nicht zurück. Hurdin verschränkte die Arme. Nur Althea blieb höflich, ohne Zusage.
Als der Händler gegangen war, war die Nacht bereits über den Platz gefallen.
Sie traten hinaus.
Der Marktplatz lag offen unter klarem Himmel. Zwischen den Dächern stand das Licht der Sterne still über den eingerammten Baumstämmen des Walles, und irgendwo aus größerer Entfernung war noch ein spätes Gespräch zu hören, das sich im Wind verlor.
Für einen Moment blieb die Gruppe stehen.
Niemand sprach sofort.
Der Tag hatte ihnen bereits mehr Aufträge gebracht, als eine Ankunft eigentlich tragen sollte.
Erst als sie schließlich die Einkehr erreicht hatten und die Müdigkeit des langen Tages sich endlich auf Schultern und Stimmen legte, kam die dritte Störung.
Ein Besucher in der Nacht.
Ein Diener des Phex, schmal, ruhig, mit jener eigentümlichen Sicherheit derer, die nachts selbstverständlich erscheinen.
Er sprach nicht vom Salamanderstein.
Er sprach von der Wurfaxt Sternenschweif.
Die seltsam abhandengekommen war. Ein Gegenstand, der eher verschwunden als gestohlen schien. Ein Auftrag, der ebenso wenig Zufall sein konnte wie die beiden Begegnungen zuvor.
Als der Mann gegangen war, lag das Zimmer wieder still.
Nur draußen knackte irgendwo Holz im Wind.
Furka drehte sich auf der Lagerstatt halb zur Wand, zog die Decke höher, gähnte tief und murmelte in die Dunkelheit:
"Alle wollen etwas von uns.“

