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Zwerge am Svellt
#1
Zwerge am Svellt #1

„Spitzohren“, brummelte Furka, kaum dass er das Ufer betreten hatte. „Überall Spitzohren.“

Althea warf ihm einen Seitenblick zu; in den Augenwinkeln lag ein feines Lächeln. „Das sind Elfen, Furka.“

„Hab ich gesagt“, knurrte er und stapfte weiter hinter Keldi her.

Keldi zog nur die Brauen hoch und schwieg. Hurdin murmelte etwas von „ganz ohne Amboss“, während Tondar leise durch die Zähne pfiff und die schlanken Bögen, Stege und hellen Hütten musterte, die sich zwischen Wasser, Holz und Grün verloren.

Althea blieb für einen Moment zurück.

Vor ihr mischte sich menschliche Bauweise mit etwas Leichterem, fast Unwirklichem – als sei der Ort nicht gebaut, sondern gewachsen. Pfähle, Stege, gebogene Linien, Holz, das wirkte, als habe es selbst entschieden, welche Form es annehmen wollte. Über allem lag der Duft von frischem Harz, feuchter Erde und jungem Gras.

„Es fühlt sich an wie… eine andere Welt“, sagte sie leise.

Hinter ihr polterte Furkas Stimme: „Es fühlt sich an wie ’ne Falle. Wetten, hier gibt’s nicht mal gescheites Bier?“

Althea lachte kurz, nahm die Laute an ihrer Seite fester und folgte den anderen.

Die Zwerge gingen schweigend über die Planken der Anlegestelle, das schwere Knirschen ihrer Stiefel mischte sich mit dem ruhigen Plätschern des Kvill. Zwischen den Pfahlbauten der Auelfen lagen schmale Boote, und von den erhöhten Stegen herab ruhten Blicke auf ihnen – freundlich, aufmerksam, aber fremd.

„Spitzohren…“, murmelte Furka noch einmal, als müsse er das Wort erst an diesen Ort gewöhnen.

Althea erinnerte sich an den Elfenboten in Riva, an die weiche Melodie seiner Sprache, die kaum Garethi gewesen war und doch verständlich blieb. Auch hier lag etwas in der Luft, das sich nicht erklären ließ: eine andere Ordnung, stiller und zugleich wacher als in den Städten des Nordens.

Keldi wandte sich halb zu ihr um. „Na, wenn sie uns schon herbestellt haben, dann sollen sie uns auch sagen, weshalb. Aber in einem ordentlichen Gasthaus — nicht in so einem Baumhaus über dem Wasser.“

Hurdin nickte grimmig. „Wenn es hier überhaupt ein ordentliches Gasthaus gibt.“

„Gibt es“, sagte Althea. „Die Einkehr. Feste Mauern, habe ich gehört.“

Ein zustimmendes Brummen ging durch die Reihe.

Als sie sich dem Wall aus eingerammten Baumstämmen näherten, hinter dem die Dächer von Kvirasim aufragten, veränderte sich das Klangbild des Ortes. Händlerstimmen, das Rufen von Bootsmännern, das ferne Schlagen von Holz auf Holz – und darüber, kaum greifbar, ein helles Flötenspiel, irgendwo zwischen den Häusern.

Althea hob unwillkürlich den Kopf.

Die Zwerge wechselten nur kurze Blicke.

„Nicht vergessen“, murmelte sie leise, mehr zu sich selbst als zu den anderen.

Der Wind trug den Klang weiter ins Dorf hinein, und vor ihnen öffnete sich der Weg zum Markt.
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