17.12.2011, 10:14
(16.12.2011, 10:17)Zurgrimm schrieb: Um eine terroristische Vereinigung zu unterstützen hätte er wohl nichtmal im Detail über den Inhalt der Nachrichten informiert sein, geschweige denn die RAF aktiv beraten haben müssen ...Nein, alleine das wäre schon ausreichend gewesen. Für die Strafzumessung des Richters dürfte es trotzdem eine entscheidende Rolle gespielt haben. Aber es ging ja eigentlich um die Frage, ob ich mit der "Unterstützung einer terroristischen Vereinigung" übertreibe. Und da bin ich der Meinung: Nein. Das was Ströbele getan hat, entspricht genau dem, was ich unter einer "Unterstützung" verstehe. Dass er selbst Terrorist gewesen sein soll, hat ja niemand behauptet.
(16.12.2011, 10:17)Zurgrimm schrieb: Aber man sollte auch nicht vergessen: Wir sprechen über Dinge, die Jahrzehnte zurückliegen.Das ist prinzipiell richtig, allerdings gibt es für mich für "ein Schwamm drüber" gewisse Vorraussetzungen.
Die Taten dürfen nicht zu heftig (1) gewesen sein, was bei Ströbele schon kritisch ist; und es muss, vor allem wenn es sich um Taten mit politischen Bezug handelt, klar zu erkennen sein, dass der Betreffende seinen Fehler einsieht (2), die Verantwortung dafür übernommen hat (3), und man damit rechnen kann, dass das nicht wieder vorkommt (4). Und keinen dieser 3 weiteren Punkte kann ich bei Ströbele guten Gewissens bejahen. Um seine Schuldfrage windet er sich immer noch mit (falschen) Aussagen herum, er wäre für seine Unterstützung des Hungerstreiks verurteilt worden, dass er seine Taten bedauert, oder sich bei den Angehörigen der Opfer entschuldigt hätte, die erst durch sein Zutun zu Opfern werden konnten, habe ich auch nicht gehört. Daher habe ich eben auch starke Bedenken, dass er, sollte sich die Gelgenheit bieten, wieder in der gleichen Weise handeln könnte. Erschwerend kommt hinzu, dass er seine (Anwalts-) Privilegien bewusst missbraucht hat, was mir Sorgen dahingehend bereitet, ihn jetzt mit den umfangreichen Priviligien eines Abgeordneten zu sehen. Für mich hat Ströbele in den 70ern bewiesen, dass er charakterlich nicht dazu geeignet ist, ein Politiker zu sein, und diesen Eindruck hat er seitdem nicht korrigiert.
(16.12.2011, 10:17)Zurgrimm schrieb: Auch Joschka Fischer war mal ein anderer. Ich gestehe einem Menschen zu, sich weiterzuentwickeln ...Fischers Taten waren allerdings nicht ohne. Er hatte Glück, dass man ihm nur die Schläge auf einen am Boden liegenden Polizisten und die Steinwürfe nachweisen konnte. Da stand er noch für andere Dinge unter Verdacht. Zugute halten kann man ihm, dass er öffentlich eingesehen hat, dass nicht nur seine Taten sondern die ganze Strategie dahinter nicht in Ordnung war, und er sich somit davon losgesagt hat. In sofern kann man die Punkte 1-4 von obiger Liste als erfüllt ansehen und sagen Schwamm drüber.
(16.12.2011, 10:17)Zurgrimm schrieb: (im positiven, wie im negativen Sinne). Ströbele hat seine Strafe erhalten und das bedeutet für mich, daß man nach einer so langen Zeit die "alten Geschichten" auch ruhen lassen darf.Allerdings gelten in der Politik eben auch andere Gesetze; Dass er die Strafe abgesessen hat, sagt wenig aus. Es geht ja mehr um die Glaubwürdigkeit (in diesem Fall, sich an unsere Gesetze zu halten etc.) als um justiziable Dinge. Wer von all den Zurückgetretenen der letzten Jahre musste sich denn für seinen Rücktrittsgrund vor Gericht verantworten?
