09.04.2011, 22:34
(09.04.2011, 21:48)Zurgrimm schrieb: Außerdem ist es eine Frage der Art der Reaktion auf das Argument. Auf ein Fakten-Argument (das AKW ist nach wissenschaftlichen Standards unsicher) muß absoluter reagiert werden (Abschaltun oder Nachrüstung des AKW), während es bei Argumenten mit der emotionalen Lage von Menschen (Anwohner fürchten sich vor einem Atom-Unglück) vielleicht "weichere" Mittel gibt, auf diese subjektiven Empfindungen einzugehen (Information, Anhörung, kostenlose Medikamentengabe für den Notfall o.ä.). Eine Abschaltung wegen der Faktenlage nach unbegründeter Ängste wäre wohl unverhältnismäßig.Du rührst da aber an ein grundsätzliches Problem. Die Wissenschaft kann nur sagen, dass nach bisherigem Kenntnissstand ca. 1 von 100 Reaktoren eine Kernschmelze mitgemacht hat. Sie kann ein Modell erstellen, nach dem die Wahrscheinlichkeit für einen Zwischenfall in einem speziellen AKW in den nächsten 100 Jahren bei soundsoviel Prozent liegt.
Das hat zwei Fallstricke, nämlich ob das Modell angemessen ist, und welche daraus resultierenden Wahrscheinlichkeiten als bedenklich eingestuft werden müssen. Bei so komplexen Systemen wie AKWs ist das Modell zwangsläufig eine sehr grobe Vereinfachung, die sich stark auf die Intuition und Erfahrung verlassen muss. Und die Bewertung kann dann höchstens auf Konsens fußen. Und in diesem Fall gibt es mMn gar keinen Konsens.
Das heißt, ich kann Dir wunderbar und wissenschaftlich einwandfrei ein Zahl ausrechnen, und jemand anderes ebenso einwandfrei eine ganz andere. Die Versicherungen sind relativ gut und erfahren in sowas. Deswegen versichert auch niemand AKWs.
P.S.: Meinst Du wirklich, das prophylaktische Verteilen von Medikamenten trägt zur Beruhigung bei?
