Unterwegs mit Zwergen #78
![[Bild: Althea-nach-Daspota.png]](https://i.postimg.cc/qzSjd8GS/Althea-nach-Daspota.png)
Der Abend des 1. Hesinde. Althea steht am Fenster, lässt ihren Blick über das Kontorviertel, den großen Markt am Hafen, nach Osten über die Gebäude der Stadt gleiten. Die Hand, die auf dem Fensterrahmen liegt, ist unwillkürlich zu einer Faust geballt, ihre Mine angespannt.Mit einem Kopfschütteln wendet sie sich ab, geht hinüber zum Bett. Als sie sich niederlassen möchte, stößt ihr Fuß gegen einen der schweren Beutel unter dem Bett. Es klirrt hell. Sie blickt nach unten. 'Blutgeld'. Sie lässt sich auf das Bett sinken. Das ist also Krieg. Natürlich konnte Thorwal es sich nicht leisten, die Orks vor sich und die Piraten von Daspota im Rücken zu haben. Sie zieht ein Bein an, stützt das Kinn aufs Knie...
…und bleibt eine Weile so sitzen, reglos, als müsse sich erst ordnen, was sich nicht ordnen lassen will.
Draußen war Thorwal bereits im frühen Dunkel versunken. Zwischen den Dächern standen Rauchfahnen still in der kalten Luft, und über dem Hafen lagen verstreute Lichter, gelb und ruhig, als wäre die Stadt selbst müde geworden. Von irgendwoher drang gedämpftes Stimmengewirr herauf, das Rollen eines Karrens auf Stein, dann wieder Stille.
Unter dem Bett lagen die Beutel schwer und wirklich, greifbarer als vieles von dem, was hinter ihnen lag.
Mehr als sechstausend Dukaten.
Ein Vermögen.
Zusammengetragen aus Wegen, Kämpfen, Funden, Handel, aus Gefahr — und nun auch aus Daspota.
Doch gerade dieser Teil trug ein anderes Gewicht.
Nicht Schatz.
Nicht glücklicher Fund.
Nicht verdientes Geld.
Etwas daran blieb rau.
Sie dachte an den Hafen der Piratenstadt zurück: Feuer an den Stegen, Schatten zwischen niedrigen Häusern, Schreie, das Knacken von Holz, der Geruch von Rauch und Salzwasser. An Furka hinter ihr, die Armbrust prüfend. An die Männer, die flohen. An die, die blieben.
Es war notwendig gewesen.
Und doch machte die Notwendigkeit es nicht leicht.
„Blutgeld“, murmelte sie noch einmal leiser, fast prüfend, als müsse das Wort erst seinen Platz finden.
Dann hob sie den Blick wieder zum Fenster, ohne aufzustehen.
Natürlich war es Krieg.
Nicht der große Krieg noch — nicht das, was jenseits des Winters wartete, wenn sich die Orks sammelten. Das hier war nur ein Vorgeschmack gewesen, ein hartes, kaltes Vorzeichen. Aber eines, das keinen Zweifel mehr ließ.
Der Sommer war endgültig vorbei.
Nicht nur draußen.
Die leichten Wege zwischen Hjalland und Prem, die hellen Tage auf den Straßen des Nordens, selbst jene frühen Reisen, in denen noch vieles wie Zufall gewirkt hatte — all das lag inzwischen hinter ihnen wie etwas, das man noch erinnern konnte, aber nicht mehr zurückrufen.
Und dennoch war da unter allem keine Reue.
Nur dieses neue, schwerere Wissen:
Dass manches getan werden musste, auch wenn es Spuren hinterließ.
Ihre Hand löste sich langsam vom Knie. Die Faust öffnete sich.
Morgen würde wieder geplant werden. Winter, Oberorken, Ausrüstung, das Ende dessen, was begonnen hatte.
Aber jetzt, in diesem Moment, saß sie einfach nur da, zwischen Tempelstille, Hafenrauch und dem hellen Klang von Münzen unter einem Bett — und begriff, dass auch dies nun zu ihrer Geschichte gehörte.
