(16.12.2011, 04:30)Wolverine schrieb: Das hatte ich ja versucht, zu erklären: nämlich dass Ströbele nicht einfach nur aus Gefälligkeit ein paar (verschlossene) Briefe ausgetauscht hat, sondern, dass er aktiv daran mitgewirkt hat, ein neues Informationssystem zu etablieren. Sprich, über den Inhalt der Mitteilungen informiert war, sie bei der Umsetzung beraten hat und so weiter. Das macht die neue Qualität aus.Um eine terroristische Vereinigung zu unterstützen hätte er wohl nichtmal im Detail über den Inhalt der Nachrichten informiert sein, geschweige denn die RAF aktiv beraten haben müssen. Daß er sich am Funktionieren eines Informationssystems zur Planung terroristischer Taten beteiligt, das genügt doch schon. Es sagt ja niemand, daß er selbst RAF-Terrorist gewesen sei, sondern nur, daß er sie unterstützt hat. Mit welchen Motiven ist eine andere Frage. Ob er sich wirklich vor Augen geführt hat und auch wollte, daß Menschen zu Schaden kommen, darüber würde ich kein Urteil fällen wollen.
Aber man sollte auch nicht vergessen: Wir sprechen über Dinge, die Jahrzehnte zurückliegen. Auch Joschka Fischer war mal ein anderer. Ich gestehe einem Menschen zu, sich weiterzuentwickeln (im positiven, wie im negativen Sinne). Ströbele hat seine Strafe erhalten und das bedeutet für mich, daß man nach einer so langen Zeit die "alten Geschichten" auch ruhen lassen darf. Daran, wie er sich im RAF-Prozeß verhalten hat, würde ihn heute insofern nicht mehr messen. Das er tendenziell sehr links ausgerichtet ist, das ist kein Geheimnis, muß seine Sacharbeit aber auch nicht beeinträchtigen.
(16.12.2011, 04:30)Wolverine schrieb: Wer sich vorwiegend linker Medien bedient, wird es als (himmelschreiende) Ungerechtigkeit in Erinnerung haben. Wer seine Ansichten aus konservatien Medien hat, ist der Meinung, dass man damals viel zu lasch mit ihnen umgegangen ist.Meine Zeit war das ja nun auch nicht. Aber nach allem, was ich darüber so gelesen, gesehen und gehört habe, gab es tatsächlich Versäumnisse in beide Richtungen. Illegale Abhörungen der Bundesanwaltschaft, aber auch fast unerhörte Haftprivilegien für die schlimmsten Terroristen ihrer Zeit.
(16.12.2011, 04:30)Wolverine schrieb: Daniel Cohn Bendit, Joschka Fischer, Gregor Gysi und auch Ströbeles Taten wiegen weit schwerer. Politische Konsequenzen? Fehlanzeige! Wieso denn auch, sind doch die GrünenIch nehme mal an, Gysi hast Du in diese Reihe erst nachträglich eingefügt?

Joschka Fischer hat m.E. nichts allzu Schlimmes getan. Er hat mal in jungen Jahren Steine auf gut gerüstete Polizisten geworfen, das wäre eine versuchte gefährliche Körperverletzung. Sicher ist das kein Kavaliersdelikt, aber auch noch weit vom Terrorismus oder dessen Unterstützung entfernt. Herrn Gysi konnte man nie etwas nachweisen. Ob er Beziehungen zur Stasi hatte, ist bis heute offen. Da darf man hin nicht vorverurteilen.
(16.12.2011, 04:30)Wolverine schrieb:Jaja, schon gut, jetzt hab' auch ich's kapiert...Zitat:Offiziell WGGdB. Aber wir Schläfer nennen ihn liebevoll einfach WGG.
ähh, ja natürlich:
Wolverines Ganzheitlicher Geheimdienst der Besten
Aber, woher zum Henker wisst ihr das?
Mooooment!

Die Sache bleibt: Ströbele hat keinen Einfluß auf den Landesverfassungsschutz in BW.
(16.12.2011, 08:49)Wolverine schrieb: Warten wir lieber mal ab, was bei der NSU noch so alles rauskommt. Momentan magst Du recht haben, die RAF war zweifellos um einiges menschenverachtender und grausamer.Ich sehe da auch viele Unterschieden zwischen den beiden Fällen. In puncto Menschenverachtung aber gerade nicht. Wenn wir jetzt davon absehen - und dazu würde ich dringend raten wollen - die Zahl der ermordeten Menschen zu vergleichen, dann haben beide Gruppierungen unschuldige Menschen ohne sinnvollen Anlaß ermordet. Daß die einen - RAF - mit Bomben und damit mit gemeingefährlichen Mitteln vorgegangen sind, die anderen - NSU - nicht, liegt wohl kaum an einem unterschiedlichen Grad von Menschenverachtung, sondern eher an unterschiedlichen Möglichkeiten. Eine befüllte Moschee in die Luft zu sprengen hätte durchaus in das ideologische Profil des NSU gepaßt.