(16.12.2011, 10:17)Zurgrimm schrieb: Meine Zeit war das ja nun auch nicht. Aber nach allem, was ich darüber so gelesen, gesehen und gehört habe, gab es tatsächlich Versäumnisse in beide Richtungen. Illegale Abhörungen der Bundesanwaltschaft, aber auch fast unerhörte Haftprivilegien für die schlimmsten Terroristen ihrer Zeit.Die grenzenlose Respektlosigkeit der Angeklagten bis hin zur völligen Missachtung des Gerichts und damit auch unserer Gesellschaftsordnung war noch so ein Punkt. Jedes erdenklich Rechtsmittel wurde bis zur Absurdität missbraucht.
(16.12.2011, 10:17)Zurgrimm schrieb:Für mich ist es nach den Aussagen von Frau Birthler 2008 erwiesen, dass Gregor Gysi IM war. Da gibt es eigentlich keine andere plausible Erklärung mehr für die Vorkommnisse. Das hat für mich zur Konsequenz, dass er massiv gelogen hat ... .(16.12.2011, 04:30)Wolverine schrieb: Daniel Cohn Bendit, Joschka Fischer, Gregor Gysi und auch Ströbeles Taten wiegen weit schwerer. Politische Konsequenzen? Fehlanzeige! Wieso denn auch, sind doch die GrünenHerrn Gysi konnte man nie etwas nachweisen. Ob er Beziehungen zur Stasi hatte, ist bis heute offen. Da darf man hin nicht vorverurteilen.
Ob sich damit schon ein Gericht ausseinandergesetzt hat, weiss ich nicht.
(16.12.2011, 10:17)Zurgrimm schrieb:Mit der menschenverachtenderen Handlungsweise meinte ich die Tatsache, dass die RAF auch Opfer unter gänzlich Unbeteiligten ohne Skrupel in Kauf genommen hat. Soweit wir bisher wissen, war das bei der NSU nicht der Fall.(16.12.2011, 08:49)Wolverine schrieb: Warten wir lieber mal ab, was bei der NSU noch so alles rauskommt. Momentan magst Du recht haben, die RAF war zweifellos um einiges menschenverachtender und grausamer.Ich sehe da auch viele Unterschieden zwischen den beiden Fällen. In puncto Menschenverachtung aber gerade nicht.
(16.12.2011, 10:17)Zurgrimm schrieb:Das natürlich, wobei es Menschen gibt, die behaupten, die extremen Ränder würden sich wieder berühren ...(16.12.2011, 08:49)Wolverine schrieb: Beide benutzten eine absolut kranke Ideologie als VorwandEine in der Sache aber doch völlig verschiedene.
(16.12.2011, 10:17)Zurgrimm schrieb:Wobei ich dieses Verhalten nach wie vor für rätselhaft halte. Ich würde da auch andere Motive (Auftragsmord o.ä.) statt Rassismus nicht ausschließen.(16.12.2011, 08:49)Wolverine schrieb: um Menschen zu töten, und dabei auch Unschuldige/ Unbeteiligte in Kauf zu nehmenEs soll sogar darauf geachtet worden sein, daß nur die Zielperson im Geschäft war, zum Zeitpunkt des jeweiligen Mordanschlages.
(16.12.2011, 10:17)Zurgrimm schrieb:Nein, der islamische Terror hat häufig den "dekadenten Westen" als Ziel. Das ist natürlich streng genommen auch eine Personengruppe, aber so meinte ich das nicht. Gemeint war eine kleine Teilmenge der Gesellschaft. (Banker, Manager, Ausländer etc.)(16.12.2011, 08:49)Wolverine schrieb: Beide hatten einzelne Personengruppen als Feindbild,Trifft das nicht auf jede Terrororganisation zu?
(16.12.2011, 10:17)Zurgrimm schrieb: Eine Organisation, die alle Menschen als Feind hat, gibt es wohl nicht.Eine ganze Organisation vermutlich nicht, aber einzelne oder kleine Gruppen können durchaus von der Welt so enttäuscht sein, dass sich ihr Hass gegen alle Menschen richtet. Vermutlich sucht sich der Hass dann aber immer noch ein bevorzugtes Ziel.