![[Bild: Althea-nach-Daspota.png]](https://i.postimg.cc/qzSjd8GS/Althea-nach-Daspota.png)
Der Abend des 1. Hesinde. Althea steht am Fenster, lässt ihren Blick über das Kontorviertel, den großen Markt am Hafen, nach Osten über die Gebäude der Stadt gleiten. Die Hand, die auf dem Fensterrahmen liegt, ist unwillkürlich zu einer Faust geballt, ihre Mine angespannt.Mit einem Kopfschütteln wendet sie sich ab, geht hinüber zum Bett. Als sie sich niederlassen möchte, stößt ihr Fuß gegen einen der schweren Beutel unter dem Bett. Es klirrt hell. Sie blickt nach unten. 'Blutgeld'. Sie lässt sich auf das Bett sinken. Das ist also Krieg. Natürlich konnte Thorwal es sich nicht leisten, die Orks vor sich und die Piraten von Daspota im Rücken zu haben. Sie zieht ein Bein an, stützt das Kinn aufs Knie...
…und bleibt eine Weile so sitzen, reglos, als müsse sich erst ordnen, was sich nicht ordnen lassen will.
Draußen war Thorwal bereits im frühen Dunkel versunken. Zwischen den Dächern standen Rauchfahnen still in der kalten Luft, und über dem Hafen lagen verstreute Lichter, gelb und ruhig, als wäre die Stadt selbst müde geworden. Von irgendwoher drang gedämpftes Stimmengewirr herauf, das Rollen eines Karrens auf Stein, dann wieder Stille.
Unter dem Bett lagen die Beutel schwer und wirklich, greifbarer als vieles von dem, was hinter ihnen lag.
Mehr als sechstausend Dukaten.
Ein Vermögen.
Zusammengetragen aus Wegen, Kämpfen, Funden, Handel, aus Gefahr — und nun auch aus Daspota.
Doch gerade dieser Teil trug ein anderes Gewicht.
Nicht Schatz.
Nicht glücklicher Fund.
Nicht verdientes Geld.
Etwas daran blieb rau.
Sie dachte an den Hafen der Piratenstadt zurück: Feuer an den Stegen, Schatten zwischen niedrigen Häusern, Schreie, das Knacken von Holz, der Geruch von Rauch und Salzwasser. An Furka hinter ihr, die Armbrust prüfend. An die Männer, die flohen. An die, die blieben.
Es war notwendig gewesen.
Und doch machte die Notwendigkeit es nicht leicht.
„Blutgeld“, murmelte sie noch einmal leiser, fast prüfend, als müsse das Wort erst seinen Platz finden.
Dann hob sie den Blick wieder zum Fenster, ohne aufzustehen.
Natürlich war es Krieg.
Nicht der große Krieg noch — nicht das, was jenseits des Winters wartete, wenn sich die Orks sammelten. Das hier war nur ein Vorgeschmack gewesen, ein hartes, kaltes Vorzeichen. Aber eines, das keinen Zweifel mehr ließ.
Der Sommer war endgültig vorbei.
Nicht nur draußen.
Die leichten Wege zwischen Hjalland und Prem, die hellen Tage auf den Straßen des Nordens, selbst jene frühen Reisen, in denen noch vieles wie Zufall gewirkt hatte — all das lag inzwischen hinter ihnen wie etwas, das man noch erinnern konnte, aber nicht mehr zurückrufen.
Und dennoch war da unter allem keine Reue.
Nur dieses neue, schwerere Wissen:
Dass manches getan werden musste, auch wenn es Spuren hinterließ.
Ihre Hand löste sich langsam vom Knie. Die Faust öffnete sich.
Morgen würde wieder geplant werden. Winter, Oberorken, Ausrüstung, das Ende dessen, was begonnen hatte.
Aber jetzt, in diesem Moment, saß sie einfach nur da, zwischen Tempelstille, Hafenrauch und dem hellen Klang von Münzen unter einem Bett — und begriff, dass auch dies nun zu ihrer Geschichte gehörte.