(16.12.2011, 08:49)Wolverine schrieb: Beide benutzten eine absolut kranke Ideologie als VorwandEine in der Sache aber doch völlig verschiedene.
(16.12.2011, 08:49)Wolverine schrieb: um Menschen zu töten, und dabei auch Unschuldige/ Unbeteiligte in Kauf zu nehmenWobei bei dem NSU Unschuldige nur wenig zu Schaden gekommen sind (bei den Banküberfällen sicherlich, aber gestorben ist da immerhin keiner; was mit den Polizisten war, wissen wir noch nicht). Die Dönermorde haben sich sehr gezielt gegen Einzelpersonen gerichtet. Es soll sogar darauf geachtet worden sein, daß nur die Zielperson im Geschäft war, zum Zeitpunkt des jeweiligen Mordanschlages.
(16.12.2011, 08:49)Wolverine schrieb: Beide hatten einzelne Personengruppen als Feindbild,Trifft das nicht auf jede Terrororganisation zu? Eine Organisation, die alle Menschen als Feind hat, gibt es wohl nicht. Auch die Islamisten haben bestimmte Gruppen zum Feind: Amerikaner, Ungläubige, Juden, ... Gegen irgendeine Gruppe richtet sich der Haß immer. Gerade bei der RAF war das aber ja recht breit angelegt. Die Schleyer-Ermordung ist im Hinblick auf die Zielgruppe mit dem Springer-Anschlag nur schwer zu vereinbaren. Gegner war das "Schweinesystem" an sich, mit all seinen Helfern. Der NSU hat sich gegen Menschen mit türkischem Migrationshintergrund gerichtet. Das ist sehr viel enger. Allein das Attentat auf die Polizisten paßt da nicht rein, dazu weiß man aber auch noch zu wenig, um das einordnen zu können.
(16.12.2011, 08:49)Wolverine schrieb: waren daneben stark antisemitisch,Von der Ideologie her vielleicht. Das ist beim NSU aber in den Taten nicht hervorgetreten. Keines der Opfer war jüdisch, soweit ich weiß.
(16.12.2011, 08:49)Wolverine schrieb: militärisch organisiert,Die Rechte Szene weist gewiß militante Strukturen auf. Der NSU speziell war im Kern aber wohl eher eine Gruppe von zwei oder drei Personen, die sich auf eine Gruppe von Helfern verlassen konnte. Von militärischer Organisation sehe ich da bislang nichts.
(16.12.2011, 08:49)Wolverine schrieb: von der Gesellschaft weitestgehend isoliert,Das dürfte auf restlos jede terroristische Gruppierung zutreffen, sobald sie die erste Tat verübt hat. Anders ist Terrorismus in einem westlichen Staat kaum möglich.
in ein Netz von Symphatisanten eingebunden,
und haben sich selbst dabei grenzenlos überhöht.
(16.12.2011, 08:49)Wolverine schrieb: Wieso ist ein Vergleich für Dich grober Unfug?Der Vergleich hat relativ wenig Aussagekraft. Er besagt nur, daß jede Form von Terriorismus gewisse Gemeinsamkeiten hat. Das ist allerdings zwangsläufig, sonst könnte man sie auch nicht unter diesem Begriff zusammenfassen. Daß gerade der Terror der RAF und der NSU sich nahe standen, würde ich nach derzeitigen Erkenntnissen auch für abwegig halten. Das schon deshalb, weil der NSU keinerlei politische Forderungen gestellt, ja nichteinmal seine "Botschaft" offen verkündet hat. Er hat seine Taten nur für sich und möglicherweise eine relativ enge Gruppe von Szene-Kundigen, die ihm diese Taten zurechnen konnte, getätigt. Letztlich sind Art der Tatbegehung, Ziele und Hintergründe der Taten doch sehr verschieden.
Noch ein letztes Wort zu Breivik: Nach allem, was man nun so hört (auch über seinen Geisteszustand), dürfte die Tat wohl eine Mischung aus Terroranschlag und Amoklauf gewesen sein, die sich in keine Kategorie so ganz einordnen läßt. Das ist insofern sicherlich ein Sonderfall, den man so eigentlich mit keiner anderen Tat vergleichen kann.
"Haut die Säbel auffe Schnäbel."