(30.07.2010, 20:17)Zurgrimm schrieb: Ich habe den Eindruck, Du versuchst mich in eine Disklussion zu verstricken, die ich so nicht begonnen habe.Findest du? Es ging doch darum, die Sinnhaftigkeit von Kontrollen festzustellen. Ich versuche weiterhin zu erklären, warum ich übermäßige Kontrollen sogar für kontraproduktiv halte. Tut mir Leid, wenn du dich dadurch zu etwas genötigt fühlst.

Ich habe gerade ein leichtes Déjí vu.

Ich habe dein Beispiel mit den DDR-Bürgern kommentiert, weil ich den meiner Ansicht nach hinter diesem Verhalten liegenden psychologischen Mechanismus verdeutlichen wollte.

Du sagst, dass die Menschen "halt so sind", dass sie - überspitzt - "von Gier getrieben" sind. Ich bestreite ausdrücklich nicht, dass diese Gier existiert, dieses Bedachtsein auf den eigenen Über-Vorteil. Das sieht man überall, ganz oben wie ganz unten.
Aber ich will dahinter sehen und untersuchen (bzw. meine Vermutungen teilen), warum die Menschen so sind. Denn dieses Verhalten ist, da bin ich mir sehr sicher, kein Naturgesetz, keine Veranlagung, sondern wird von außen erzeugt (wichtig: es entsteht nicht einfach, es wird erzeugt, und das nur zum Teil unabsichtlich). Also ist es auch möglich, dieses Verhalten zu verhindern, d.h. das, was dazu treibt, zu eliminieren (im guten Sinne). Am besten wäre natürlich, dass es gar nicht erst erzeugt wird, aber auch dazu muss man irgendwo damit anfangen, die Kette zu durchbrechen. Aber jetzt verfange ich mich wieder im Detail...
Wie gesagt, die Crux ist, dass das System durch Kontrollen und Bestrafungen Dinge zu korrigieren versucht, die nicht notwendig existieren (als Gegenstück zur Kontingenz) und nicht "schiefgehen" müssten, sondern zum Teil sogar durch diese Kontrollen und Bestrafungen erzeugt oder zumindest am Leben erhalten werden!
Deshalb finde ich diese Hintergründe viel wichtiger als mir Mittel und Wege auszudenken, wie ein System möglichst lange und effizient bestehen kann. Denn es sind diese Irrungen, auf denen alles basiert. Und genau aus diesem Grund muss das System natürlich die Irrungen aufrechterhalten!
Mir fehlen die Mittel, meine Ansichten diesbezüglich weitergehend zu belegen, als ich es hier ohnehin versuche; ich bin kein Meister der argumentativen Beweisführung. Wohl ganz im Gegensatz zu dir.


Daher finde ich es beinahe schon etwas tragisch, da ich immer noch nicht das Gefühl habe, dass ich mit meinen Gewichtungen auf nennenswerte Resonanz stoße.


Ich kann an dieser Stelle höchstens Bücher empfehlen, allen voran Gunter Duecks Trilogie (insb. Topothesie) und sicherlich auch Alice Millers Werke, die ich selber gerade erst gelesen habe. (Der Link zu "Am Anfang war Erziehung" passt auch zur Diskussion über Kriege im Meckerthread(?) - die ich hiermit dann abschließen möchte.

Ich weiß, du wirst vermutlich keine Zeit haben, die Bücher zu lesen, und bestimmt fehlt dem Thema sowieso die nötige Priorität auf deiner Liste. Trotzdem weise ich mal darauf hin - für alle, die sich fragen, wo meine abstrusen Vorstellungen denn bloß herkommen.


Ach, und auch wenn ich gerade auf Zurgrimms Beitrag geantwortet habe und ihn direkt anspreche, richte ich mich natürlich an alle Interessierten. Das muss man in diesem Thread ja dazusagen, wie ich gelernt habe.


Great people care.