(16.12.2011, 10:17)Zurgrimm schrieb:Nein, ein jüdisches Opfer war nicht dabei. Allerdings war meines Wissens auf der DVD antisemitisches Material dabei. Aber da muss man wohl noch ein paar Jahre ins Land ziehen lassen, bevor man diese Gruppe und ihre Taten verstehen wird. Würde mich nicht wundern, wenn es noch mehr "große Überraschungen" gäbe.(16.12.2011, 08:49)Wolverine schrieb: waren daneben stark antisemitisch,Von der Ideologie her vielleicht. Das ist beim NSU aber in den Taten nicht hervorgetreten. Keines der Opfer war jüdisch, soweit ich weiß.
(16.12.2011, 10:17)Zurgrimm schrieb:Nun, damit meinte ich zum einen das Faible für (unnötig) viele Waffen, aber auch den Umstand, dass die Morde an den Dönerbudenbesitzern generalstabsmäßig geplant und kommandoartig ausgeführt wurden. Man hat sich eben nicht den nächstbesten "Feind" gegriffen und dann mit irgendetwas umgebracht, was gerade zur Hand war.(16.12.2011, 08:49)Wolverine schrieb: militärisch organisiert,Die Rechte Szene weist gewiß militante Strukturen auf. Der NSU speziell war im Kern aber wohl eher eine Gruppe von zwei oder drei Personen, die sich auf eine Gruppe von Helfern verlassen konnte. Von militärischer Organisation sehe ich da bislang nichts.
(16.12.2011, 10:17)Zurgrimm schrieb:Ist zwar wohl richtig, spricht aber nicht gegen die Aussage, dass sich die beiden Gruppen ähnlich waren.(16.12.2011, 08:49)Wolverine schrieb: von der Gesellschaft weitestgehend isoliert,Das dürfte auf restlos jede terroristische Gruppierung zutreffen, sobald sie die erste Tat verübt hat. Anders ist Terrorismus in einem westlichen Staat kaum möglich.
in ein Netz von Symphatisanten eingebunden,
und haben sich selbst dabei grenzenlos überhöht.
(16.12.2011, 10:17)Zurgrimm schrieb:Vielleicht sollten wir nochmal zum Ursprung dieser Disskussion zurückehren. Beim Vergleich ging es ja nicht um die beiden Terrororganisationen selbst, sondern um Frage, ob die Unterstützung der NSU vergleichbar mit dem wäre, was Ströbele auf dem Kerbholz hat.(16.12.2011, 08:49)Wolverine schrieb: Wieso ist ein Vergleich für Dich grober Unfug?Der Vergleich hat relativ wenig Aussagekraft. Daß gerade der Terror der RAF und der NSU sich nahe standen, würde ich nach derzeitigen Erkenntnissen auch für abwegig halten.
Und da bin ich der Meinung, dass man das durchaus vergleichen kann.
(16.12.2011, 10:26)Edvard schrieb: Nur ganz kurz, da mir das Mitdiskutieren eigentlich zu anstrengend ist...Also Links- mit Rechtsextremismus wirklich zu vergleichen, ist sehr schwierig. Nicht zuletzt, weil die Taten zu verschiedenen Zeiten mit verschiedenen Möglichkeiten ausgeführt wurden. Allerdings neigen die meisten Menschen in der Tat dazu, dem Extremismus auf ihrer polischen Seite eher etwas Positives abzugewinnen, als dem auf der gegenüberliegenden Seite. Und da sich eine überwältigende Mehrheit der Medienleute sich als linksgrün bezeichnet, ist es nicht verwunderlich, dass der Linksextremissmus etwas wohlwollender und nachsichtiger behandelt wird. Ob er deswegen soviel schlimmer ist ...
Im Großen und Ganzen bin ich Wolverines Meinung (dürfte ja nicht weiter verwunderlich sein). Gerade was den letzten Punkt mit RAF und NSU angeht, stell ich mich klar hinter ihm. Natürlich gehören bestenfalls sämtliche Rechtsextreme in die Antarktis verbannt, um dort Eis zu klopfen (da haben sie ne neue Lebensaufgabe
), aber ich persönlich finde Linksextremismus schlimmer, da er (mir) in der Gesellschaft (und Politik) akzeptabler erscheint. Dementsprechend würde ich die Linksextremen auch auf den Mars verbannen, um dort Marsgestein zu klopfen.^^